Die Morgenandacht Die Frau, die Jesus beeindruckt hat

Heinrich Deboi
Heinrich Deboi

Die Morgenandacht Die Frau, die Jesus beeindruckt hat

Der kostbarste Schatz steckt in uns selbst, ist der Kirchenmusiker Heinrich Deboi überzeugt. Denn jeder Mensch ist unbezahlbar.

Bild: Katholischer Gemeindeverband Bremen

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Der kostbarste Schatz steckt in uns selbst, ist der Kirchenmusiker Heinrich Deobi überzeugt. Denn jeder Mensch ist unbezahlbar.

Als Organist habe ich vor Jahren im Gottesdienst immer ein Lied zur "Opferung" gespielt. Heute heißt dieser Teil der Messfeier "Gabenbereitung". In der Religion ist häufig von Opfern die Rede. Ältere Menschen kennen noch die Redensart vom "Messopfer" oder "Fastenopfer". Das hat früher vielleicht einen guten Sinn gehabt, heute ist der Begriff aber Missverständnissen ausgesetzt.

Wenn auf dem Schulhof ein Schüler als "Opfer" bezeichnet wird, bedeutet das nicht: "Du tust mir leid. Man spielt dir übel mit." Ganz im Gegenteil: Hier wird die Schwäche eines Mitschülers bespottet. Hier ist einer, der es mit sich machen lässt. Ein Mensch, der nicht zu den Starken gehört. Eben ein Opfer. Bei Opfern denken wir zumeist an Kriegsverletzte, Verkehrstote, den Weißen Ring oder an Menschen, die überfallen oder beraubt wurden. Manche Finanzpolitiker reden von Opfern, die wir alle bringen müssen. Dieser Opferbegriff ist in der Geschichte oft missbraucht worden: "Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt!" Gegen die Höllenvisionen der Ablassprediger sind Martin Luther und die Reformatoren zu Felde gezogen – und das völlig zu Recht.

In einer biblischen Geschichte sitzt Jesus dem Opferkasten gegenüber, also einem Geldbehälter. Nach heutigem Wissensstand gab es im Jerusalemer Tempel 13 solcher Geldbehälter in Form von Posaunen. Die Posaune wiederum ist ein Symbol der Wachsamkeit für die geheimnisvolle Gegenwart Gottes. Diese biblische Geschichte kann auch wie ein Weckruf sein: Jesus zeigt auf eine arme Witwe, die ihr Erspartes "opfert", und lobt sie dafür.

Aber warum? Will Jesus arme Leute schröpfen und gehört er etwa zu den religiösen Abzockern? Nein – Jesus ist aus anderen Gründen von dieser Frau beeindruckt, denn offenbar ist ihr aufgegangen: "Ich trage den kostbarsten Schatz in mir selbst. Das wenige Geld, das ich habe, das besitze ich nur. Ich bin aber nicht mein Geld. Ich selbst bin die Beschenkte." Und genau das hält Jesus den Schriftgelehrten, also den Star-Theologen seiner damaligen Zeit vor: Ihr produziert nur fromme Worte. Der religiösen Elite macht er deutlich: Für euch gehört Religion doch nur zum guten Ton.

Sicher hätte Jesus nichts dagegen, dass jemand größere Spenden von der Steuer absetzt. Aber seine Worte sollten auch den heutigen Kirchenbetrieb aufhorchen lassen und wie ein Weckruf daherkommen. So manche Kirchensteuerräte sollte dies bei ihren Entscheidungen nicht nur nachdenklich machen, sondern auf das eigentlich Wichtige hinweisen: Der kostbarste Schatz steckt in uns selbst, denn jeder Mensch ist unbezahlbar.

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