Die Morgenandacht Beten

Ines Bauschke
Ines Bauschke

Die Morgenandacht Beten

Not lehrt Beten, hat man früher gesagt. Pastorin Ines Bauschke findet, dass das Beten in schwierigen Zeiten tatsächlich eine ganz besondere Kraft entfaltet und viel mehr ist als ein einsames Gespräch.

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Not lehrt Beten, hat man früher gesagt. Pastorin Ines Bauschke findet, dass das Beten in schwierigen Zeiten tatsächlich eine ganz besondere Kraft entfaltet und viel mehr ist als ein einsames Gespräch.

Früher habe ich mich morgens auf meine Zeitungslektüre gefreut. Das ist schon lange nicht mehr so. Ich schlage die Zeitung heute nur noch mit einem gewissen Unbehagen auf. Welche Katastrophen stehen wohl heute drin, und was gibt es wieder Schlimmes über die Kriegsregionen der Welt zu berichten. Ukraine, Israel, Gaza, Sudan - Orte des Grauens. Mit Geschichten von Mord und Tod, von Antisemitismus und terroristischen Anschlägen. Auch wenn es mir persönlich gut geht, so mache ich mir doch ziemliche Sorgen wegen all der Krisen in der Welt.

Mein Neffe fragte mich einmal: War es in in deinem bisherigen Leben schon mal so schlimm in der Welt wie jetzt? Meine Antwort: Nein, so schlimm war es noch nie, jedenfalls in meiner Wahrnehmung nicht. Mir bleibt ein Gefühl der Hilflosigkeit. Ich kann an so Vielem nichts ändern, an dem kriegsversessenen Russland oder dass die nächste Wahl in den Vereinigten Staaten womöglich ein katastrophales Ende nimmt, oder dass Hass und Gewaltaufrufe in den sozialen Medien zunehmen, und und und.

Was tun? Am schlimmsten ist es, wenn man nichts tun kann. Abwarten, passiv sein müssen, wie das Kaninchen auf die Schlange starren. Erstarren. Das ist schlimm. Starr werden, das tut der eigenen Seele gar nicht gut – die muss beweglich bleiben, braucht Raum und eine Lebensperspektive. Und möchte etwas tun. Wenn jemand nicht mehr weiter weiß, dann fällt gelegentlich der Satz: Da hilft nur noch beten. Ein Eingeständnis der eigenen Ohnmacht. Wer das sagt, sieht keine Perspektive mehr. Außer eben: zu beten. Mal ganz abgesehen davon, ob ein Gebet nun auf der Stelle erhört wird oder nicht, das Beten bietet tatsächlich die Möglichkeit, etwas zu tun. Wenn ich auch sonst nichts tun kann, beten kann ich immer. All meine Sorgen, Ängste vor Gott zu bringen – das, finde ich, kann manche Erstarrung lösen, ich kann eben doch etwas tun. Es aussprechen. Seufzen, stöhnen, klagen, schreien. Um mich wieder lebendig zu fühlen, in aller Beklemmung, wenn sonst nichts zu ändern ist. Ich finde daher, Beten fördert die Selbstwirksamkeit. Das Gebet führt mich aus dem passiven Erleiden und gar dem Erstarren wieder ins Handeln zurück. Beten ist auch Handeln.

Und wo wir jetzt schon beim Handeln sind: Vielleicht gibt es doch noch etwas mehr, das ich tun kann. Mich eben doch an irgendeiner und sei es noch so kleinen Stelle einsetzen dafür, dass alles nicht so schlimm bleibt. Wenn ich versuche, etwas dagegen zu tun - gegen Hass und Gewalt, gegen Hoffnungslosigkeit, und sei es vielleicht nur einem traurigen Menschen zuzuhören oder meine Gefühle mit jemandem zu teilen, dann scheint vielleicht eine neue Perspektive auf. Mit einem Gebet kann es anfangen.

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