Die Morgenandacht Trotzdem: Getragen werden

Andrea Schneider
Andrea Schneider

Die Morgenandacht Trotzdem: Getragen werden

"Leuchten! 7 Wochen ohne Verzagtheit". Das ist das Motto der diesjährigen Fastenaktion der Evangelischen Kirche. Pastorin Andrea Schneider spricht heute über tragende Kräfte in düsteren Zeiten.

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Guten Morgen! Haben Sie gut geschlafen? Ich hoffe es für Sie. Oder drehten Sie sich pausenlos im Bett und Ihre Gedanken kreisten im Kopf? Stand für Sie in schlaflosen Stunden die Welt Kopf? Der Fastenkalender der Evangelischen Kirche "Leuchten! 7 Wochen ohne Verzagtheit", den ich heute nochmal mit Ihnen anschauen möchte, zitiert als Gedankenanregung für diesen Tag ein Gedicht der katholischen Theologin und Therapeutin Catrina E. Schneider. Es heißt "Die Welt auf dem Kopf" und lautet so:

Auch wenn nachts die Welt
auf dem Kopf steht
fallen wir nicht
aus dem Bett
und die Ziegel
nicht vom Dach
nicht nur
die Erde trägt
auch der Himmel
hält uns.

Ein schöner Gedanke: Auch trotz Angst und Sorgen, die sich in Kopf und Herz festsetzen, die uns in der Nacht den Schlaf rauben und am Tag verunsichern, dürfen wir wissen: Wir werden gehalten. Zwischen Himmel und Erde. Haben festen Stand auf der Erde. Denn auch der Himmel hält uns. Allerdings klingt dieses kleine Gedicht fast zynisch und die Zuversicht, die es ausstrahlt, bleibt mir im Halse stecken angesichts des grauenhaften Erdbebens in der Türkei und Syrien von einigen Wochen. Wo für -zig Tausende nicht nur die Ziegel vom Dach fielen, sondern ihr ganzes Haus zusammenbrach, ihr Leben abbrach. Nicht nur die Erde hat so furchtbar viele Menschen nicht getragen, auch der Himmel hat sie nicht gehalten.

Dass aber in die Dunkelheit dieser grauenhaften Katastrophe, in das unermessliche Elend  unzählige Helferinnen und Helfer hineinleuchten, dass sich menschliche, geschwisterliche Solidarität zeigt über alle Grenzen hinweg, dass doch viele Menschen erleben, sie werden getragen in all ihrem Elend – das macht Mut. Und es zeigt, trotz allem: Es gibt himmlische Tragekraft, auf wenn alles zusammenbricht. Damit auch wir immer wieder Leuchtkraft haben für andere – nicht nur in diesen 7 Wochen der Fastenzeit – brauchen auch wir Zuversicht und Mut.

Mut-Machwort zum "Leuchten!" ist für diese 3. Fasten-Woche das bekannteste Segensgebet aus der Bibel. Der sogenannte aaronitische Segen, der sehr oft am Ende eines Gottesdienstes gesprochen wird, aber auch bei Trauungen oder am Krankenbett. Seine Worte können ganz persönliche Kraft-Worte werden in Verzagtheit. Nähe-Worte in Einsamkeit. Licht-Worte für den Lebensweg. Mutmach-Worte auch für den kleinen Alltag.
Heute sind sie für mich vorsichtige, flehentliche Hoffnungs-Worte, wenn ich an die vom  Erdbeben und Krieg betroffenen Menschen denke: Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden.
Amen – möge es so sein.

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