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Den Wald entdecken Wie nützliche und schädliche Insekten im Wald leben

Autorin

Eine Schwebfliege sitzt auf einer Blüte
Die Schwebfliege ist ein eher ungefährlicher Bewohner des Waldes. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Der Wald ist Lebensraum vieler Insekten. Manche sind Nützlinge, andere Schädlinge – und bei einigen kommt es auf die Perspektive an. Nur der Borkenkäfer ist bei allen unbeliebt.

Es kriecht und krabbelt: Insekten im Wald

Ein Wald ohne Insekten wäre kein Wald. Sie sorgen dafür, dass Totholz verschwindet und der Nährstoff-Kreislauf intakt bleibt. Einige Schädlinge bedrohen den Wald jedoch.

Eine Försterin schaut unter die Rinde eines angesägten Baumstamms
Bild: Radio Bremen | Jana Wagner
Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Schon am Waldrand fliegt und krabbelt es: Zwei Zitronenfalter folgen Natalie Leichnitz auf dem Weg zu einem Baumstamm. Im Totholz fühlen Käfer und andere Krabbeltiere sich richtig wohl. Eine graue Assel tippelt unter der Baumrinde hervor. Sie und andere Käfer beißen und bohren sich ins tote Holz – und das sollen sie auch, findet die Försterin. Denn wenn sie das Holz zersetzen, gelangen wieder Nährstoffe wie Magnesium, Natrium, Calcium und Kalium in den Boden. All das, was der Baum zu Lebzeiten gespeichert hat, landet so wieder im Waldboden – dank der Insekten.

Es krabbelt unterm Holz

Natalie Leichnitz hockt vor dem Baumstamm. Es riecht nach feuchtem Laub und nach modriger Rinde. Die zerbröckelt zwischen ihren Fingern. Sie erklärt: "Wenn wir jetzt unter die Rinde schauen, dann ist das der Mulm, der sich gebildet hat. Das waren früher die Holzleitbahnen, die sich zersetzt haben. Da ist ein kleines Würmchen, das runterfällt. Unterm Holz ist es lebendig."

Eine Försterin schaut unter die Rinde eines angesägten Baumstamms
Försterin Natalie Leichnitz weiß wer unter der Rinde sein ZUhause gefunden hat. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Und nicht nur da: Schwebfliegen und Bremsen umkreisen die Försterin tief im Laub- und Mischwald, denn das Flüsschen Alpe ist nicht weit. "Egal in welche Schicht wir gucken, wir finden irgendwelche Insekten: ob hier im Boden, wo sie das Laub zersetzen, ob hier vorne im Totholz, das hier rumliegt und das Holz zersetzen – dann gibt es Insekten, die Blätter anfressen und sich von Blättern ernähren und dann kommen wieder Ameisen, die die Läuse melken."

Der unerwünschte Borkenkäfer

Es liegt immer im Auge des Betrachters, ob Insekten nützlich oder schädlich sind. Bei diesem Waldbewohner können sich allerdings alle einigen: Der Borkenkäfer ist unerwünscht. Natalie Leichnitz musste gut 50 Fichten aus diesem Waldstück holen, weil sie befallen waren. "Da ist ein Loch entstanden, das ich nächstes Jahr voraussichtlich aufforsten muss. Hier auf der rechten Seite haben wir das Holz aufgepoltert. Das wird in den nächsten Tagen abgefahren, damit der Käfer, der unter der Runde sitzt, nicht noch mehr Schäden anrichtet", sagt sie und deutet auf einen Holzstapel am Wegesrand.

Die gebohreten Wege von Borkenkäfern auf einem Baumstamm
Das Schadbild des Borkenkäfers ist klar erkennbar. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Die Försterin zieht vorsichtig die Rinde hoch. Darunter erscheint ein nahezu künstlerisches Muster. Ganz verästelt hat der Buchdrucker sich durchgefressen – so heißt der Borkenkäfer im unteren Stamm. Die Försterin deutet für uns die Spuren im Holz: "Hier zum Beispiel haben wir ein Loch, da geht der Käfer rein und legt die Rammelkammer an. Von dort aus gehen die Muttergänge ab. Es wird ein Muttergang gebohrt und dort werden die Eier ran gesetzt. Die Larven fressen die waagerechten Striche."

Die Striche sorgen dafür, dass der Baum stirbt. Denn die Striche und Rillen durchtrennen die Wasser-Leitbahnen im Stamm. Der Baum vertrocknet. Der Baumbestand im Rodewald oder ganze Wälder wie im Harz mussten deshalb schon abgeholzt werden.

Trockenheit macht Bäume anfälliger

Die Fichten sind durch die Trockenheit der vergangenen Jahre anfälliger und schwächer geworden – und der Borkenkäfer war dieses Jahr schnell und hartnäckig unterwegs. "Am Anfang des Jahres wendet sich der Käfer dem Rand zu, weil es da sonnig ist. Wenn es wärmer wird, dann geht er ins Innere. Dieses Jahr war es direkt warm, da ist er direkt in den Bestand reingegangen", sagt Natalie Leichnitz.

Gefällte Bäume und Baumstümpfe im Wald
Diesen Fichten konnte nicht megr geholfen werden. Försterin Natalie Leichnitz muss 2022 wieder aufforsten. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Natalie Leichnitz steht jetzt auf einer kahlen abgeholzten Fläche. Eben dort, wo die Bäume vom Borkenkäfer befallen waren. Die Sommersonne fällt auf den Boden, der mit mit Nadeln und Zapfen bedeckt ist. Ein trister Anblick, aber wenn alles klappt, dann pflanzt die Försterin bald neue Bäume. Und in denen leben dann auch wieder Insekten, aber hoffentlich als Nützlinge – und nicht als Schädlinge.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 24. Juli 2021, 13:40 Uhr