Die Morgenandacht Der Junge auf dem Fahrrad

Frauke Löffler
Frauke Löffler

Die Morgenandacht Der Junge auf dem Fahrrad

Ein kleiner Junge auf dem Fahrrad, schlingernde Reifen und zerdrückte Gänseblümchen. Elemente für eine Geschichte voller Liebe.

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Ein kleiner Junge auf dem Fahrrad, schlingernde Reifen und zerdrückte Gänseblümchen. Elemente für eine Geschichte voller Liebe.

Es ist ein regnerischer Nachmittag. Ich bin auf dem Rückweg von der Bushaltestelle nach Hause. Da biegen zwei Jungs auf Rädern aus einem Weg auf den Bürgersteig. Einer ist vielleicht so etwa 6 Jahre alt. Der andere vielleicht etwa vier. Der erste fährt sicher und gerade. Er wird gut an mir vorbei kommen – dafür ist der Bürgersteig breit genug. Der zweite ist noch nicht so sicher auf dem Fahrrad unterwegs. Beim "Um-die-Ecke"-Fahren kommt er bedenklich ins Wanken, fängt sich dann wieder, fährt aber mehr Schlangenlinie als geradeaus. Mit ernster und konzentrierter Miene kommt er mir entgegen. Ich gehe lieber für einen Moment auf den Grünstreifen, um ihn durchzulassen. Als er an mir vorbei fährt, sehe ich den Grund für sein wackeliges Fahren: er hält nicht nur den Lenker in der Hand, sondern auch noch ein kleines Sträußchen Gänseblümchen. Wer die wohl bekommen soll?

Ich stelle mir vor, wie die beiden Jungs zu Hause aufgebrochen sind: der Große sagt: ich geh Fahrradfahren! Der Kleine: Ich will mit! Okay, aber nur bis zum Spielplatz und zurück! Und setzt den Helm auf! Und schon sind die beiden unterwegs. Beim Spielplatz halten sie an. Der Große schwingt sich aufs Klettergerüst und klettert schnell nach oben. Der Kleine schaut sich um, überlegt, ob er doch lieber rutschen will und da entdeckt er die Gänseblümchen. Die nehme ich für Mama mit, denkt er. Die mag Blumen doch so gern. Sie freut sich bestimmt. Und während er bedächtig ein paar kleine, zarte Blütenstengel pflückt, ist der Große schon wieder runter vom Gerüst und rauf aufs Fahrrad gesprungen. Komm! Wir fahren weiter! Hektisch pflückt der Kleine noch ein paar mehr Stängel, rennt damit zu seinem Fahrrad und merkt beim Aufsteigen: die Hand brauche ich eigentlich für den Lenker. Aber der Große ruft: Komm! Ich fahr schon mal los. Kurz zögert der Kleine, will mit, mag aber die Gänseblümchen nicht loslassen. Beherzt steigt er also auf, drückt die Blümchen auf den Lenker und fährt los. Der Große ist schon um die Ecke, der kleine biegt auch ab, wackelt, versucht, sich auf dem Fahrrad zu halten. Ein Stückchen weiter kommt eine Frau auf dem Fußweg. Sie geht zum Glück zur Seite, er schafft es an ihr vorbei und fängt sich nun endlich und fährt hinter dem Großen nach Hause. "Mama, Mama, guck mal, ich hab Dir was mitgebracht" ruft er schon von weitem voller Stolz.

Mich rührt der kleine Junge auf dem Fahrrad. Weniger die Idee, seiner Mutter Blumen mitzubringen, als mehr sein Mut, mit dem Sträußchen loszufahren. Manchmal muss man sich was trauen. Manchmal muss man schnell sein, darf nicht zu lange nachdenken. Manchmal muss man einfach etwas machen, auch wenn man ahnt, dass es nicht leicht ist. In einem Psalm heißt es: "Ich blicke hinauf zu den Bergen: Woher wird mir Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat! Und du sollst wissen: Gott lässt nicht zu, dass du zu Fall kommst. Er gibt immer auf dich acht." Manchmal muss man mal etwas wagen. Und dabei darauf vertrauen, dass der, der Himmel und Erde gemacht hat, aufpasst, dass ich nicht falle.

Autor/Autorin

  • Fraunke Löffler

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