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Der Vormittag mit Britta Lumma

Im Porträt Uta Ruge erzählt von Bauern, Land und Stadt

Autorin

Uta Ruge
Autorin, Journalistin, Feldenkrais-Lehrerin - Uta Ruge Bild: Uta Ruge | Holger Groß

Bevor die Autorin Uta Ruge in London und später Berlin wohnte, wuchs sie mit ihrer Familie auf einem Bauernhof in der Gemeinde Hadeln auf. Im letzten Jahr erschien ihr Buch "Bauern, Land. Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang". Darin erzählt sie von ihrem Dorf im Landkreis Cuxhaven und davon, wie sich das Bild von landwirtschaftlicher Arbeit gewandelt hat.

Gesprächszeit "Das romantische Bild hatte nie mit der Realität zu tun" – Uta Ruge

Die Autorin Uta Ruge wuchs auf einem Bauernhof in Hadeln auf. Letztes Jahr erschien ihr neues Buch, in dem sie von der Geschichte ihres Heimatdorfes erzählt.

Uta Ruge
Bild: Uta Ruge | Holger Groß

Auf die Frage hin, ob sie eher ein Stadt- oder Landmensch sei, sagt Uta Ruge: "Vielleicht bin ich beides geblieben." Ihre zwei großen Leidenschaften, das Schreiben und das Reisen, funktionieren von der Stadt aus aber einfach besser. Es gibt Bibliotheken und den Austausch mit Menschen, die ähnlich ticken wie die Journalistin selbst. Der Bauernhof ihrer Familie und die Arbeit in der Landwirtschaft sind dennoch fester Bestandteil ihrer eigenen Geschichte, die mit in ihr aktuelles Buch einfließt. Anhand ihres Bruders als Protagonist räumt sie mit den Klischees des Bauerndaseins auf und betrachtet ihr Heimatdorf dabei im historischen und kulturgeschichtlichen Kontext. Ihre eigene Rolle sieht sie so: "Ich bin das Medium für diese Gedanken: Was ist Stadt, was ist Land?"

Als die ersten Kühe im Stall standen, sind meine Schwester und ich schreiend davon gelaufen, weil die so laut brüllten.

Uta Ruge über ihre Erinnerungen an den Bauernhof

Geboren wurde Uta Ruge 1953 auf Rügen. Mit fünf Jahren floh sie mit ihrer Familie nach Hadeln, nachdem die Betriebe auf der Insel kollektiviert wurden. Auf dem Hof nahe Cuxhaven fühlte sie sich zunächst wie eine Fremde, erzählt sie: "Das war dann ein großes Erlebnis und übrigens auch mit Angst verbunden. Als die ersten Kühe im Stall standen, sind meine Schwester und ich schreiend davon gelaufen, weil die so laut brüllten. Das kannten wir nicht, solche großen Tiere." Mit ihren Geschwistern half sie stets auf dem Hof ihrer Eltern aus – während der Schulferien, aber auch noch während ihrer Studienzeit in Marburg und Berlin. Ihr großer Wunsch: ins Ausland zu gehen. Als ihr Bruder heiratete, konnte sie sich von der Verantwortung Zuhause lösen: "Da kam eine Frau auf den Hof – da bin ich nach England gegangen. Es war vielleicht auch mehr eine moralische als eine wirkliche Entlastung, das kann ich nicht so beurteilen. Aber es war in der Tat ein Stück Befreiung für mich."

Dieses romantische Bild hatte natürlich nie etwas mit der wirklichen Realität zu tun.

Uta Ruge über die Realität der Agrarwirtschaft
Cover: Uta Ruge, Bauern, Land, Kunstmann
Uta Ruges Buch "Bauern, Land" ist im Kunstmann Verlag erschienen. Bild: Verlag Antje Kunstmann

1985 zog Uta Ruge nach London und arbeitete als Journalistin unter anderem für die internationale Zeitschrift Index-on-Censorship arbeitete. Außerdem ließ sie sich zur Feldenkrais-Lehrerin ausbilden. Seit Ende der 19909er Jahre wohnt sie in Berlin, wo sie neben ihrer Arbeit bei der Tageszeitung "taz" die letzten fünf Jahre mit dem Schreiben ihres Buches "Bauern, Land" verbracht hat. Wenn sie den Hof ihrer Eltern besuchte, bemerkte sie den Druck, der heute Landwirtschaftsfamilien lastet: Das Image der Bauern ist oft schlecht, es gibt finanzielle Probleme, denn landwirtschaftliche Erzeugnisse werden schlecht bezahlt und Agrarsubventionen sind an viele Auflagen gebunden. Der Alltag in der Landwirtschaft ist anstrengend und weicht stark ab von der Darstellung des Landlebens in der Dichtung. "Dieses romantische Bild hatte natürlich nie etwas mit der wirklichen Realität zu tun", erklärt Ruge.

Eine andere Perspektive

In ihrem Buch verwebt Uta Ruge Familiengeschichte und historische Einflüsse mit politischen und kulturellen Entwicklungen rund um die Agrarwirtschaft. Ihr Blick auf die Landwirtschaft hat sich verändert, sagt sie. Und obwohl viel über die Landwirtschaft und das Leben der Landwirte geschrieben wird, kommen die Bauern selbst zu Wort. Das sollte sich ändern, sagt Uta Ruge. "Wäre das vielleicht mal eine Idee, zu sagen: Eigentlich seid ihr ja die Experten. Was ist denn eurer Meinung nach ein lebenswerter Betrieb?"

Vielleicht hat ihre Entscheidung, ihren Bruder zum Protagonisten zu machen, auch etwas mit dieser Frage zu tun. Er wollte zu Beginn nicht mit in die Geschichte hineingezogen werden – doch er hat inzwiaschen ein "gewisses positives Verständnis für das Buch" entwickelt, glaubt Ruge: "Es gibt so Gesten zwischen uns, die klar machen: Das ist ein großes Einverständnis."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 19.02.2021, 18:05 Uhr