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Der Samstagvormittag mit Julian Beyer

Den Wald entdecken So entsteht ein Urwald

Autorin

Eine Frau kniet neben einem Totholzbaum
Försterin Natalie Leichnitz hilft dem Wald wieder zu seinem Ursprung zurück zufinden. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Im Nienburger Bruch gibt es ein Waldstück, das der Natur überlassen wird. Dort ist alles ein wenig wilder, Baumstämme rotten vor sich hin – und das mit Absicht. Denn es gibt einige Tiere, die sich in Natur- und Urwäldern besonders wohl fühlen.

So entsteht ein Urwald

Jeden Monat gehen wir mit Försterin Natalie Leichwitz nach draußen, um den Wald besser zu verstehen. Diesmal geht es in die Tiefen des Nienburger Bruchs.

Audio vom 1. Mai 2021
Ein Totholzbaumstamm ist mit Efeu und Moos bedeckt
Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Der Nienburger Bruch ist idyllisch. Durch den Wald schlängelt sich der Steinhuder Meerbach und plätschert beruhigend vor sich hin. Die Frühlingssonne fällt durch die hohen Wipfel der Fichten und Douglasien. Försterin Natalie Leichnitz möchte aber noch tiefer rein ins Waldgebiet: Sie will uns zeigen, welche unterschiedlichen Schutzkategorien es in einem Wald gibt. Neben dem ganz ursprünglichen Urwald zum Beispiel den so genannten "Naturwald", der gelegentlich ein wenig Hilfe von Menschen braucht.

Mit Hilfe zurück zur Natürlichkeit

Knorrige Bäume stehen in einem Wald neben einem Bach
Da die Bäume morsch sind und umfallen können, darf man hier nur auf den befestigten Wegen gehen. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Wir lassen den Nadelwald hinter uns und kommen an einem Zaun vorbei – mitten im Waldgebiet. Den hat das Forst-Team aufgestellt, damit junge Bäume überhaupt eine Chance haben zu wachsen. Sie wollen der Natur damit "ein bisschen auf die Sprünge helfen", sagt Leichnitz. Schließlich laufe das Damwild frei durch den Wald. Doch trotz Zaun hat ein Tier an der zarten Pflanze genagt.

In einem Naturwald kann man zwar der Natur ein wenig nachhelfen, um Baum-, Vogel- und Tierarten zu schützen. Die größte Aufgabe aber ist, ihm Zeit zu lassen, damit er sich vom Menschen und den Spuren der Forstwirtschaft erholt. Ein Beispiel dafür sind die Fahrspuren, die in den meisten Wäldern zu finden sind, dort wo Fahrzeuge sich ihren Weg gebahnt haben, um Bäume zu fällen.

Nach und nach sollen diese Spuren verschwinden – genauso wie die Baumstümpfe. Denn in einem Naturwald oder Urwald fällt man keine Bäume. Hier bleiben tote Bäume stehen. Natalie Leichnitz bleibt vor einem kahlen Baumstamm stehen: Er hat keine Knospen mehr, die Rinde blättert ab. Ein solcher Baum ist typisch für geschützte Waldgebiete.

Das stehende Totholz ist besonders wichtig, weil es langsamer verrottet, dadurch dass es nicht auf dem Boden liegt. Und wenn es eine bestimmte Dicke erreicht hat, wird es für besondere Arten wertvoll.

Försterin Natalie Leichnitz

Entlang des toten Baumstamms lassen sich kleine Löcher entdecken. Nur einen Zentimeter klein, man übersieht sie fast. Insekten, die Holz zersetzen, haben sich schon eingebohrt und entwickeln sich im Stamm. Als nächstes wird der Specht nach ihnen suchen und so größere Löcher picken, die anschließend von Fledermäusen als Winterquartier genutzt werden können.

Ein Totholzbaumstamm ist mit Efeu und Moos bedeckt
Nach und nach verfällt ein Baum und wird so wieder Waldboden. Bild: Radio Bremen | Jana Wagner

Und genau das wünscht sich Natalie Leichnitz: Die Artenvielfalt soll erhalten werden oder überhaupt wieder entstehen. Sie und ihre Kollegen schützen die Waldgebiete nach Richtlinien der Europäischen Union. Das ist nötig, denn in Deutschland gibt es nahezu kein Waldgebiet mehr, in dem der Mensch nichts verändert hat. Bäume gepflanzt oder gefällt zum Beispiel. Aus dem Naturwald soll hier und da auch wieder richtiger Urwald werden. Dafür braucht es allerdings dann richtig viel Geduld.

Wir haben Flächen stillgelegt, die Urwald werden sollen. Aber bis die Spuren der Nutzung verschwunden sind, dauert das 150 bis 300 Jahre; mindestens zwei Baumgenerationen bevor wir ansatzweise von Urwald sprechen können.

Försterin Natalie Leichnitz

Weil Totholz irgendwann ohne Vorwarnung umfallen kann, müssen Besucherinnen und Besucher im Naturwald auf den Wegen bleiben. Im letzten Stadium des toten Baumes leben holzzersetzende Pilze, Bakterien und Insekten im Baum. Und die sorgen dafür, dass aus dem toten Holz wieder Waldboden wird. Ein ewiger Kreislauf, wenn man ihn denn sich selbst überlässt, den Wald.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 1. Mai 2021, 13:40 Uhr