Die Morgenandacht Straßendrama

Ulrike Oetken
Ulrike Oetken

Die Morgenandacht Straßendrama

Blöder Hund! Alte Ziege! Trottel! Menschen, die am Straßenverkehr teilnehmen, sind nicht zimperlich miteinander. Pastorin Ulrike Oetken erlebt die Straßendramen aus unterschiedlicher Perspektive. Und sie ist mittendrin.

Bild: Bremische Evangelische Kirche

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Ich fahre Fahrrad. Meistens. Oft gehe ich auch zu Fuß. Manchmal steige ich in die Straßenbahn, gelegentlich sitze ich in einem Bus oder in der Eisenbahn. Wenn es nicht anders geht, fahre ich Auto. Jedes Mal, wenn ich das Fahrzeug wechsle, dann werde ich etwas anderes. Von der Radfahrerin, zur Fußgängerin, zur ÖPNV-Kundin, zur Autofahrerin. Je nachdem, wie ich mich fortbewege, sehe ich die Welt mit anderen Augen. Die Perspektive wechselt. Jedes Mal gehöre ich zu einer anderen Gruppe und wechsle die Seiten. So kommt es mir vor.

Wenn ich mich so durch die Stadt bewege, beobachte ich wahre Dramen auf der Straße. Es wird gepöbelt, geschubst und gestikuliert. Und tatsächlich: Da hat doch jemand sein Auto auf dem Fahrradweg geparkt! Da ist doch eine Frau 10 Meter vor der Ampel vor einen Kühler gelaufen! Da ist doch wirklich ein Radfahrer auf dem Gehweg gefahren! Nur wenige Gründe dafür, warum es alltäglich auf dem Asphalt zur Sache geht: "Idiot!", "Führerschein wohl im Lotto gewonnen!", "Kannst Du nicht gucken?", "Nun fahr doch endlich!" oder einfach nur "Ey!".

Alle duzen sich und kommen direkt zur Sache. Die Kommunikation ist klar und unmissverständlich. Alle haben recht und die anderen sind Volltrottel oder gemeingefährlich. Die Autofahrerinnen. Die Radfahrerinnen. Die Fußgängerinnen, die ÖPNV-Kundinnen. Wer von diesen sind eigentlich die Schlimmsten? Immer die anderen. Wer ist im Recht? Man selbst. Ich bekenne: ich bin alles. Ich parke manchmal ungeschickt, ich fahre mit dem Rad in der Fußgängerzone, ich renne bei Rot über die Ampel, um die Straßenbahn zu erwischen. Und ich bin empört, wenn ich zurechtgewiesen oder ausgeschimpft werde. Welch ein Wahnsinn. Dabei wäre ein bisschen Rücksicht und Verständnis eigentlich gar nicht so schwer. Die anderen sind zum großen Teil genauso harmlos wie ich. Aber wie komme ich darauf?

Neuerdings versuche ich es auf der Straße mit der Nächstenliebe und der Bibel: "Wer ist denn eigentlich mein Nächster?", wurde Jesus einmal gefragt. Da antwortete Jesus und sprach: "Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho…" Also auf der Straße. Er wurde dort überfallen, mehrere Leute gingen achtlos oder absichtlich an ihm vorbei, einer blieb stehen und half.  Das könnte ich sein, hat er sich vielleicht gedacht. Oder auch nur: Da braucht jemand Hilfe. Es ist ein Mensch. Nächstenliebe sucht nicht aus, sondern sie meint alle, die nur ein Mensch sind. Auf dem Fahrrad, im Bus, im Auto oder zu Fuß.

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Der Morgen mit Anja Goerz