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Der Sonntagnachmittag mit Wolfgang Rumpf

In der Ausstellung Von Schokoladen-Skulptur bis Warhol: Gegenwartskunst in der Weserburg

Autorin

Sturtevant "Warhol Flowers" 1964-1968
Die "Warhol Flowers" von der US-Künstlerin Elaine Sturtevant. Bild: Leihgabe SU Collection

Vor drei Jahren hat die Weserburg das Ausstellungsformat "So wie wir sind" entwickelt. Anstatt einer einzelnen Sammlung einen großen Auftritt zu geben, werden Bilder aus verschiedenen privaten Sammlungen zu bestimmten Themen gemixt. Jetzt läuft die vierte Folge der Ausstellungsreihe: "So wie wir sind 4.0".

Miriam Cahn, "Zähnefletschen" 2018
Miriam Cahn, "Zähnefletschen" 2018. Bild: Family Collection Pitrowski-Rönitz

In der Weserburg sind 100 Werke von mehr als 80 Künstlerinnen und Künstlern auf 2500 Quadratmetern zu sehen. Internationale Kunst von den 1960er Jahren bis heute – Gemälde, Zeichnungen, Installationen, Skulpturen, Videokunst. Die Werke sind sehr unterschiedlich in der Ästhetik, aber inhaltlich gibt es Gemeinsamkeiten. Zum Beispiel hat die US-Künstlerin Elaine Sturtevant in den 1960er Jahren einen Siebdruck von Andy Warhol kopiert – seine poppigen "Flowers" – und die dann in anderen Farben als eigenes Kunstwerk auf den Markt gebracht, um den männlichen Starkult in der Kunstszene zu hinterfragen. 60 Jahre später geht es der ukrainischen Künstlerin Aletvina Kakhizde ebenfalls um Aneignung von Kunst. Sie hat Skulpturen von Damien Hirst, dem teuersten lebenden Künstler der Welt, als zarte Schwarz-Weiß-Bilder für jedermann zugänglich gemacht. Das Andy-Warhol-Original hängt auch in der Bremer Ausstellung, Damien Hirsts sündteuren Diamantenkopf findet man dort aber nicht.

Eine Ausstellung, 5 Themen

Es gibt fünf Themenareale: "Körperwelten", "Deutschlandbilder", "Ästhetischer Widerspruch", "Ver-rückter Alltag" und – ganz wichtig für die Tradition der Weserburg – "minimalistische Tendenzen". Unter der Rubrik "Körperwelten" sind besonders originelle Werke zu sehen. Die deutsche Bildhauerin Nevin Aladag hat aus Meißener Porzellan Abdrücke von Körperteilen genommen, die dann bunt glasiert und wie zu einer Kletterwand an einer Wand verteilt. Ein Hingucker sind auch die pinken Luftballonbrüste – eine Arbeit der französischen Künstlerin Laure Prouvost.

Maria José Arjona, "Right at the center, ther is silence" 2012
Maria José Arjona, "Right at the center, ther is silence" 2012. Bild: Videostill, Sammlung Kelterborn


Auch sexistische Blicke und kolonialistische Zusammenhänge werden entlarvt. Eindrücklich ist eine Skulptur aus Schokolade, die eine Vergewaltigungsszene zeigt: ein weißer Kolonialherr in eindeutiger Pose über seinem schwarzen Opfer. Der niederländische Künstler Renzo Martens und das kongolesische Künstlerkollektiv CATPC stellen ihre Werke tatsächlich aus einer Masse aus Kakao und Palmöl her. Einige Schoko-Köpfe-Selbstporträts sogar serienmäßig. Die werden auch im Museumsshop der Weserburg verkauft. Vom Erlös kauft das Kollektiv dann ehemalige Plantagenflächen im Kongo zurück.

Eine Ausstellung für alle

Ein Raum von der Kunstausstellung so wie wir sind 4.0 im Museum Weserburg.
Blick in die Ausstellung "So wie wir sind 4.0". Bild: Radio Bremen

In dieser Ausstellung ist für jede und jeden etwas dabei. Zeitgenössische Kunst nimmt Bezug auf aktuelle Entwicklungen und Erfahrungen, das zeigen zum Beispiel die Miniaturhäuschen des türkischen Künstlers Ahmet Ögüt. Er hat Häuser detailgetreu nachgebaut, die überall auf der Welt großen Bauprojekten und Profitinteressen weichen sollen. Um dieses Kunstwerk zu verstehen, muss man nicht Kunstgeschichte studiert haben. Insgesamt bekommen die Besucher einen Eindruck, was los ist in der Welt und in der Kunstwelt, und was die Künstlerinnen und Künstler bewegt.

Die Ausstellung "So wie wir sind 4.0" läuft bis 13. August 2023 in der "Weserburg. Museum für moderne Kunst" in Bremen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 8. Oktober 2022, 07:20 Uhr