Buchautorin Ildikó von Kürthy ist ihren Leserinnen sehr ähnlich

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Ildikó von Kürthy
Ildikó von Kürthy ist live zu Gast im Theater Laboratorium Oldenburg. Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

Geradezu ein Kultbuch wurde ihr Debüt-Roman "Mondscheintarif". Seitdem hat Ildikó von Kürthy unzählige Texte verfasst, als Journalistin, Kolumnistin und immer wieder auch als Autorin erfolgreicher Bücher. Immer war sie dabei ganz nah dran am Zeitgeist und am jeweils aktuellen Lebensgefühl.

Porträt der Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy
Porträt der Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy

Gesprächszeit Ildikó von Kürthy mit ihrem neuen Buch "Eine halbe Ewigkeit"

Autorin Ildikó von Kürthy trifft seit 25 Jahren mit ihren Romanen, Sachbüchern und Kolumnen einen Nerv. Auch mit ihrem neuen Buch "Eine halbe Ewigkeit".

Bild: Rowohlt Verlag | Sonja Tobias

Von ihren meist weiblichen Fans bekommt sie manchmal zu hören, ihr Leben sei ja wohl ein wahres Märchen. Aber das weist sie entschieden von sich: "Ich bin ganz durchschnittlich." Sie sei ihren Leserinnen sehr ähnlich, sagt Ildikó von Kürthy. Sie geht auch davon aus, dass ihr Publikum mit ihr gemeinsam altert: "Mondscheintarif" schrieb sie mit dreißig und traf genau den Ton ihrer Altersgenossinnen.

Verheiratet ohne Eheglücksformel

Jetzt ist sie Mitte fünfzig und hat ihrem Debut eine merklich gereifte Fortsetzung verpasst: "Eine halbe Ewigkeit" heißt ihr neuester Roman. Darin lässt sie die Heldin Cora Hübsch wieder auftreten, ein Vierteljahrhundert später. Wie ist es nach dem damaligen Happy-End weitergegangen? Ist Cora "glücklich verheiratet"? Nein, ist sie nicht! Diese Antwort ist ernüchternd, und die Autorin gibt auch zu, dass die Eheglücksformel auf sie selbst nicht zutrifft: "Ich bin nicht 'glücklich verheiratet'. Ab und zu bin ich recht zufrieden, manchmal bin ich glücklich, und oft bin ich einfach verheiratet. Und manchmal auch sehr ungern."

Ihr Mann habe ihre früheren Bücher immer redigieren dürfen, sagt sie. Bei dem aktuellen Roman wollte sie das aber nicht mehr, denn seine Kritik sei oft sehr harsch ausgefallen. So sehr, dass sie schon einen Berufswechsel und sogar einen Ehemann-Wechsel erwogen habe. Außerdem: Sollte sie ihn etwa ungefiltert lesen lassen, dass sich ihre desillusionierte Romanfigur in diesem Buch mit Gedanken an Fremdgehen und Trennung beschäftigt?

Ich hatte nicht die Wahl, ob ich Mathematikerin, Spitzensportlerin oder Supermodel werde.

Ildikó von Kürthy über ihre Berufswahl und Talente

"Irgendwas mit Sprache"

Entwaffnend ehrlich geht Ildikó von Kürthy mit ihrem eigenen Leben um: mit ihren Ängsten, Phobien und Zweifeln, mit Unzulänglichkeiten aller Art. "Es wäre viel zu anstrengend, so zu tun, als gäbe es all das nicht." Sie zögert nicht, ihre Schwachstellen aufzulisten. Bei der Erinnerung an ihre Berufswahl zum Beispiel: Viele Talente habe sie damals nicht zu bieten gehabt. "Ich hatte nicht die Wahl, ob ich Mathematikerin, Spitzensportlerin oder Supermodel werde." Und so wurde es nach dem Abitur "irgendwas mit Sprache".

Die Sprache spielte schon in ihrer Kindheit und Jugend eine große Rolle: Ihr Vater, ein Pädagogik-Professor, war blind und musste vieles vorgelesen bekommen. Zeitweise war Einzelkind Ildikó dafür verantwortlich, was ihrem Sprachschatz wohl zugute kam. "Irgendwas mit Sprache" war jedenfalls genau die richtige Entscheidung: Von der Zeitungs-Praktikantin wurde sie zur Artikelschreiberin, dann zur Absolventin einer renommierten Journalistik-Schule, Medienpreisträgerin, Redakteurin, Kolumnistin und schließlich zur erfolgreichen Schriftstellerin.

Geborgen im Durchschnitt

Beim Schreiben ihrer Romane lässt sie sich vom Eigenleben ihrer Figuren gerne einfach mitreißen und wundert sich dann selbst, welche Wendungen die Handlung nimmt.

Ildikó von Kürthy auf der Bremen-Zwei-Bühne neben Tom Grote
Begeisterte auch das Publikum: Ildikó von Kürthy zu Gast bei Tom Grote. Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

Ihre Sprache steckt oft voller Humor und Leichtigkeit  – aber darauf will die Autorin keinesfalls reduziert werden. Sie hat im Laufe ihres Lebens Erfahrungen mit Hospizarbeit, Fasten, Meditation und Schweigekloster gesammelt, und in ihren Romanhandlungen greift sie auch Lebenskatastrophen und Grenzsituationen auf. Wenn ihre Bücher trotz alledem als leicht konsumierbare Strandlektüre bezeichnet werden, kann sie sich richtig entrüsten: "Dann denk ich immer: Hallo? Sterbehilfe! Brustkrebs! Toxische Beziehung!"

Ich fühle mich wohl im Vertrauten. Ich glaube, das macht auch meine Bücher aus: Dass meine Leserinnen sich darin geborgen fühlen.

Ildikó von Kürthy über die Geborgenheit, die ihre Leserinnen in ihren Büchern empfinden.

Beim Schreiben geht es ihr immer um ein Gemeinschaftsgefühl, das sie mit ihrem Publikum teilen möchte: Sie erfindet keine exotischen Themen, sondern Situationen, in die alle geraten können. "Ich fühle mich wohl im Vertrauten", sagt sie. "Ich fühle mich geborgen im Durchschnitt. Ich glaube, das macht auch meine Bücher aus: Dass meine Leserinnen sich darin geborgen fühlen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 12. April 2024, 18:00 Uhr

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