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Die Nacht

Im Porträt Was Wandergesellin Helene auf der Walz erlebt hat

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Helene
Auf der Walz sein, Wanderjahre oder Tippelei. Helene war über drei Jahre lang eine reisende Raumausstatterin. Bild: Radio Bremen | Mario Neumann

Es ist eines der letzten großen Abenteuer: als Handwerksgeselle auf die Walz gehen. Drei Jahre, neun Monate und einen Tag war Raumausstatterin Helene als Polsterin in Europa unterwegs.

Gesprächszeit "Handwerk fetzt" – Wandergesellin Helene

Drei Jahre, neun Monate und einen Tag war Raumausstatterin Helene als "Fremde Polsterin im Freien Begegnungsschacht" in Europa unterwegs.

Wandergesellin Helene 2018
Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck
Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Drei Jahre und einen Tag lang dürfen sich Wandergesell*innen ihrem Heimatort nicht weniger als 50 Kilometer nähern. Helene war neun Monate länger unterwegs als nötig. "Weil ich Bock hatte und weil ich’s kann", sagt die 26-Jährige mit einem Lachen.

Von der Algarve bis Norwegen

Seit der Pandemie hat sich Helene auf den deutschsprachigen Raum konzentriert, ist mehrere Wochen an einem Ort geblieben und hat genau darauf geachtet, wer ihre Kontaktpersonen sind. Sie ist froh, dass sie vor Corona noch ein bisschen Strecke machen konnte. Ohne Smartphone und ohne Geld für Mobilität ausgeben zu dürfen, hat die Wandergesellin Länder und Leute erkundet.

Dabei ist Helene oft mit anderen Wandergesell*innen unterwegs und stellt fest: Von zwei, drei unschönen Momenten abgesehen, ist es auch im 21. Jahrhundert noch sehr gut möglich, per Anhalterin zu reisen, Vertrauen zu geben und zu bekommen. Ein Highlight: Als sie im norwegischen Bergen spontan von einer Privatperson aufgenommen, versorgt und beschäftigt wird.

Dieses Vertrauen zu kriegen von wildfremden Menschen, die sagen: 'Hier habt ihr einen Wohnungsschlüssel. Ich lad euch ein. Ich helfe euch. Ich finde das geil, was ihr macht.'

Helene über Begegnungen auf ihrer Walz

"Wir waren völlig abgebrannt, hatten kein Geld mehr, hatten seit einer Woche nicht geduscht und wollten uns nicht weiter von Toastbrot, Tomatenmark und Käse ernähren. Und dann war da Kamilla, die hat uns gesehen und wusste, was zu tun war. Ich hab echt geheult in dem Moment: Dieses Vertrauen zu kriegen von wildfremden Menschen, die sagen: 'Hier habt ihr einen Wohnungsschlüssel. Ich lad euch ein. Ich helfe euch. Ich finde das geil, was ihr macht.'", erzählt Helene über diese Begegnung in Norwegen.

Wandergesellin Helene 2018
Die Farbe der Kluft ist vom Beruf abhängig. Helenes rote Kleidung zeigt, dass sie in einem farbgebenden Gewerk arbeitet. Bild: Radio Bremen | Leonard Steinbeck

Intensive Zeit

Immer wieder erlebt sie auch, dass sie als Firmen- und Familienmitglied auf Zeit angenommen wird. Während Corona meldet sie sich telefonisch bei Betrieben an, bekommt auch einige Absagen, kommt aber immer wieder irgendwo unter. Zu ihren Lieblingsstationen gehört das Allgäu, wo sie in einem Familienbetrieb mitarbeitet.

Immer wieder packen und weiterziehen. Das ist total schön, aber irgendwann wünscht man sich auch ein bisschen Privatsphäre.

Helene

Doch das Reisen ist nicht nur schön, es ist auch anstrengend. Herausfordernd ist es für Helene zum Beispiel, dass sie oft wenig Privatsphäre hat. "Immer wieder packen und weiterziehen. Das ist total schön, aber irgendwann wünscht man sich auch ein bisschen Privatsphäre. Das Reisen ist zwar Alltag, aber es ist trotzdem viel. Viel mehr, als man normalerweise in diesen drei Lebensjahren erleben würde."

Wandergesellin mit "Goldstaub"

Wie sich das Wandergesell*innen-Dasein von Männern und Frauen unterscheidet? "Frauen machen von der Sache her das Gleiche. Aber irgendwie ist es doch ein Unterschied für die Mitmenschen: Steht da ein großer Messerschmied in seiner blauen Kluft und einem Zylinder, fast ein zwei Meter Hüne, oder steht da so ein Polster "Mäuschen", mit ihren blonden Locken und der roten Kluft. Oft habe ich gehört: 'Mensch, du könntest meine Tochter sein, ich kann dich jetzt nicht hier stehen lassen.' Und schwuppdiwupp hatte ich irgendwo einen Schlafplatz und mein Wandergesellen-Kamerad guckt mich an und sagt: 'Das kann doch nicht sein, Helene, du hast voll den Goldstaub, jetzt sind wir hier schon wieder eingeladen worden'"

Wieder zu Hause fühlt sich alles bekannt unbekannt an, wie wenn man aus einem Traum aufwacht. Einfach im "Chill-Modus" im heimatlichen Rotenburg zu verweilen, bevor es dann im August mit einer schulischen Gestalter-im-Handwerk Fortbildung weitergeht – das ist gerade genau das Richtige für Helene.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 03.06.2021, 18:05 Uhr