Die Morgenandacht Habe ich Gott jetzt in meinem Herzen?

Birgit Hosselmann
Birgit Hosselmann

Die Morgenandacht Habe ich Gott jetzt in meinem Herzen?

Manchmal kann der Weg zu Gott leicht sein, wie Birgit Hosselmann erfahren hat. Etwa wenn ein Kind spürt, wie schön das Leben sein kann.

Bild: Katholischer Gemeindeverband Bremen

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In meinem Studium konnte ich für mehrere Monate eine Ordensschwester begleiten, die sich um eine Gruppe Russlanddeutscher gekümmert hat. Die Gruppe wohnte am Stadtrand von Münster, in Containern und versuchte irgendwie bei uns Fuß zu fassen. Unterhalten haben wir uns mit Händen und Füßen, am wenigsten mit Worten. Wir haben viel gemeinsam unternommen, besonders mit den Kindern. Wir haben gespielt, gekocht und gebacken. Wir besuchten auch einmal zusammen eine kleine Kirmes, und die Kinder wie die Betreuer hatten freie Fahrt – in jedem Fahrgeschäft! Nach fünf oder sechs Karussellfahrten war das gut 6-jährige Mädchen, auf das ich an diesem Tag aufpassen durfte, glücklich. Die Augen strahlten und sie lachte.

Und mir war von der ganzen Fahrerei ganz schön flau im Magen… Dennoch: Es war ein toller Tag, wir hatten viel Spaß, haben viel gelacht – und haben uns mehr oder weniger wortlos verstanden. Neben dem Kennenlernen und Spielen gab es aber noch einen weiteren Auftrag für die Ordensschwester und mich: Die Gruppe wollte den Glauben kennenlernen, sie wollten sich taufen lassen und Christen werden. Ich weiß nicht mehr genau, was wir deshalb alles geplant und gemacht haben. Ich erinnere mich nur noch daran, dass wir an einem Sonntag in der Kirche vor Ort waren. Für die Meisten war das der erste Besuch in einer Kirche. Und eine Frau um die 50 Jahre stand neben mir, schaute mich mit großen, glänzenden Augen an und fragte: "Habe ich jetzt Gott in meinem Herzen?"

Sie war in diesem Moment einfach glücklich, – und ich war – zugegeben – einfach sprachlos. Nach dem Moment der Sprachlosigkeit habe ich nur noch gesagt: "Ja, er ist in dir!"
So einfach kann Glauben, kann Kirche auch sein: Das Mädchen, das lacht und glücklich ist, weil sie einfach nach Herzenslust Karussell fahren durfte. Sie hat gespürt, wie schön das Leben sein kann. Und die Frau, die einfach spürt, an diesem Sonntag – in dieser Kirche fühle ich mehr – da ist mehr, da berührt etwas, da berührt jemand mein Herz. Da ist ein Gott, der nun in meinem Herzen wohnt. Mehr Worte bedarf es nicht.

Und für das Lachen des Mädchens und für die Frau mit den strahlenden Augen nehme ich gerne ein flaues Gefühl im Magen und meine Sprachlosigkeit in Kauf, denn die beiden haben mir gezeigt, wie leicht der Weg zu Gott sein kann. Danke dafür!



Autor/Autorin

  • Birgit Hosselmann

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