Was wir hören Die besten Podcasts 2023 – Diese Geschichten sollten Sie hören

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Die besten Podcasts aus dem Jahr 2023 auf einen Blick
Wir haben für Sie die besten Podcasts aus dem Jahr 2023 zusammengestellt. Bild: Radio Bremen | BR / ARD Audiothek / RB / DW / Deutschlandfunk Kultur / MDR / Collage Kolja Fach

Das Jahr 2023 war ein gutes Podcast-Jahr! In der deutschsprachigen Podcast-Welt wird mehr und mehr experimentiert: Tiefe Recherchen, neue Hosts und bewegende Geschichten haben wir in diesem Jahr gehört. Unser Bremen-Zwei-Podcast-Team hat zahlreiche neu erschienene Storytellingformate, Gespräche, Hörspiele und Dokus gehört und seine liebsten Podcasts für Sie zusammengestellt. 

1 Telephobia – Dieser eine Anruf

Podcast Reihenbild: Telephobia von BR 2
Bild: BR

Manche Menschen kriegen es einfach nicht hin. Sie wollen schon lange den einen wichtigen Anruf machen, aber sie zögern und zaudern, und dann wird wieder nichts draus. Zum Glück ist da Reporterin Lea Utz. Im dokumentarischen Storytelling-Podcast Telephobia hilft sie ihren Protagonistinnen und Protagonisten dabei, sich endlich durchzuringen, den Hörer in die Hand zu nehmen und die Nummer zu wählen. Norman zum Beispiel traut sich so endlich, den Typen anzurufen, der ihn damals in der Schule gemobbt hat – was ihn bis heute prägt. Mimi will mit dem Mann sprechen, der sie umgefahren und schwer verletzt hat.

Warum lohnt sich der Podcast?

Weil die Geschichten berührend, aber auch mit Selbstironie und mit Witz erzählt sind. Das ist selten in deutschen Podcasts. Erst recht, wenn sie keine Laberpodcasts sind. Aus derselben Ausgangslage (wichtiger Anruf – trotzdem nie gemacht) entspinnt sich bei Telphobia in jeder Folge ein anderer spannender Plot. Manche ihrer Stories hat Lea Utz buchstäblich auf der Straße gefunden, indem sie Menschen in der Fußgängerzone angesprochen hat. Erika, eine Rentnerin, sucht Dori, ihre beste Freundin von früher. Wird sie sie finden? Und warum haben die beiden sich verloren? Die Reporterin geht ganz nah ans Mikro, wenn sie spricht. Und diese Nähe kommt auch beim Hören sofort auf. Ein Podcast zum Lachen, zum Schwelgen in eigenen Erinnerungen und zum Mitfiebern. Wird der ersehnte Anruf am Ende klappen? 


2 Link in Bio - Die Geschichte meines Lebens

Podcast Reihenbild: "Link in Bio"
Bild: Deutschlandradio | Sebastian Simmert

In diesem Podcast geht es um nichts Geringeres als die Geschichten des Lebens. Friedemann Karig und Samira El Ouassil laden bekannte Persönlichkeiten wie Katja Riemann, Maren Kroymann oder Matthias Schweighöfer ein und reden mit ihnen übers Leben. Aber anders. Denn die beiden stellen Fragen, die das Hirn im besten Sinne brutzeln lassen: Die Gäste kommen nicht drum herum – sie müssen abtauchen in ihre Biografie, um über ihre Kindheit, Jugend und ihr heutiges Handeln laut nachzudenken. Dadurch entstehen immer wieder Überraschungsmomente, wie in dem Gespräch mit Matthias Schweighöfer.

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Warum lohnt sich das Hören?

Es sind genau diese Überraschungsmomente, die Spaß machen. Der Untertitel des Podcasts "Link in Bio – das Gespräch meines Lebens" ist ambitioniert und zumindest von außen betrachtet berechtigt. Die Podcastwelt ist voll von Gesprächspodcasts, aber dieser hier schafft es, die Gäste wirklich zu bewegen. Man merkt das immer wieder: Sie sind selbst überrascht von den Fragen. Friedemann Karig und Samira El Ouassil fordern sie auf angenehme Weise heraus.


3 Springerstiefel. Fascho oder Punk?

Podcast Reihenbild: "Springerstiefel - Fascho oder Punk?"
Bild: mdr

In Springerstiefel – Fascho oder Punk? geht es um die Frage, warum so viele Jugendliche nach dem Ende der DDR Neonazis geworden sind oder sich der Antifa angeschlossen haben. In fünf Folgen reisen die beiden Hosts in ihre Heimatstädte: Während das für Hendrik Bolz Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern ist, nimmt uns Don Pablo Mulemba mit ins brandenburgische Eberswalde. Sie treffen auf ehemalige Neonazis oder Punks; Menschen, die sie noch aus ihrer Jugend im Osten kennen.

Warum lohnt sich der Podcast?

Der Podcast fragt ganz unaufgeregt nach dem "Warum". Warum waren Jugendliche in den 90ern im Osten so fasziniert von Springerstiefeln und Gewalt? Das Autoren-Team findet Antworten. Sehr gelungen ist, dass die Gespräche auf Augenhöhe stattfinden – da die Zeitreise der Hosts eine Reise in ihre eigene Jugend ist und sie genau wissen, was sie da erzählen. Bei Don Pablo Mulemba kommt hinzu, dass er seine Familiengeschichte erzählt, denn sein Vater kam als Vertragsarbeiter aus Angola in die DDR – als Schwarzer Junge und Jugendlicher hat Mulemba nochmal einen ganz anderen Blick auf die Jugendszenen der 90er. Die Podcast-Folgen sind eine politische und popkulturelle Zeitreise in die 90er.


4 Banksy – Rebellion oder Kitsch

Podcast Bild ARD: Banksy - Rebellion oder Kitsch?
Bild: rbb

Der Podcast erzählt den Weg von Banksy: Von den ersten illegalen Grafittis in seiner Heimatstadt Bristol bis hin zu seinen aktuellen Werken im Kriegsgebiet von Kiew. In neun Folgen lernen wir die wichtigsten Etappen des populärsten Street-Art-Künstlers der Welt kennen: Orte, Menschen, Kunstwerke. Die Host Ortrun Schütz reist dorthin, wo Banksy seine Spuren hinterlassen hat und zeigt, wie er in den letzten Jahrzehnten als Phantom zum Phänomen wurde, dessen Kunst mittlerweile nicht mehr nur Mauern, sondern eben auch Taschen oder T-Shirts ziert und ein großes Publikum in Wanderausstellungen zieht.

Warum lohnt sich das Hören?

Der Podcast taucht tief ab in die Biografie von Banksy und das ist – man kann es sich vorstellen – journalistisch eine ganz schöne Herausforderung. Wer steckt hinter den Murals, den typischen schwarz-weißen Schablonenbildern an den Straßenwänden und in Museen der Metropolen dieser Welt? Die Podcast-Host Ortrun Schütz zeichnet ein Bild von Banksy, das trotz seiner Anonymität präzise ist. Sie zeigt uns zudem, wie der Kunstmarkt tickt, warum seine Werke so hoch gehandelt werden. Und sie erzählt, dass nicht alle Banksy lieben: In der Graffitiszene hat er bis heute Feinde. Hat Banksy Ideen und Motive tatsächlich geklaut und ist ganz zu unrecht berühmt? Banksy – Rebellion oder Kitsch? gibt darauf Antworten.


5 Ukrainecast

Podcast Reihenbild: Ukrainecast der BBC
Bild: BBC

Fast zwei Jahre dauert der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine jetzt schon. Von Anfang an war dieser BBC-Podcast mittendrin: Bei Müttern, die auf Nachricht von der Front warten. Bei Männern, die kämpfen. Bei Kindern, die leiden. Mehrmals die Woche liefert Ukrainecast zusätzlich den Rundumblick. Korrespondentinnen und Korrespondenten schildern ihre Eindrücke aus dem Kriegsgebiet. Dazu ordnen Expertinnen und Experten militärisch und politisch ein, was passiert, analysieren Putins Ziele oder seinen Rückhalt in der Bevölkerung.

Warum lohnt sich der Podcast?

Es gibt viele Podcasts zum Ukraine-Krieg, der hier ist der Beste, weil er den Krieg nicht im Abstrakten lässt, bei Zahlen, Daten, Fakten. Sondern den Menschen, die ihn durchmachen müssen, ganz nah kommt. Wirtschaftsminister Robert Habeck hört ihn beim Joggen, hat er mal erzählt. Er nennt ihn ein „journalistisches Meisterwerk“. Stimmt. Das Team der BBC liefert Information, aber es lässt vor allem viele Menschen zu Wort kommen, die der Krieg entwurzelt, verstört – und die sich trotzdem nicht ihrem Schicksal ergeben. Bewegend.


6 Mia Insomnia

Podcast Reihenbild: Mia Insomnia der ARD
Bild: BR | Simon Heimbucher

Die Hörspiel-Serie erzählt von Mia. Die ist Fan einer alten Grusel-Serie, die sie als Kind auf Kassette gehört hat. Als junge Erwachsene macht sie jetzt einen Podcast über die einzelnen Folgen und erinnert sich dabei an einen Fall, von dem dann aber andere Fans und sogar die Macher selbst behaupten: Diese Folge hat es nie gegeben. Mia ist sich aber absolut sicher – und macht sich auf die Suche, nach den Ängsten ihrer Kindheit.

Warum lohnt sich das Hören?

Die Dialoge wirken nie künstlich oder gewollt jugendlich – die Hauptrolle spielt die junge Schauspielerin, Sprecherin und Moderatorin Julia Gruber. Nebenrollen sind auch gut besetzt – einer der Hörspielstars wird zum Beispiel von Bastian Pastewka gespielt. Die Serie schafft es gekonnt auf mehreren Ebenen zu erzählen und gleichzeitig sich selbst zu reflektieren. Mia ist eine Selbstdarstellerin, die sich am liebsten selbst beim Reden zuhört. Sie macht einen Podcast, den wir hören, wenn wir den Podcast Mia Insomnia hören – also ein Podcast im Podcast. Das ist sinnvoll in die Handlung eingewoben. Dieses Audio-Protokollieren hilft ihr mehrfach aus verzwickten Lagen. Etwa, weil sie später damit sich und anderen, Dinge beweisen kann. Musik und Flair von diesem Podcast erinnern an die späten 80er, frühen 90er Jahre, die Zeit der Kassettenkinder, der drei Fragezeichen und TKKG. Und das Kassettenspielergeräusch vom Spulen und Leiern löst fast ASMR-mäßig etwas beim Hören aus: Gruseln zum Entspannen.


7 Loriot 100 – mehr Lametta mit Ariana Baborie

Collage: Ariana Barborie sitzt lachend vor einem Vorhang aus Lametta und hält ein Sektglas un der Hand, in dem Loriot sitzt. Darüber der Schriftzug: Loriot 100
Bild: RBB

Es geht natürlich um Humor-Legende Loriot, der wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden – Grund zum Feiern. Comedienne Ariana Baborie hört sich mit prominenten Menschen durch Loriots beste Sketche. Zusammen klären sie die Kochzeit für das perfekte Frühstücksei, bauen ein Atomkraftwerk mit Familie Hoppenstedt und huldigen dem super-innovativen Saugblaser Heinzelmann.

Warum lohnt sich der Podcast?

Loriot ist einfach zeitlos witzig. Keiner hat die absurden Eigenheiten der Deutschen so genüsslich seziert wie er. Trotzdem hatten seine Gags immer auch einen liebenden Blick auf die Menschen. Das kommt im Podcast wunderbar raus. Im Gespräch mit Host Ariana Baborie erzählt Christoph Maria Herbst mit leuchtenden Augen, wie sehr Loriot ihn in seinem Job als Schauspieler geprägt hat. Annette Frier feiert Loriots maximal-gehemmten sexuellen Anspielungen. Und selbst Dauernörgler Oliver Kalkofe kommt bei der Analyse von Loriots Werken komplett ins Schwärmen. In den Gesprächen ploppen – immer wieder zum richtigen Moment - Loriots beste Sketch-Momente auf und versetzen einen zurück ins schlimm-schöne Deutschland der 80er Jahre. Comedy-Nostalgie im besten Sinne!


Alle Podcasts im Überblick

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 31. Dezember 2023, 13:20 Uhr

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