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Die Nacht

Im Porträt Ursula Wanecki: "Ich gehe aus dem Haus und bin Angela Merkel"

Autoren

  • Ben Bukes
Ursula Wanecki
Ursula Wanecki lebt in Attendorn im Sauerland, wo sie jeder als Merkel-Double kennt. Bild: Radio Bremen | Ben Bukes

Seit 10 Jahren ist Ursula Wanecki das wohl bekannteste Double von Angela Merkel. Sie tritt als "Bundeskanzlerin" auf Messen, Geburtstagsfeiern, in Fernsehsendungen und Werbeclips auf. Die Double-Karriere bezeichnet sie als ihr "großes Lebensabenteuer" – aber mit 65 freut sie sich nun auch, im September zusammen mit Merkel in den Ruhestand zu gehen.

Gesprächszeit "Ich gehe aus dem Haus und bin Angela Merkel" – Ursula Wanecki

Angela Merkel zu doubeln ist ihr "großes Lebensabenteuer". Mit 65 freut sich Ursula Wanecki nun aber auch darauf, mit der Kanzlerin in den Ruhestand zu gehen.

Ursula Wanecki
Ursula Wanecki Bild: Radio Bremen | Ben Bukes
Bild: Radio Bremen | Ben Bukes

Sie könnte locker eine Autobiografie schreiben, so viel hat Ursula Wanecki erlebt. Auf die Idee ist sie auch schon gekommen: "Es ist so viel Spannendes passiert. Das könnte wirklich ein schönes Buch werden." Erstmal müsse sie aber jemanden finden, der ihr beim Verfassen hilft. Einen Titel hat sie schon: "Die stumme Kanzlerin". Kanzlerin, weil sie seit zehn Jahren als bekanntestes Double von Angela Merkel unterwegs ist. Stumm, weil es bei ihr nicht darum geht, Merkel zu parodieren.

Ich nehme aus dem Schrank ein Jackett, eine Stoffhose und meine Bernsteinkette, gehe aus dem Haus und ich bin Angela Merkel.

Ursula Wanecki über das Wenige, das sie braucht um in ihre Rolle zu schlüpfen

Wenn Ursula Wanecki als Bundeskanzlerin auftritt, geht es vor allem um den Schock im ersten Moment: "Wenn ich zum Beispiel an einem Stand auf einer Messe stehe, dann gucken die Leute – 'Oh, Angela Merkel steht da, das darf nicht wahr sein!' – und erst nach Minuten kommt die Erkenntnis – 'Das kann doch gar nicht sein, dass die hier an einem Stand steht.'" Wer mit Wanecki ins Gespräch kommt, merkt nicht zuletzt an ihrem polnischen Akzent, dass es sich nicht um die echte Bundeskanzlerin handeln kann. Steht sie aber nur da, im farbigen Blazer, mit den Händen die Raute formend – dann sind die Gemeinsamkeiten schon verblüffend. "Diese Ähnlichkeit mit Frau Merkel, diese Mimik und Gestik, das ist angeboren", erklärt Wanecki. Sie braucht dafür auch nicht in die Maske: "Ich nehme aus dem Schrank ein Jackett, eine Stoffhose und meine Bernsteinkette, gehe aus dem Haus und ich bin Angela Merkel." Somit sei der Double-Job wie eine Berufung gewesen.

Aus einer Karnevalslaune wurde ein Abenteuer

Dass sie Angela Merkel ähnlich ist, hat zuerst ihr Enkel bemerkt. Die Oma sei im Fernsehen, rief er immer wieder aufgeregt, wenn die Bundeskanzlerin zu sehen war. Nachdem auch Freunde und Verwandte Wanecki öfter darauf angesprochen hatten, ging sie im Karneval als Merkel – und bekam sehr positive Resonanz. In Karnevalsstimmung schickte sie Fotos an eine Werbeagentur. Drei Monate später stand sie für Stefan Raab vor der Kamera. "Hätte ich gewusst, auf was ich mich da einlasse, hätte ich das nicht für eine Million gemacht. Diese Kameraleute, dieser Dreh an unterschiedlichen Orten in Köln – das war alles totales Neuland für mich."

Was unsere Bundeskanzlerin in 16 Jahren geschafft hat, das soll ihr erst mal einer nachmachen.

Ursula Wanecki über die echte Kanzlerin

Es war der Beginn einer besonderen Karriere, die Ursula Wanecki heute ihr "großes Lebensabenteuer" nennt: diverse Auftritte in der "Heute-Show", ein Dreh mit Putin, Trump und Greta Thunberg – naja, immerhin mit deren Doubles – und ein Werbeclip für das lesbische Magazin "Straight", um nur ein paar Highlights zu nennen. Unangenehm war ihr die Sache schon deshalb nicht, weil sie privat ein großer Merkel-Fan ist: "Was unsere Bundeskanzlerin in 16 Jahren geschafft hat, das soll ihr erst mal einer nachmachen."

Von Polen nach Deutschland

Bewegt war Ursula Waneckis Leben schon, als Angela Merkel in Deutschland noch keinem ein Begriff war. Sie wuchs als Kind deutscher Eltern in Polen nahe Breslau auf, lernte zunächst Deutsch, verlernte es jedoch im Laufe ihrer Kindergarten- und Schulzeit wieder, weil Deutsch im Nachkriegspolen nicht gerne gehört war. Sie studierte polnische Philologie, arbeitete als Lehrerin, heiratete und bekam eine Tochter. Ihr Mann aber hatte andere Pläne: Von einem Verwandtenbesuch in Deutschland kam er nicht zurück und forderte sie auf, mit der Tochter hinterherzukommen. Sie stand vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens: "Ich war damit am Anfang sehr überfordert. Denn so hatte ich mir meine Zukunft nicht vorgestellt. Lehrerin war mein Traumberuf und ich wusste nicht, ob ich den Beruf in Deutschland überhaupt ausüben kann."

Schließlich entschied sie sich, einen Ausreiseantrag zu stellen, auch, weil die wirtschaftliche Lage in Polen Anfang der 1980er Jahre sehr schlecht war. Allerdings vergingen fünf Jahre, bis dieser bewilligt wurde. Es waren schwierige Jahre: Sie lebte getrennt von ihrem Mann und wurde im Beruf schikaniert.

Das wird wahrscheinlich an mir kleben bleiben.

Ursula Wanecki über ihren Abschied als Merkel-Double
Ursula Wanecki
Blazer, Stoffhose und die Raute mit den Händen – mehr braucht es für Ursula Wanecki nicht, um als "Merkel" aus dem Haus zu gehen. Bild: Radio Bremen | Ben Bukes

Und auch die ersten Jahre in Deutschland waren schwer: Sie habe einen großen "Anpassungsdruck" verspürt, erzählt Wanecki. Immer wieder habe sie zu hören bekommen, dass sie hier nicht Polnisch sprechen könne. "Da habe ich gedacht: Das darf irgendwie nicht sein, dass ich mein Kind entwurzle." Schließlich gelang ihr der Spagat: Die Tochter spricht bis heute fließend Polnisch, beide lernten aber auch intensiv Deutsch. Und Ursula Wanecki konnte letztlich eine zweite Ausbildung zur Steuerfachangestellten abschließen. Mit diesem Beruf verdient sie nach wie vor ihr Geld, wenn die heutige Sauerländerin nicht gerade als "Kanzlerin" durchs Land reist.

Das hat sie in den letzten zehn Jahren zwar gerne getan und als Bereicherung empfunden. Aber nun ist sie auch erleichtert, im Herbst – gemeinsam mit Angela Merkel – in den Ruhestand gehen zu können. Sie freue sich, bald lange frühstücken zu können, mehr zu reisen – und auf den Besuch eines Nagelstudios: "Ich habe immer die anderen Frauen bewundert, wie die so schön die Nägel gepflegt haben in sommerlichen Farben." Für sie war das von Berufs wegen bisher undenkbar, nicht gut für die Raute. Es soll also Ruhe einkehren in Ursula Waneckis Leben. Ihre Merkel-Rolle wird sie allerdings wohl nie ganz loswerden: "Das wird wahrscheinlich an mir kleben bleiben. Viele grüßen mich hier im Ort: 'Hallo, Angie!'"

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, , 18:05 Uhr