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Die Nacht

Den Wald entdecken So macht diese Försterin den Wald fit für die Zukunft

Autorin

Natalie Leichnitz hockt neben einem kleinen Baum
Försterin Natalie Leichnitz kultiviert unterschiedliche Baumarten für die zukünftigen Mischwälder. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Das Klima verändert sich, das hat auch Auswirkungen auf den Wald. Deshalb müssen die Forstwirte umdenken: Neue Baumarten werden zu Mischwäldern herangezogen. Bremen-Zwei-Reporterin Tinia Würfel war mit Försterin Natalie Leichnitz im Wald bei Rodewald unterwegs und hat sich zeigen lassen, wie der Wald zukunftsfest werden soll.

So will diese Försterin den Wald zukunftsfest machen

Försterin Natalie Leichnitz erklärt, wie sie den Wald zukunftsfest machten will: Mischwälder statt Monokulturen und neue Baumarten, die mit den Klimaveränderungen zurecht kommen.

Natalie Leichnitz lacht in die Kamera
Bild: Radio Bremen | Jana Wagner
Bild: Radio Bremen | Jana Wagner
Wald
Monokulturen sind anfällig für Schädlinge und Stürme. In Zukunft sollen mehr Mischwälder gepflanzt werden. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Die Försterin Natalie Leichnitz läuft durch die Beerenloh, ein Waldstück bei Rodewald. Hier wachsen Kiefern, soweit das Auge reicht. Sie sind etwa 50 bis 60 Jahre alt und wurden nach dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt.

Damals wurden in Niedersachsen – das unter britischer Besatzung stand – Wälder abgeholzt, um Holz als Reparationszahlung nach England zu liefern. Auch innerhalb Deutschlands war die Nachfrage nach Holz, vor allem Kiefer und Fichte, groß. Damit baute man die Städte wieder auf. Die gerodeten Waldflächen wurden mit Monokulturen aufgeforstet. Deshalb stehen auch in Rodewald viele Nadelbäume.

Neue Baumarten für den Wald

Es gibt noch andere Gründe für die großen freien Flächen in den Wäldern: Die Heidebrände in den 1970er Jahren und der sogenannte Quimburger Sturm, der 1972 über Deutschland und Niedersachsen fegte. Tausende Hektar Wald wurden zerstört. Damals begann ein Umdenken in der Forstwirtschaft – die Wälder sollten stabiler werden und Stürmen besser Stand halten: "Seit ungefähr 30 Jahren haben wir das 'Löwe-Programm' bei uns in Niedersachsen: Langfristige Ökologische Waldentwicklung." Das Programm wurde erweitert zu "Löwe plus", erklärt Natalie Leichnitz: "Wir versuchen, die Klimaerwärmung mitzudenken, indem wir fremdländische Baumarten mit einbringen, die sich bewährt haben. Wir dürfen nicht irgendetwas pflanzen, sondern müssen darauf achten, dass sie nicht invasiv sind und andere Baumarten verdrängen."

Raum schaffen für Mischkulturen

Die Monokulturen sollen zu Mischwäldern werden; dafür braucht es Platz. Die Försterin hat eine Sprühdosen dabei, mit denen sie die Bäume sortiert und markiert. Ihre wichtigsten Farben: Weiß und Rot. Die Zukunftsbäume – "Z-Bäume" – werden mit einem weißen Punkt markiert. "Rot ist der Bedränger, den ich rausnehme", erklärt die Försterin ihre Arbeit.

junge Nadelbäume unter alten hohen Bäumen
Wo bisher nur Nadelbäume wachsen, soll Mischwald entstehen. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Die Zukunftsbäume sollen eine bestimmte Stärke erreichen, damit sich das Holz gut verkaufen und verarbeiten lässt. Es geht der Försterin aber auch darum, den Wald sturmfest und standhaft gegenüber Pilzen oder Insekten zu machen. Sie entscheidet über die Zukunft einzelner Bäume, aber auch über die Zukunft des Waldes. Natalie Leichnitz zeigt eine riesige Freifläche. Hier musste sie diesen Sommer Fichten fällen, weil der Borkenkäfer sich durch die Monokultur gefressen hat. In Zukunft sollen auf der Fläche verschiedene Baumarten wachsen. "Wenn man jetzt die Fläche bunter gestaltet, hat man natürlich mehr Vielfalt. Das ist das, worauf wir setzen."

Wenn ich in Rente bin, dann sehe ich, wie gut sie gewachsen sind.

Natalie Leichnitz über ihre Baumpflanzungen
kleine Bäume mit Verbiss-Schutz
Natalie Leichnitz zieht Edelkastanien für den Wald heran. Sie müssen zunächst durch Wuchshüllen geschützt werden. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Als Försterin arbeitet Natalie Leichnitz mit dem, was ihre Vorgänger gepflanzt haben. Sie muss die Wälder weiterdenken – über Generationen hinweg. Und sie muss den Klimawandel und wärmere Temperaturen mitdenken. Ein paar Kilometer weiter experimentiert die junge Försterin mit Edelkastanien, die bisher eher in Süddeutschland wachsen. Gut 200 kniehohe Mini-Edelkastanien, alle geschützt durch eine Wuchshülle, wachsen auf einer Freifläche. Die Hüllen schützen vor Spätfrösten und sorgen für ein besseres Mikroklima. Fünf Jahre werden die Edelkastanien in dieser Schutzhülle verbringen. Die Försterin wird immer wieder nach ihnen schauen. Ob ihr Experiment klappt, ob Esskastanien in Norddeutschland wachsen? Das weiß sie erst in vielen Jahren.

"Wenn ich in Rente bin, dann sehe ich, wie gut sie gewachsen sind." Den Wald für die Zukunft fit zu machen, bedeutet für Försterin Natalie Leichnitz und die Generationen, die ihr folgen: auf Erfahrungen zurückgreifen, den Anbau dokumentieren und vor allem eins: Geduld mit den Bäumen zu haben.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 21. November 2021, 13:40 Uhr.