Im Porträt So wurde David Safier Teil seines eigenen Romans

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David Safier
Bild: Dennis Dirksen

David Safiers Romane erreichen Millionenauflagen. In seinem aktuellen Buch "Solange wir leben" erzählt der Bremer die Geschichte seiner Eltern. Ihr Leben war geprägt von steilen Höhenflügen und dramatischen Schicksalsschlägen. Sie beginnt im Jahr 1937 in Wien, führt erst nach Palästina und dann durch Kriegszeit, Trümmerjahre und Wirtschaftswunder.

David Safier
David Safier

Gesprächszeit "Ich bin eine Nebenfigur" – David Safier

Bestseller-Autor David Safier erzählt in seinem aktuellen Buch die Geschichte seiner Eltern. Sie führt durch Kriegszeit, Trümmerjahre und Wirtschaftswunder.

Bild: Kolja Fach | Radio Bremen

Der Bremer Schriftsteller und Drehbuchautor David Safier schreibt einen Bestseller nach dem anderen: "Mieses Karma", "Jesus liebt mich", und "Happy Family" wurden sogar verfilmt. Auch die neue Krimikomödienreihe "Miss Merkel", in der die Ex-Kanzlerin mit Mops "Helmut" an der Seite mysteriöse Mordfälle ermittelt, steht ganz vorne auf den Bestsellerlisten.

Eine bremisch-jüdische Liebesgeschichte

Von ganz anderer Machart als die Unterhaltungsromane mit gelbem Cover und lustigen Zeichnungen, ist sein neues Buch "Solange wir leben". Darin erzählt David Safier die ungewöhnliche Geschichte seiner Eltern. Eine dramatische bremisch-jüdische Liebesgeschichte, die in den Sechziger Jahren beginnt. Was Safier davon alles preisgeben wollte, wie schonungslos er am Ende vom Leben seiner Eltern erzählen würde, das hat er sich sehr gut überlegt: "Ich habe lange über diesen Roman nachgedacht. Zwölf Jahre. Und die Stärke des Romans kann ja nur sein, dass er emotional ehrlich ist".

Er war von Sekunde eins an von dieser Frau fasziniert.

David Safier über seinen Vater, als der auf seine Mutter traf

David Safiers Vater Josef wurde 1915 in Wien geboren und konnte nach dem Anschluss Österreichs nur knapp dem nationalsozialistischem Terror entkommen. Beide Großeltern, sowie zahlreiche Verwandte, sind in Konzentrationslagern ermordet worden. "Joschi", wie Josef Safier genannt wurde, floh nach Palästina und kämpfte im Israelischen Unabhängigkeitskrieg. Dann wurde er Seemann und kam nach Bremen. Hier traf er Davids Mutter Waltraut. Ihre schicksalhafte Begegnung fand in einer Eisdiele in Walle statt: "Er war von Sekunde eins an von dieser Frau fasziniert. Man muss aber dazu sagen, er war auch so ein "Lady‘s Man". Der wäre auch nicht auf den Gedanken gekommen, dass eine zwanzig Jahre jüngere Deutsche ihn vielleicht nicht attraktiv finden könnte."

Nebenfigur im eigenen Roman

Josef Safier lädt seine Waltraut ganz schnell ein – in den Bremer Ratskeller. Aus diesem romantischen Rendezvous wurde aber zunächst nichts, es brauchte noch ein paar Anläufe und Zufälle mehr, bis die Eltern von David Safier ein Paar wurden. "Solange wir leben" ist ein spannungsreicher Roman, in den der Autor sogar sich selbst hineingeschrieben hat: "Aber das ist jetzt kein Schlüsselroman: wieso ist der Autor so neurotisch geworden?! Also, es wird nicht aus meiner Perspektive erzählt. Es ist die Perspektive von meiner Mutter und von meinem Vater. Und ich bin eine Nebenfigur."

Ich bin ihm zuliebe zum Judentum konvertiert.

David Safier über seinen jüdischen Vater "Joschi"

Aber vom Aufwachsen des erfolgreichen Schriftstellers in Bremen ist natürlich auch etwas zu lesen. Und so erfährt man von David Safiers Kindheit, die sich in den Lokalen abspielte, die seine Eltern in Bremen betrieben haben. Zum Beispiel im "Country Club" im Bahnhofsviertel – mit Discokugel und Kegelbahn. Außerdem wollte sein Vater ihn zum jüdischen Glauben erziehen. Ihm zuliebe ist David Safier, der als Sohn einer Nicht-Jüdin zuerst nicht jüdisch war, mit in die Synagoge gegangen: "Er war im Prinzip auch kein richtig gläubiger Mensch, aber der Kontakt – in der Gemeinde zu sein – das war ihm wichtig. Also das jüdische Leben noch zu spüren. Ich bin ihm zuliebe zum Judentum konvertiert."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 4. Mai 2023, 18:05 Uhr

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