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Die Nacht

Im Porträt Wie Volker Kutscher historisches Kopfkino erschafft

Autoren

Schriftsteller Volker Kutscher sitzt an einem Tresen (Archivbild)
Volker Kutschers Krimi-Romane bilden die Vorlage zur Fernsehserie "Babylon Berlin". Bild: DPA | Oliver Berg/TT

Ein Kassenschlager – das ist Volker Kutschers Krimireihe rund um Kommissar Gereon Rath, der von der Weimarer Republik bis ins Dritte Reich ermittelt. Mit "Babylon Berlin" wurde seine Romanreihe höchst erfolgreich verfilmt.

Gesprächszeit "Ich bin ein Spannungsautor" – Volker Kutscher

Volker Kutschers Krimireihe rund um Kommissar Gereon Rath ist sowohl in der Buchhandlung wie auch als Fernsehserie "Babylon Berlin" ein Kassenschlager.

Audio vom 2. Juni 2021
Schriftsteller Volker Kutscher sitzt an einem Tresen (Archivbild)
Bild: DPA | Oliver Berg/TT

Im Herbst letzten Jahres ist mit "Olympia" Kutschers 8. Gereon-Rath-Krimi erschienen. Er taucht ein ins Jahr 1936, als das nationalsozialistische Deutschland im Olympiafieber ist und plötzlich von einem Todesfall im olympischen Dorf erschüttert wird. Kommissar Raths Ermittlungen finden unter den Augen der Nationalsozialisten statt, die ihre politischen Gegner ausschalten und glauben, dass die Spiele von Kommunisten sabotiert werden. Rath merkt, dass er keine normale Polizeiarbeit mehr im Land machen kann. "Zu sehen, wie die Hoffnungen meiner Figuren da den Bach runtergehen, und auch zu wissen, es wird nicht besser, es wird noch schlimmer – das ist schon ein beklemmendes Gefühl beim Schreiben", beschreibt Volker Kutscher die Arbeit an seinem jüngsten Roman.

Ich freue mich, wenn ich die Reihe, die ich wirklich auch als Gesamtprojekt sehe, abgeschlossen habe.

Volker Kutscher über das Ende von seinem Protagonisten "Gereon Rath"

Erschienen ist "Olympia" mitten in der Corona-Pandemie. Keine Lesungen machen zu dürfen und keine realen Reaktionen auf sein Buch zu spüren, ist für den Autor "sehr frustierend", gesteht er. Doch Kutscher ist inzwischen davon abgerückt, dass mit diesem 8. Band der Gereon-Rath-Reihe Schluss ist – er plant nun zwei weitere Bände, die bis zum Jahr 1938 spielen. Denn das Jahr 1936 erschien ihm falsch für ein Ende: "Selbst wenn ich die Schattenseiten aufzeige, die 1936 hinter den Kulissen da waren, selbst dann ist es eigentlich ein zu positives Jahr und zeigt auch noch nicht in letzter Konsequenz den Zivilisationsbruch, den das Dritte Reich bedeutet." Spätestens mit dem Novemberpogrom 1938 soll nun Schluss sein: "Ich freue mich, glaube ich auch, wenn ich dann die Reihe, die ich wirklich auch als Gesamtprojekt sehe, abgeschlossen habe", so Kutscher.

Ich finde es wichtig, bei Dingen, die mir am Herzen liegen, genau zu sein.

Volker Kutscher über die Recherchen zu seinen Krimis

Dass er selbst einmal Geschichte studiert hat, hilft Kutscher bei seinen Romanen sehr. Er recherchiert akribisch in Archiven oder in Zeitungen, um zu erfahren, was damals ein Pfund Butter gekostet hat oder welche Zigaretten geraucht wurden. Und an der Wand seines Schreibbüros hängen alte Stadtpläne von Berlin: "Ich finde es wichtig, bei Dingen, die mir am Herzen liegen, genau zu sein."

Die Herzensarbeit wurde mit millionenfachen Buchverkäufen und mit der Verfilmung der Reihe belohnt. Die Romane von Kutscher sind Vorlage für die erfolgreiche ARD/Sky-Fernsehserie "Babylon Berlin", über dessen Bildgewalt Kutscher sehr gestaunt hat. Doch der große Erfolg, den Kutscher mit seinen Romanen hat, kam nicht über Nacht. Zunächst schrieb er – eher als Hobby –Regionalkrimis, bevor er seinen Job als Drehbuchschreiber und Journalist in einer Redaktion aufgab: "Dass es wirklich nur mit dem Romanschreiben klappen würde, hatte ich so nicht auf dem Zettel. Und das freut mich umso mehr. Ich bin froh, dass ich davon leben kann".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 2. Juni 2021, 18:05 Uhr