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Der Samstagvormittag mit Julian Beyer

Die regionale Reportage Mittelalterliche Burgruine in Stotel

Autoren

  • Carolin Henkenberens
eine runde Burgruine aus Feldsteinen und Ziegeln, davor eine Infotafel
Ein Prestigeobjekt des 13. Jahrhunderts war die Burg des Grafen von Stotel. Die Überreste wurden zufällig entdeckt. Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

Es war ein Zufallsfund: Direkt neben einer Pferdekoppel in Stotel bei Bremerhaven wurde vor einigen Jahren eine Burgruine entdeckt. Wegen ihrer Bauweise ist sie einzigartig in der Region.

Fund neben der Pferdekoppel: die Burgruine von Stotel

In der Nähe von Bremerhaven, bei Stotel, wurden vor einigen Jahren Reste einer Burganlage gefunden.

Audio vom 22. Februar 2021
Ruine einer alten Burglanlage
Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

Die Burgruine von Stotel liegt etwas versteckt auf einem Privatgelände. Es geht über einen Hof, vorbei an Pferdeställen und Koppeln. Auf einer Wiese etwas abseits des Hofes sind die Überreste der Burg dann inmitten einer Senke zu erkennen: eine kreisrunde Mauer aus grauen Natursteinen, etwa einen halben Meter hoch. Den Eingang der Ruine zieren rote Backsteine. Hier war einmal der Torturm, durch den man die Burg betrat, erklärt Archäologe Andreas Hüser vom Landkreis Cuxhaven. Die Ringmauer war ursprünglich mehrere Meter hoch, sie war mit Zinnen bewehrt und hatte wahrscheinlich einen hölzernen Wehrgang, so Hüser.

Ein Prestigeobjekt aus Stein

Andreas Hüser hat die Geschichte von Burg Stotel aufgearbeitet. Jahrhundertelang war sie in der Lune-Niederung verschüttet gewesen. Ihr Fund war eine Sensation, auch, weil sie unter allen 40 Burgen der Region die einzige aus Stein gebaute ist.

ein Mann steht vor einer Mauer
Der Archäologe Andreas Hüser hat die Geschichte der Burg erforscht. Bild: Radio Bremen | Carolin Henkenberens

Die Burgen, die im Hoch- und Spätmittelalter in der Elbe-Weser-Region errichtet wurden, waren in der Regel Wallanlagen mit Holzpalisaden. "Das Bedeutende an der Burg in Stotel ist, dass wir hier eben keine Wallanlage haben, sondern eine massive Steinmauer." Eine Burg aus Stein sollte die gesellschaftliche Stellung der Bewohner verdeutlichen.

Bauherr der Burg war Gerbert von Stotel, ein Edelherr und Ministerial des Bremer Bischofs, der 1229 in den Grafenstand erhoben wurde. Er heiratete die Tochter des Grafen von Oldenburg und ließ die Burg bauen. Im Vergleich zu anderen Grafschaften war das eine relativ junge Grafschaft, sagt Hüser. "Das musste Gerbert kompensieren, so dass er sich hier entsprechend positioniert und repräsentiert hat."

Es ist für den Grafen von Stotel etwas peinlich, wenn er eine Burg hat, die im Sumpf versinkt.

Archäologe Andreas Hüser über Gerbert von Stotel, den Erbauer der Burg

Doch wenige Jahrzehnte später zog die Familie wieder aus. Der morastige Untergrund hielt dem Gewicht nicht stand, Turm und Mauer waren schief. Das ist sogar heute noch zu erkennen. "Es ist ja letztlich auch für den Grafen von Stotel etwas peinlich, wenn der eine Burg hat, die im Sumpf versinkt. Und dann gibt man diese Immobilie besser auf und baut sich woanders was Stabiles."

Ruine einer alten Burglanlage
Auf Sumpf gebaut: die Burg des Grafen von Stotel. Bild: Radio Bremen | Sonja Harbers

Wann genau die Steinburg aufgegeben wurde, kann Archäologe Hüser nur schätzen. "Wir wissen, dass sich Gerbert auch 'Gerbert von Stoltenbroke' genannt hat. Diese Bezeichnung deute ich so, dass es bedeutet 'stattliche' oder 'stolze Burg in der Niederung'." Dieser Titel wurde wohl bis ungefähr 1280 verwendet.

Möglicherweise errichtete die Familie die zweite Burg in Stotel; sie liegt nur 400 Meter entfernt, wurde aber auf einem Wall erbaut. Mit der Grafschaft Stotel war es trotzdem nach nur 120 Jahren Herrschaft aus. Der letzte Graf starb kinderlos, seine hochverschuldete Witwe verkaufte das Gebiet an das Domkapitel Bremen.

Informationen zur Burgruine

Andreas Hüser hat über die Burgruine ein Buch geschrieben: Andreas Hüser, Steingewordenes Dokument eines sozialen Aufstiegs. Zur Geschichte und Ausgrabung der Burg in Stotel. Isensee Verlag Oldenburg, 2020.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 22. Februar 2021, 10:20 Uhr.