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Im Porträt ARD-Korrespondent Vassili Golod: Russland hat den Krieg schon verloren

Autor/Autorin

  • Frank Jakobs
ARD-Korrespondent Vassili Golod schaut in die Kamera
Der ARD-Korrespondent Vassili Golod. Bild: WDR | Annika Fußwinkel

Der 30-Jährige Journalist Vassili Golod hat eine russische Mutter und einen ukrainischen Vater. Er ist in Charkiw geboren und im niedersächsischen Bad Pyrmont aufgewachsen. Heute ist Vassili Golod Korrespondent für die ARD in der Ukraine. Er berichtet über Frontverläufe, über verwüstete Dörfer und Städte und den brutalen Angriffskrieg.

ARD-Korrespondent Vassili Golod schaut in die Kamera

Gesprächszeit "Putin versucht mit aller Macht die Ukraine zu zerstören!" - Vassili Golod

Vassili Golod hat eine russische Mutter und einen ukrainischen Vater. Seit einem guten halben Jahr berichtet er über Frontverläufe und Raketenangriffe.

Bild: WDR | Annika Fußwinkel

"Wenn man mit dem Zug von Kiew nach Charkiw fährt, dann kann man für kurze Zeit den Krieg vergessen", sagt Vassili Golod. Der ARD-Korrespondent reist viel mit der Bahn durchs Land. Wenn man mit den Menschen ins Gespräch komme, dann würden sie schnell anfangen zu erzählen. Dass ihre Heimatstadt zerstört wurde, dass Raketen in ihr Dorf flogen oder dass sie geliebte Menschen verloren haben. Dennoch wollen sie in ihre Heimat zurück. "Oft fangen die Menschen an zu weinen in solchen Gesprächen", sagt Golod. Aber sie wollen sich von Putin nicht unterkriegen lassen. Auch in Kiew seien die Menschen bemüht, ein normales Leben zu führen, trotz der Raketenangriffe.

Menschen organisieren sich in Chats und Apps

Die Ukraine habe eine starke Zivilgesellschaft, die sich gegen Ungerechtigkeiten auflehne. Die Menschen haben sich vor russische Panzer gestellt, um sie aufzuhalten, berichtet Vassili Golod. Sie arrangieren sich mit den Folgen des Angriffskrieges. Sie organisieren sich in Chatgruppen oder nutzen Apps, um sich bei Beschuss in Sicherheit zu bringen.

Jetzt denkt man sich: Wenn der Mensch von Star Wars das sagt, dann werden wir es schon irgendwie schaffen.

Vassili Golod über die Stimme einer Warnapp in der Ukraine

Dabei helfe die Stimme von Luke Skywalker aus der Star Wars Saga. In einer Warnapp ruft die Stimme dazu auf, sich in Schutzräume zu begeben und vorsichtig zu sein. "Das hat vieles verändert", sagt Golod. "Vorher war es eine ukrainische Stimme, die sehr sachlich war und man hat es gehört und es war unangenehm. Jetzt denkt man sich, wenn der Mensch von Star Wars das sagt, dann werden wir es schon irgendwie schaffen." In Russland hätten die Menschen es dagegen verlernt, sich zu wehren. Sie verstünden sich nicht als Gesellschaft, die das Handeln des Staates beeinflussen könne. Das liege auch an der jahrelangen Desinformation und Propaganda durch das Staatsfernsehen.

Auch seine Großeltern glauben den Lügen im TV

Auch Vassili Golods russische Großeltern haben den falschen Behauptungen der Regierung mehr geglaubt, als ihrem Enkel. "Sie haben Staatsfernsehen geguckt und sich von dieser Propaganda manipulieren lassen. Ich habe jahrelang versucht, mit Fakten dagegen anzukommen, sachliche Diskussionen zu führen, aber es war nicht möglich."

Wie kann ein kleiner Staat eine Atommacht in die Ecke drängen?

Vassili Golod über den Vorwurf, die Ukraine sei Schuld an dem Krieg

So hält sich bei vielen der Glaube, dass Russland sich nur verteidige, weil es in die Ecke gedrängt wurde. "Wie kann ein kleiner Staat wie die Ukraine, eine Atommacht, die über die gefährlichsten Waffen der Welt verfügt, in die Ecke drängen?“ fragt sich der 30-jährige Journalist. Das seien Narrative, die die russische Regierung seit Jahrzehnten verbreite. Unterstützt auch von Menschen, wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder, so Golod. Deshalb sei es umso wichtiger, immer wieder mit Fakten aufzuklären.

Vassili Golod
Im Theater Laboratorium in Oldenburg erzählt Vassili Golod davon, was er zuletzt in der Ukraine erlebt hat. Bild: Radio Bremen | Frank Jakobs

Faktensammler seit er 16 ist

Fakten sammeln, sich alle Seiten anhören und sich dann ein Bild machen. Das hat er schon früh gelernt. Bereits als Kind habe er viel mit seinen Eltern über politische Themen gesprochen. Seit seinem 16. Lebensjahr ist er journalistisch tätig – fürs Lokalradio und die Lokalzeitung. Für die hat er sogar mal einen Einbrecher interviewt. Das sei eine wichtige Erfahrung gewesen, weil er gesehen habe, warum jemand zum Einbrecher werde. Zum Beispiel, weil man es schwer hat im Leben und keinen Ausweg sieht. "Das rechtfertigt die Taten nicht, aber es zeigt, wo gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Defizite sind."

Podcast-Host "Machiavelli - Rap & Politik"

Ungewöhnliche Formate probiert Vassili Golod auch weiterhin aus. So wie den Podcast "Machiavelli - Rap & Politik". Den präsentiert er seit 2018 zusammen mit dem Kulturjournalisten Jan Kawelke. Dort nehmen die beiden Hosts Rap und Pop aus dem Blickwinkel der Politik und andersherum unter die Lupe. Und er hatte bereits viele Künstler und Politiker zu Gast, darunter auch Olaf Scholz. Den er übrigens duzen durfte, weil das zum Konzept der Sendung gehört. Aber natürlich ist auch hier der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine immer wieder Thema, etwa am Beispiel russischer Rapper, die sich gegen den Krieg ausgesprochen haben.

Putin versucht mit aller Macht, die Ukraine zu zerstören.

Vassili Golod über die Zukunft des Krieges
Vassili Golod
Zu Gast bei Bremen Zwei Moderator Tom Grote: Vassili Golod Bild: Radio Bremen | Frank Jakobs

Und darüber wird er wohl auch noch in Zukunft berichten, denn der ARD-Korrespondent sieht zurzeit keine Grundlage für Friedensverhandlungen. Putin sei nicht daran interessiert, den Krieg zu beenden. "Putin versucht mit aller Macht, die Ukraine zu zerstören. Er tötet die Bürger dort und annektiert Gebiete, so wie er es will." Mit so einem Staat könne man nicht verhandeln, weil man nicht sicher sein könne, ob die Vereinbarungen überhaupt Bestand haben. Dennoch müsse es das Ziel sein, irgendwann zu verhandeln. "Ich würde mir wünschen, über den Frieden in der Ukraine zu berichten. Und zwar über einen gerechten Frieden für die Menschen, die seit Jahren ihre Freiheit verteidigen und damit auch die Sicherheit in Europa vor weiterer russischer Aggression", sagt Vassili Golod.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 26.05.2023, 18:05 Uhr