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In der Ausstellung Neue Ausstellung "Peter Piller – Richard Prince" in der Weserburg

Autorin

Kunstwerk von Peter Piller "Von Erde schöner"
"Von Erde schöner" ein Werk von Peter Piller Bild: VG-Bildkunst, Bonn 2021

In der Weserburg begegnen sich Peter Piller und Richard Prince. Die beiden Künstler gelten als "moderne Klassiker" und nehmen jeweils ihre Heimat in den Blick – Deutschland und die USA.

Ausstellung: "Peter Piller – Richard Prince" in der Weserburg

In der Weserburg begenen sich mit Peter Piller und Richard Prince zwei Künstler, deren Werke Blicke auf ihre jeweilige Heimat Deutschland und USA werfen.

Kunstwerk von Richard Prince, "Together"
Kunstwerk von Richard Prince, "Together" Bild: Richard Prince, Privatsammlung
Bild: Richard Prince, Privatsammlung

Eine Gruppe Cowboys unter einer Baumgruppe auf einer Wiese, die golden im Abendlicht leuchtet, dahinter schneebedeckte Berggipfel. Eindeutig Marlboro-Werbung. Ikonenhaft abgespeichert im kollektiven Gedächtnis. Aber der amerikanische Künstler Richard Prince hat das Plakat von jeglichem Werbetext und -kontext befreit – und so eine geradezu andächtige amerikanische Naturszenerie kreiert.

Alte Fotografie eines Cowboys - Kunstwerk von Richard Prince
Alte Fotografie eines Cowboys - Kunstwerk von Richard Prince. Bild: Richard Prince, Courtesy Sammlung Goetz

Peter Piller aus Hamburg zeigt dagegen bebaute, zergliederte deutsche Landschaft: der Traum vom Eigenheim aus der Luftperspektive. Fotos von Einfamilienhäusern, schwarzes Dach, blauer Pool, grüne Wiese, rote Bettdecken hängen wie klitzekleine Rechtecke zum Lüften aus den Fenstern. Auch Peter Piller hat die Fotos nicht selbst geschossen, sondern in einem Archiv entdeckt.

Zwei Künstler, eine künstlerische Strategie

Beide Künstler gehen ähnlich vor: Sie lösen Fotos aus dem ursprünglichen Kontext und geben ihnen einen eigenen, ganz neuen Auftritt. Diese gemeinsame künstlerische Strategie hat Kurator Ingo Clauß zu dieser Doppel-Ausstellung inspiriert.

Kunstwerk von Peter Piller "Ungeklärte Fälle"
Bild: VG-Bildkunst, Bonn 2021

Der US-Amerikaner Richard Prince ist direkt nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. Peter Piller gehört zur sogenannten deutschen Boomer-Generation, Jahrgang 1968, gebürtiger Hesse. Bei Prince räkeln sich halbnackte Playmates aus dem Playboy auf Motorhauben heißer US-Schlitten, Piller hat aus Militär-Zeitschriften der DDR leicht bekleidete Frauen und schweres Geschütz gegenübergestellt –karikierte Männerträume hüben wie drüben. Prince präsentiert ikonische Bilder, zynisch, hart und direkt, Pillars lakonische Botschaften sind leiser, subtiler.

Beide setzen sich mit Konventionen und Lebenswelten ihrer Heimat auseinander. Und das nicht erst seit heute. Den Fragen nach Autorenschaft, Authentizität und Urheberschaft spüren Prince und Piller schon lange nach. Die deutsche Wirklichkeit hat sich im Laufe seines Schaffens durchaus verändert, sagt Peter Pillar:

Ich nehme es schon so wahr, dass sich dieses Deutschland, in dem ich da lebe, verbessert hat. Vieles, gegen das ich als Jugendlicher angerannt bin, gibt es nicht mehr; Homophobie zum Beispiel, die alten Nazis sind alle weggestorben. Gibt natürlich neue Nazis, aber eine bestimmte Art von Muff hat sich verflüchtigt.

Peter Piller, Künstler

Peter Pillar und Richard Prince ergänzen, erweitern und kommentieren die Bildvorlagen durch eigene Zeichnungen und Cartoons. Sie machen auch eigene Fotos – und entwerfen eigene Szenen, zum Beispiel aus dem deutschen Büroalltag.

Soundinstallation aus Bachkantaten

Peter Pillar hat auch seine erste Soundinstallation geschaffen. Im abgedunkelten Dachgeschoss der Weserburg kann man die Klänge auf sich wirken lassen. Diesmal hat Pillar sich bei Johann Sebastian Bach bedient und das Wort "Geduld" aus sämtlichen Bachkantaten aneinandergeschnitten, gesungen von verschiedensten Solisten, Solistinnen und Chören.

Kunstwerk von Richard Prince, "Together"
Kunstwerk von Richard Prince, "Together" Bild: Richard Prince, Privatsammlung

Besonders viel Geduld ist eigentlich nicht nötig, um an der abwechslungsreichen Ausstellung Gefallen zu finden, die übrigens weitgehend aus den Sammlungsbeständen des Museums bestückt wurde. Ausführliche Erklär-Texte zu den einzelnen Werken bringen Künstler und Werke näher. Und manchmal treten die sehr unterschiedlichen Künstler tatsächlich miteinander in Dialog. Durch Farben, Formen und Inhalte.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 19. Juni 2021, 14:50 Uhr