5 Debütromane von Newcomern, die man kennenlernen sollte

Autorinnen

Bücher vor einer gemalten Landschaftsszene (Montage)
Bild: Imago | YAY Images/Radio Bremen

Gerne lesen wir Bücher von Bestseller-Autor:innen oder Autor:innen, die wir kennen. Aber es gibt auch immer wieder junge Talente und neue Autor:innen, die mit Debüt-Romanen zu überzeugen wissen. Wir stellen Ihnen fünf Bücher vor.

1 Scott Alexander Howard – Das andere Tal

Die sechzehnjährige Odile lebt in einer Kleinstadt, in einem Tal abgeschottet durch hohe Berge. Im Osten und Westen liegen identische Städte, doch alles ist zwanzig Jahre zeitversetzt. Als Odile zufällig Besucher aus der Zukunft entdeckt, ausgerechnet die Eltern ihres Freundes Edme, muss sie sich entscheiden. Der Besuch der Eltern in ihrem Tal kann nur eines bedeuten: in 20 Jahren lebt Edme nicht mehr und die Eltern wollen ihren Sohn ein letztes Mal aus der Ferne sehen. Warnt Odile Edme, erzählt sie ihm, dass er bald sterben wird? 

Warum sich das Lesen lohnt:

Cover: Scott Alexander Howard: Das andere Tal, Diogenes
Scott Alexander Howard, "Das andere Tal", übersetzt von Anke Caroline Burger, Diogenes Verlag, 464 Seiten, 25 Euro. Bild: Diogenes

"Was wäre wenn?", diese Fragen zieht sich wie ein roter Faden durch den Debütroman "Das andere Tal". Die ruhige und introvertierte Odile erlebt, dass Wissen nicht immer nur Macht sondern auch Ohnmacht bedeuten kann. Ein philosophischer Thriller, der lange nachhallt. 

Was ist über den Debütanten schon bekannt?

Scott Alexander Howard lebt in Vancouver, er wurde an der Universität von Toronto in Philosophie promoviert. In Harvard hat er sich anschließend mit der Beziehung zwischen Erinnerung, Emotionen und Literatur beschäftigt.

2 Terhi Kokkonen – Arctic Mirage

Karo und Risto wollen sich in Lappland eigentlich von ihrem stressigen Berufsleben erholen und Nordlichter beobachten – doch am Ende ist einer von beiden tot. Es ist ein Autounfall, der den langersehnten Urlaub der beiden durcheinanderbringt. Verletzt stranden sie im etwas eigentümlichen Hotel „Arctic Mirage“. Dort tun sich immer mehr Abgründe ihrer Beziehung auf: Risto ist gewalttätig, filmt Karo heimlich und lässt sie gern wissen, dass er sie für nicht ganz zurechnungsfähig hält. Und tatsächlich gerät Karo auf Abwege, und sie kann schon bald ihre Wahnvorstellungen nicht mehr von der Realität trennen.

Warum sich das Lesen lohnt:

Cover: Terhi Kokkonen: Arctic Mirage, Hanser
Terhi Kokkonen, "Arctic Mirage", übersetzt von Elina Kritzokat, Hanser, 192 Seiten, 23 Euro. Bild: Hanser

Obwohl der Mord schon auf der ersten Seite passiert, ist der Roman spannend bis zur letzten Seite und thematisiert ganz nebenbei Beziehungsdynamiken, Macht, häusliche Gewalt und Gaslighting.

Was ist über den Debütanten schon bekannt?

Terhi Kokkonen lebt als Musikerin und Schriftstellerin in Helsinki. Sie ist Teil der Scandinavian Music Group sowie eine der Sängerinnen der Band Ultra Bra. Ihr Debütroman "Arctic Mirage" wurde mit dem Helsingin-Sanomat-Literaturpreis ausgezeichnet.

3 Kaleb Erdmann – wir sind pioniere

Bruckner und Vero erwarten ein Baby – und plötzlich ist nichts mehr wie es war. Ihre seit zehn Jahren offene Beziehung scheint nicht mehr zu passen. Sich von Freiheit und Affären zu trennen, führt aber ebenfalls zu allerlei Sorgen und Zweifeln. Außerdem gilt es wichtige Fragen für das gemeinsame Leben zu klären – zum Beispiel hinsichtlich des Wohnorts („ditzingen oder dillingen oder waiblingen oder villingen-schwenningen oder vaihingen gerlingen schwieberdingen hemmingen böblingen sindelfingen oberriexingen“) und des Namens für das Kind („pia mia lina lara denk ich dabei und dann paul felix yotam gregor kann ja auch ein junge werden“).

Warum sich das Lesen lohnt:

Cover: Kaleb Erdmann: Wir sind Pioniere, Ullstein
Kaleb Erdmann, "Wir sind Pioniere", Ullstein Verlag, 176 Seiten, 20 Euro. Bild: Ullstein

Erdmanns Roman ist eine rasant-pointierte, manchmal tragikomische Reise durch eine Gefühlsachterbahn voller Selbstzweifel und Lebensfragen, die entsteht, wenn Paare zu Eltern werden. Für Fans von Satzzeichen und Groß- und Kleinschreibung allerdings nicht geeignet – auf beides verzichtet der Autor nämlich konsequent.

Was ist über den Debütanten schon bekannt?

Kaleb Erdmann wurde 1991 in Witten an der Ruhr geboren und studierte "Literarisches Schreiben" am Literaturinstitut Leipzig. Seit 2008 macht er als Spoken Word Poet Bühnen in ganz Deutschland unsicher. Außerdem arbeitet er als Autor und Dramatiker für verschiedene Fernseh- und Unterhaltungsformate. Sein Debütroman "wir sind pioniere" wurde mit dem Debütpreis der Lit.Cologne ausgezeichnet.

4 Meri Valkama – Deine Margot

Als Viljas Vater stirbt, findet sie in seinem Nachlass Briefe aus der Vergangenheit. Eine Vergangenheit in der DDR, wo der Vater als Auslandskorrespondent für eine finnische Zeitung gearbeitet hat. Diese Briefe sind unterschrieben mit "Deine Margot", und auch Vilja wird immer wieder erwähnt. Die fremde Frau schreibt über sie wie über ihre eigenes Kind, aber Vilja hat keinerlei Erinnerung an eine Margot, und auch ihre Mutter schweigt. Vilja beschließt kurzerhand, nach Berlin zu reisen und Margot zu finden.

Warum sich das Lesen lohnt:

Cover: Meri Valkama: Deine Margot, Frankfurter Verlagsanstalt
Meri Valkama „Deine Margot“, übersetzt von Angela Plöger, FVA, 544 Seiten, 26 Euro. Bild: Frankfurter Verlagsanstalt

Valkama diskutiert mit ihrem Roman nicht nur Identität und Moral, sondern zeichnet aus den Augen eines ausländischen Journalisten ein erfrischendes Portrait der DDR – garniert mit einem düsteren Familiengeheimnis.

Was ist über die Debütantin schon bekannt?

Meri Valkama ist eine finnische Journalistin und Autorin. Sie verbrachte einen Teil ihrer Kindheit in Ostberlin und studierte später an der FU Berlin, wo sie zu den realen Hintergründen ihres ersten Romans recherchierte. "Deine Margot" war in Finnland ein großer Erfolg und wurde mit dem Debüt-Preis der größten finnischen Tageszeitung ausgezeichnet.

5 Julja Linhof – Krummes Holz

Nach fünf Jahren Abwesenheit kehrt der neunzehnjährige Jirka widerwillig zurück auf den Hof, auf dem er aufgewachsen ist. Was er vorfindet: Ein völlig heruntergekommenes Anwesen, eine demente Großmutter, den Verwaltersohn Leander und seine abweisende Schwester Malene, die mit aller Kraft versucht, den Laden am Laufen zu halten. Schwankend zwischen Ankommen- und Weglaufenwollen stellt Jirka fest: Erwünscht ist er hier nicht. Und unter den wuchernden Pflanzen und der schmutzigen, von Ameisen befallenen Unordnung kriechen immer mehr dunkle Kindheitserinnerungen hervor. Keiner der drei jungen Menschen ist damals unversehrt geblieben. Finden sie einen Weg, das Schweigen zu brechen und Nähe zuzulassen?

Warum sich das Lesen lohnt:

Cover: Julja Linhof: Krummes Holz, Klett-Cotta
Julja Linhof, "Krummes Holz", Clett-Cotta, 272 Seiten, 22 Euro. Bild: Klett-Cotta

Ein Roman wie Gänsehaut von innen. Präzise, hochsensibel und mit poetischer Sprachkraft fängt Julja Linhof die komplexen Emotionen ihrer Hauptfigur und das in der staubigen Sommerhitze flirrende Setting ein. Dieser Ort kann kein Zuhause sein, und ist es doch.

Was ist über die Debütantin schon bekannt?

Julja Linhof wurde 1991 geboren und wuchs in Westfalen auf. Sie studierte Schreiben in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut und Illustration in Hamburg, wo sie auch weiterhin lebt und arbeitet.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 02. März 2024, 09.20 Uhr.

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