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Der Sonntagnachmittag mit Wolfgang Rumpf

Luchs des Monats Jahres-Luchs 2022 für einfühlsames Buch über eine Einwandererfamilie

Autorin

Cover: Gulraiz Sharif, "Ey hör mal!", Arctis Verlag, 15 Euro.
"Ey hör mal!" von Gulraiz Sharif, Arctis Verlag, 208 Seiten, übersetzt von Meike Blatzheim und Sarah Onkels, empfohlen für Jugendliche ab 14 Jahren. Bild: Arctis

Der Buchpreis Luchs des Jahres 2022 geht an Gulraiz Sharif für sein Jugendbuch "Ey Hör Mal". Ein einfühlsames Buch über eine pakistanische Einwandererfamilie, die versucht, ihren Platz in Norwegen zu finden, erzählt aus der Perspektive des 15-jährigen Mahmoud. Übersetzt wurde es von Meike Blatzheim und Sarah Onkels. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert.

Sommerferien in einer Hochhaussiedlung am Rande von Oslo, dem 15-jährigen Mahmoud stehen öde Wochen bevor: Zum Verreisen fehlen ihm und seiner Familie das Geld – der Vater fährt Taxi, die Mutter putzt. Für einen Ferienjob hat der Teenager sich erst gar nicht beworben, weil er sich mit seinem Namen keine Chancen ausrechnet. Stattdessen wird er von seinen Eltern zum Fremdenführer für seinen Onkel ernannt, der in diesem Sommer aus Pakistan zu Besuch ist. Während Onkel und Neffe umherziehen, macht Mahmoud sich Gedanken über die "norwegischen Norweger" und darüber, wo eigentlich sein Platz in dieser Gesellschaft ist. Noch ahnt er nicht, dass in diesem Sommer noch eine ganz andere Identitätsfrage gestellt werden wird: Mahmouds kleiner Bruder Ali eröffnet erst ihm, dann der ganzen Familie, dass er ein Mädchen ist und im falschen Körper steckt.

Urteil der Jury

"Einzigartig – so muss man dieses beeindruckende Debüt nennen. Selten hat ein Roman einen solch eigenen Sound; und diesen ebenso kraftvoll und glaubhaft ins Deutsche zu übertragen, ist eine übersetzerische Meisterleistung: Ein 15-jähriges 'Ghettokid', das geradeaus sagt, was es denkt. Mal hart, mal flapsig, mal liebevoll, manchmal geradezu poetisch, immer aber geraderaus, kompromisslos – und damit entlarvend. Denn man sollte sich von der derben, direkten Sprache nicht täuschen lassen: Hier stellt sich ein wacher und intelligenter Beobachter mit einer ordentlichen Portion Selbstironie große Fragen – und gibt sie mit Herz und Humor an die Leserinnen und Leser weiter. Gulraiz Sharif legt den Finger in genau die richtigen Wunden, er zeigt die Bruchstellen unserer vermeintlich liberalen multiethnischen Einwanderungsgesellschaften und verhandelt große aktuelle Themen wie Rassismus und Klassismus, Queerness und Identität. Dabei spielt Sharif hintergründig und sehr, sehr klug mit der Frage: Wer darf und kann wie und worüber sprechen? Der Autor, selbst Sohn pakistanischer Einwanderer und im Hauptberuf Lehrer, liefert viel Stoff zum Selbst- und Weiterdenken, zum Zweifeln und Lernen. "Ey hör mal!" ist eine Geschichte über Toleranz und Zugehörigkeit, darüber, Klischees zu leben und über sie hinauszuwachsen. Eine sozialkritische Utopie im besten Sinne – auch wenn Mahmoud das sicher ganz anders ausdrücken würde."

Die Preisträger:

Gulraiz Sharif, geboren 1984, kam als Baby mit seiner Familie von Pakistan nach Norwegen. Als Kind verbrachte er viel Zeit in der öffentlichen Bibliothek, wo er besonders gern "Robinson Crusoe" und die Bücher von Agatha Christie las. Im Alter von 34 Jahren begann er den Entwurf für "Ey, hör mal!" auf seinem Handy zu tippen.

Meike Blatzheim studierte Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Heidelberg sowie an der Universität Bergen in Norwegen. Seit 2019 arbeitet sie als freie Lektorin und Übersetzerin aus den skandinavischen Sprachen.

Sarah Onkels studierte Germanistik, Skandinavistik und Keltologie in Bonn, Köln und Turku. Aktuell lebt und arbeitet sie als freie Übersetzerin und Sprachlehrerin in Bonn.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Tag, 13. Dezember 2022, 10:10 Uhr