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Die Nacht

Im Porträt Chirurgin Ursula Mirastschijski über Schönheit im Intimbereich

Autorin

Ursula Mirastschijski
Betreibt eine Praxis in Bremen und eine in Berlin: Prof. Dr. Dr. Ursula Mirastschijski Bild: Ursula Mirastschijski | privat

Ursula Mirastschijski ist Intimchirurgin: Sie kümmert sich um einen längeren Penis, aufgespritzte Schamlippen oder einen strafferen Hodensack. Die Nachfrage steigt, denn auch im Intimbereich steigt der Druck einer "Schönheitsnorm" zu entsprechen.

Ursula Mirastschijski
Ursula Mirastschijski

Gesprächszeit "Auch ein Hodensack kann Probleme bereiten" – Intimchirurgin Ursula Mirastschijski

Ursula Mirastschijski ist Chirurgin für intimste Körperzonen: ihre Patienten wünschen sich einen längeren Penis, volle Schamlippen oder einen straffen Hodensack.

Bild: Ursula Mirastschijski | privat

Obwohl die Nachfrage nach ästhetischen und medizinischen Eingriffen im Intimbereich zunimmt, sei das Thema nach wie vor tabuisiert. So erfährt es Ursula Mirastschijski im Umgang mit ihren Patientinnen und Patienten. "Es ist den meisten sehr unangenehm, den Kontakt aufzunehmen. Das höre ich sowohl von den Frauen, als auch von den Männern. Das sind meistens Jahre der Überlegung, bis sie sich dazu durchgerungen haben."

Die Umwandlung von Mann zu Frau ist einfacher, weil mehr Gewebe zur Verfügung steht.

Ursula Mirastschijski über die Modellierung von Schamlippen

Ursula Mirastschijski arbeitet als Intimchirurgin in Bremen und Berlin. Vor jedem Eingriff versucht sie herauszufinden, warum ihre Patientinnen und Patienten eine Veränderung im Intimbereich haben möchten: "Da ist es natürlich wichtig, dass diskutiert wird, was man erreichen kann und was eben auch nicht erreicht werden kann." Und wenn die Wünsche nicht erfüllt werden können? "Dann sollte man auch keine Eingriffe durchführen."

Einen Teil ihrer Arbeit machen Geschlechtsumwandlungen bei Menschen mit Transidentität aus: "Die Umwandlung von Mann zu Frau ist einfacher, weil mehr Gewebe zur Verfügung steht. Man kann aus Hodensack und Penishaut eine neue Vagina formen. Die Eichel wird verkleinert zur Klitoris. Man kann sie an der korrekten Stelle anbringen. Und diese viele Haut, die vorhanden ist, kann man nutzen, um große und kleine Schamlippen zu modellieren."

Die menschliche Anatomie ist umwerfend schön. Es ist faszinierend zu sehen: die Farben, die Formen, wie es geschaffen ist, wie es funktioniert.

Ursula Mirastschijski über die Faszination ihrer Arbeit

Schon als Kind wollte Ursula Mirastschijski Ärztin werden. Sie ist in Brandenburg an der Havel geboren und hat ihre Kindheit in Ostdeutschland verbracht. 1980 kam die Familie in den Westen. Der Vater war Hautarzt und von ihm hat Ursula Mirastschijski die Leidenschaft für die Medizin geerbt: "Die menschliche Anatomie ist umwerfend schön. Es ist faszinierend zu sehen, die Farben, die Formen, wie es geschaffen ist, wie es funktioniert. Und wie schlimm es ist, wenn es nicht funktioniert. Es ist ein Phänomen. Und wenn man sowas mag und begeistert von der Anatomie ist, weiß man auch, dass man im richtigen Beruf ist."

Schönheit kommt von innen

Der Weg zum Traumjob hat Ursula Mirastschijski auch ins Ausland geführt, nach Schweden, Dänemark und in die USA. Sie hat zweimal promoviert und dann habilitiert. Für ihre medizinischen Forschungen hat sie hochkarätige Preise und Stipendien bekommen. Obendrein schreibt sie noch Bücher, unter anderem das "Buch der Intimchirurgie".

Auch in ihrer Freizeit hat sie einen langen Atem. Wenn sie gerade nicht in der Bremer oder Berliner Praxis operiert, joggt sie kilometerlang, in Berlin ums Charlottenburger Schloss, in Bremen um den Stadtwaldsee. Dabei findet sie nicht nur physischen, sondern auch psychischen Ausgleich. Denn letztlich kommt Schönheit für Ursula Mirastschijski von innen: "Schönheit ist für mich die Ausstrahlung und das Erscheinungsbild des anderen. Und zwar nicht, wie ich ihn sehe, sondern wie ich ihn fühle."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 16.09.2021, 18:05 Uhr