Im Porträt Erst Drogen-Exzesse, jetzt Starkoch: Wie Max Strohe es geschafft hat

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Max Strohe
Max Strohe findet, dass Kochen quasi unendlich ist mit den ganzen Kombinationen. Bild: Klett-Cotta | Robert Schlesinger

Max Strohe ist Spitzenkoch und tritt im Fernsehen gegen Tim Mälzer und andere Sterne-Köche an. In seiner Jugend wollte er wie ein Rockstar sein. Er lebte exzessiv und wäre fast abgestürtzt. In seinem Buch "Kochen am offenen Herzen" erzählt der Berliner Kreativkoch von diesen bewegten Zeiten.

Max Strohe
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Gesprächszeit "Ich kann nichts, außer kochen" – Max Strohe

Max Strohe ist Spitzenkoch in Berlin und tritt im Fernsehen gegen andere Sterne-Köche an. Seine ausschweifende Jugend hat er in einem Buch verarbeitet.

Bild: Klett-Cotta | Robert Schlesinger

Das Speiselokal "Tulus Lotrek" in Berlin-Kreuzberg ist Maximilian Strohes Spielwiese. Als Küchenchef kann er hier seiner Kreativität freien Lauf lassen. Kochen beginnt für ihn im Kopf: "Von zehn Sachen, die ich mir ausgedacht habe, sind neun Sachen Schrott. Und dann kombiniert man Idee Acht mit Idee Vier und schläft nochmal drüber und dann kommt letztlich vielleicht eine brauchbare Sache heraus, die wir hier im Restaurant präsentieren können", erzählt er. Einst sagte ihm ein Ausbilder, dass theoretisch alles mit allem kombinierbar sei. "Kochen ist quasi unendlich", bringt es Strohe auf den Punkt. Das eigene Restaurant gibt ihm das nötige Selbstbewusstsein, sich ganz auf seine Fähigkeiten zu verlassen und damit hat er Erfolg: 2017 bekam das Lokal einen Michelin-Stern verliehen.

Kochen im Altersheim ist stückweit viel wichtiger als Sternekochen. Es ist viel notwendiger und ehrenhafter.

Max Strohe hat in selbst mal in einem Altenheim gekocht.

Dass aus Max Strohe mal ein Starkoch mit Bundesverdienstkreuz werden würde, das hätte in seiner Rheinland-Pfälzischen Heimat wohl keiner gedacht. Max wollte lieber Rockstar werden und führte sich auch so auf. Seine exzessiven Jahre – geprägt durch Sex, Drogen und Alkohol – hat er jüngst in einem Buch aufgearbeitet: "Kochen am lebenden Herzen" entstand während des zweiten Corona- Lockdowns 2021. Da hatte er Zeit, sich mit seiner ausschweifenden Vergangenheit ernsthaft auseinanderzusetzen. "Das hätte auch schiefgehen können", resümiert er heute diese Zeit. Doch er hat durchgehalten und im zweiten Anlauf die Kochlehre abgeschlossen. Danach kochte er im Altenheim und einige Zeit auf Kreta. Heute ist er ein Star am Herd, wenn er jedoch auf seine ersten Jahre zurückblickt, sagt er: "Kochen im Altersheim ist stückweit viel wichtiger als Sternekochen. Es ist viel notwendiger und ehrenhafter."

Vom Vater zum Kochen inspiriert

Früher hatte Max sich geschämt, nur in der Küche zu stehen, während seine Kumpels studieren gingen. Koch zu sein, das war vor 20 Jahren längst nicht so angesehen wie heute. Da aber Max handwerklich überhaupt nicht begabt war, hatte er in seiner Heimat Sinzig, im Kreis Ahrweiler, kaum andere Möglichkeiten. Zudem liebte sein Vater richtig gutes Essen und genoss es in vollen Zügen. Seinem Sohn sagte er: "Koch zu sein, das sei der beste Beruf der Welt." Das motivierte Max und in seiner zweiten Lehre lief es besser, denn hier lernte er, dass Kartoffelpüree nicht aus Pulver besteht und das richtiges Kochen alle Sinne fordert. In der Küche muss man hören, ob die Pfanne zu laut ist oder riechen, ob etwas verbrennt. Das faszinierte ihn: "Es ist anstrengend, aber auch wunderschön", sagt er heute.

Max Strohe
Max Strohe bleibt bescheiden. Bild: Klett-Cotta | Robert Schlesinger

Seinen Vater lernte Max erst als Teenager kennen. Die Eltern trennten sich, bevor er geboren wurde. Um ein Stück verlorene Zeit nachzuholen, gingen Vater und Sohn oft in Restaurants. Da bestellten sie dann die Karte rauf und runter. 2007 fuhren beide nach Berlin und Max blieb einfach dort. Wo andere etwas erleben wollten, hat er seine Berufung zum Kochen entdeckt.: "Ich war bis heute nicht im Berghain", gesteht er ein. Bierkneipen liebt er, aber die Berliner Clubkultur ist ihm fremd geblieben. 2015 eröffnete er mit seiner Partnerin Ilona Scholl das "Tulus Lotrek". Er regiert die Küche, sie den Restaurantbetrieb. Der eingedeutschte Name ist nicht nur eine berlinerische Hommage an den Maler und exzessiven Lebemann Henri de Toulouse-Lautrec, er passt auch zur Lebensphilosophie von Max Strohe: "Wenn wir eine Kneipe aufmachen würden, dann würden wir sie Harald Juhnke nennen."

Kitchen Impossible ist das Bungee-Jumping der Fernsehkulinarik.

Seit 2019 ist Max Strohe Teil der Show.

Heute ist Max Strohe nicht nur als Gastronom erfolgreich, sondern auch als Fernsehkoch. Obwohl er im Rheinland geboren ist, wurde der norddeutsche Mützen-Look sein Markenzeichen. Derzeit ist er Juror in der "Küchenschlacht", seit 2019 tritt er in "Kitchen Impossible" bei VOX gegen Tim Mälzer an. Für Max ist das ein modernes Abenteuer und das Kochduell auf VOX gar das "Bungee-Jumping der Fernsehkulinarik". Es begann als reine Egosache, aber das Geld stimmte auch, gibt er offen zu. In der Coronakrise mussten Ilona Scholl und er das Lokal mehrmals schließen. Um die vollen Kühlräume sinnvoll zu leeren, schufen sie das Crowdfunding-Projekt "Kochen für Helden", das dann bundesweit Schule machte und Krankenhäuser wie Impfzentren mit Gratisessen versorgte. Für die Idee wurden Max Strohe und seine Partnerin mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Als Koch ist Max Strohe jetzt ganz oben angekommen, doch er selbst bleibt bescheiden: "Ich kann nichts – außer kochen".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 24. März 2023, 18:05 Uhr

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