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Der Sonntagnachmittag mit Wolfgang Rumpf

Im Porträt Grusel vom Kiosk: Helmut Rellergerd ist "Jason Dark"

Autor

Helmut Rellergerd an seinem Schreibtisch unter dem Dach
An diesem Schreibtisch unter dem Dach entstehen jede Woche neue Gruselgeschichten. Bild: Radio Bremen | Olaf Rathje

Helmut Rellergerd ist einer der meistgelesenen und gleichzeitig unbekanntesten Autoren Deutschlands. Seit den Siebziger Jahren schon schreibt er unter dem Pseudonym "Jason Dark" die Gruselromane über Geisterjäger "John Sinclair".

Helmut Rellergerd an seinem Schreibtisch unter dem Dach
Helmut Rellergerd an seinem Schreibtisch unter dem Dach

Gesprächszeit "Den großen Ruhm? Brauche ich nicht!" – Helmut Rellergerd

Helmut Rellergerd schreibt unter dem Pseudonym "Jason Dark" die Gruselromane über Geisterjäger "John Sinclair". Die Kultromane sind seit den Siebzigern Kult.

Bild: Radio Bremen | Olaf Rathje

Ein dezentes Reihenhaus in Bergisch Gladbach. Doch hinter der unauffälligen Fassade lauert das Grauen: Hier wohnt der Mann, der die Deutschen seit Jahrzehnten das Fürchten lehrt – der Autor "Jason Dark". Fans seiner Gruselromane nennen ihn liebevoll den "Fürst der Finsternis". Seit fast 50 Jahren erscheinen am Kiosk wöchentlich seine Geschichten, in denen der Geisterjäger "John Sinclair" gegen das Böse und übernatürliche Kräfte ankämpft. In Bergisch Gladbach ist davon allerdings nichts zu spüren. Hier ist alles ganz normal. Beinahe unheimlich normal.

Wäre ich immer im Feuilleton erwähnt worden, dann würde mich ja kaum einer kaufen.

Helmut Rellergard über Wertschätzung, die er nicht vermisst

Sein Pseudonym "Jason Dark" steht natürlich nicht auf dem Klingelschild. Aber auch der echte Name ist nicht zu sehen, denn Helmut Rellergerd bleibt lieber im Verborgenen. Im Schatten quasi. So wie in seinem Berufsleben, in dem er in rund 2.000 Romanen die Schattenwelt und ihre gruseligen Gestalten – Dämonen, Geister oder Vampire – erkundet hat. Dass seine Werke auch abfällig Groschenromane genannt werden, stört den mittlerweile 77-Jährigen nicht: "Die Romane, die ich geschrieben habe, werden zumindest auch gelesen." Und wie! Die Gesamtauflage seiner Geschichten liegt bei mehr als 300 Millionen Exemplaren und gilt damit als die weltweit erfolgreichste Gruselserie. Die fehlende Anerkennung aus dem Literaturbetrieb stört Helmut Rellergerd da wenig: "Wäre ich immer im Feuilleton erwähnt worden, dann würde mich ja kaum einer kaufen. Sowas brauche ich nicht. Ich mache meinen Job und freue mich, wenn die Leute Spaß haben."

Gruselromane lesen ist wie in den Keller gehen und Angst haben.

Helmut Rellergerd über die Faszination seiner Geschichten

Aber was genau fasziniert Generationen von Leserinnen und Lesern an diesen Gruselgeschichten? Helmut Rellergerd, der sich selbst als "Schriftsteller, Märchenerzähler für Erwachsene oder kreativer Beamter" bezeichnet, hat dafür eine einfache Erklärung: "Das Andere. Das Nicht-Normale! Beim Krimi ist es zu normal. Das können die auch im Alltag erleben. Aber beim Grusel nicht. Gruselromane lesen ist wie in den Keller gehen und Angst haben. Im Keller kann man das Licht anmachen, beim Gruselroman das Buch oder Heft zuklappen und durchatmen."

150.000 Leserbriefe von seinen Fans 

Helmut Rellergerd vor einem Bücherregal mit seinen Gruselromanen.
Seine Bücher füllen inzwischen mehrere Regalmeter. Helmut Rellergerd schreibt seit fast 50 Jahren. Bild: Radio Bremen | Olaf Rathje

Angefangen mit den unheimlichen Geschichten hat er 1973 beim Bastei Lübbe Verlag. Ursprünglich hatte er Krimis geschrieben, aber der Verlag benötigte dringend eine Gruselserie. Also erfand Helmut Rellergerd den Geisterjäger "John Sinclair". Den Namen borgte er sich aus der Fernsehserie "Die 2" von seiner damaligen Lieblingsfigur Brett Sinclair (Roger Moore) aus. Der Erfolg seiner Geschichten war überwältigend und sorgte dafür, dass "John Sinclair" in Serie ging. "Schreib mal das, was dir auch gefällt. Übertreib nicht. Lass die Dialoge so, als würden die Leute sich selbst unterhalten. Ganz klar und knapp", so umreißt Helmut Rellergerd sein Erfolgsgeheimnis. 150.000 Leserbriefe hat er über die Jahre erhalten und die Fans sind ihm treu geblieben. Auf "John-Sinclair"-Conventions treffen sie sich und tauschen sich aus.

Zu wenig Sex für Franzosen und Italiener

Erfolgreich sind seine Romane vor allem in Deutschland, den Niederlanden und Tschechien. Nur der Versuch, die Geschichten auch ins Spanische, Französische und Italienische zu übersetzen, scheiterte: "Sinclair ist nicht brutal genug und hat zu wenig Sex in der Handlung", erklärt sich Rellergerd die kulturellen Unterschiede. Über die Jahrzehnte hat sich aber auch Rellergerds Romanfigur angepasst: "Er ist älter geworden. Aber nur zwischen den Zeilen. Er ist nicht mehr so draufgängerisch wie früher, er überlegt jetzt mehr."

Würde ich Liebesromane schreiben, wäre ich nach dem fünften fertig!

Helmut Rellergerd über seine Vorliebe für Gruselgeschichten

Trotzdem steht natürlich weiterhin vor allem der Grusel im Mittelpunkt der Geschichten. Die Angst bleibt sein Geschäft. Angst vor dem leeren Blatt hat Helmut Rellergerd hingegen nie gehabt und das, obwohl er über Jahrzehnte mindestens eine Geschichte pro Woche schreiben musste. Die Einfälle dafür kämen ihm bei alltäglichen Beobachtungen. "Würde ich Liebesromane schreiben, wäre ich nach dem fünften fertig. Wie in den alten Hollywoodfilmen: Erst haben sie sich, dann streiten sie sich und dann kriegen sie sich wieder. Das ist nicht so mein Fall", erläutert Helmut Rellergerd lachend.

Das fürchtet er wirklich: Rechtsextremismus

Obwohl er sich sein Leben lang mit Geistern, Hexen oder dem Teufel beschäftigt hat, könne er gut einschlafen. Aber auch Deutschlands Gruselfürst treibt eine Furcht um, wie er mit ernster Miene berichtet: "Angst habe ich vor der braunen Gefahr. Diese ganze Nazi-Scheiße, die wieder hochkommt, das macht mir Angst." Doch auch, wenn die Welt in ihrem derzeitigen Zustand schon gruselig genug ist, braucht es weiter Gruselromane, meint Rellergerd: "Im Roman kann man auf Seite 35 sagen, 'nee jetzt will ich nicht mehr weiterlesen", klapp zu und leg es in die Ecke. Bei der Politik geht es leider nicht so - da geht es immer weiter." 

Ich komme mit dem Computer nicht klar. Ich hack so fröhlich auf der Tastatur rum.

Helmut Rellergerd über seine alte Schreibmaschine unter dem Dach
Helmut Rellergerd an seinem Schreibtisch unter dem Dach
Solange es noch Farbbänder gibt, schreibt er auf seinem "Hack-Kasten" weiter: Helmut Rellergerds Schreibmaschine Bild: Radio Bremen | Olaf Rathje

Also wird er weiter an seinem Schreibtisch unter dem Dach sitzen und an seiner Olympia-Schreibmaschine neue Geschichten tippen: "Ich komme mit dem Computer nicht klar. Ich hack so fröhlich auf der Tastatur rum." Solange er dafür noch Farbbänder bekommt und "solange mich der liebe Gott noch lässt", will er weiterschreiben. "Mir fällt ja immer wieder was ein. Nach drei bis vier Tagen, zack - habe ich schon wieder eine Idee."

Das Ende von "John Sinclair"

Und zwar auch eine für ein mögliches Ende seiner berühmtesten Figur: den Geisterjäger "John Sinclair", der im kommenden Sommer sein 50-jähriges Dienstjubiläum feiert: "Sinclair ist im Pub, besäuft sich, geht raus und übersieht einen Kanal, dessen Deckel verschwunden ist und fällt unten rein und ist weg", lacht Rellergerd. Das wäre ein Ende, das ihm gefallen würde. Also lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Und mit Schrecken kennt Helmut Rellergerd sich ja nun wirklich aus.

 

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 21. November 2022, 18:05 Uhr