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Der Sonntagnachmittag mit Wolfgang Rumpf

Im Porträt Die Kamera ist ihr Schutzschild: Kriegsfotografin Ursula Meissner

Autorin

Eine Gruppe von afghanischen Kämpfern. Eine blonde Frau in Männerkleidern ist unter ihnen.
Provinz Kabul 1987 - Ursula Meissner als Mann gekleidet zwischen afghanischen Kämpfern. Bild: Ursula Meissner

Ursula Meissner reist in Kriegs- und Krisengebiete und hält fest, was sie bewegt, aufrüttelt und auch erschüttert. Mit jeder Fotografie erzählt sie eine kleine Geschichte, denn sie gibt den Opfern kriegerischer Konflikte und humanitärer Katastrophen ein Gesicht.

Eine große blonde Frau zwischen zwei dunkelhaarigen Frauen mit Kopftuch. Eine der Frauen trägt ein Gewehr.
In Libyen in Benghazi 2017: Ursula Meissner dokumentiert wie an einer Schule Lehrerinnen und Kinder an der Waffe ausgebildet werden.

Gesprächszeit "Afghanistan ist in meinem Herzen" – Ursula Meissner

Mit jeder Fotografie erzählt Ursula Meissner eine kleine Geschichte, denn sie gibt den Opfern kriegerischer Konflikte und humanitärer Katastrophen ein Gesicht.

Bild: Ursula Meissner

Ihre erste Reise als Fotografin führte Ursula Meissner 1986 von Pakistan nach Afghanistan. Damals war sie mit den Mudschaheddin unterwegs, als russische Flugzeuge sie und ihre Gruppe bombardierten: "Nachdem ich es überlebt hatte, sind mir die Flüchtlinge begegnet, die apathisch waren und die das, was sie noch besaßen, auf der Hand trugen", erinnert sich Ursula Meissner. Die Bilder von regungslosen Kindern oder nackten Füßen im Schnee brannten sich ein: "Das war für mich so unvergesslich und so wichtig, dass ich dachte: 'Man muss zeigen, was Krieg bedeutet!'"

Afghanistan ist in meinem Herzen, weil ich einige Male knapp überlebt habe und die Afghanen mich mit offenen Armen empfangen haben.

Ursula Meissner über ihre besondere Beziehung zu Afghanistan

Ursula Meissner ist überzeugt: Bilder und gute Berichterstattung können etwas verändern. Deshalb reist sie immer wieder in Kriegs- und Krisengebiete. Sie hat schon in Somalia, im Sudan, im Irak oder im Gaza-Streifen fotografiert. Doch die Verbindung zum Hindukusch ist immer eine besondere geblieben, obwohl sie dort 2001 sogar von Kriminellen entführt wurde: "Afghanistan ist in meinem Herzen, weil ich einige Male knapp überlebt habe und die Afghanen mich mit offenen Armen empfangen und den letzten Hammel für mich geschlachtet haben."

Lange Zeit konnte Ursula Meissner über ihre Entführung in Afghanistan nicht sprechen. Heute erzählt sie, dass sie ihre Entführer dazu bringen konnte, sie nach Dschalalabad zu bringen, wo sie sich selbst mit 800 Dollar freikaufen konnte. Am Ende machte sie noch Passfotos für die Männer: "Da ist dieses Bild entstanden mit meinen drei Kidnappern – einer mit Kalaschnikow, einer mit Revolver in der Hand. Dieses Bild ist so unfassbar!"

Drei Männer mit Gewehren und Pistolen. In der Mitte eine Frau mit Kopftuch.
Ursula Meissner mit ihren Kidnappern in Afghanistan. Nachdem sie das Lösegeld bezahlt hatte, fragten die Kidnapper nach Passbildern. Bild: Ursula Meissner

Wenn Ursula Meissner in ein Kriegsgebiet reist, weiß sie nicht, was an der Front passiert. Aber sie will zeigen, wie das Überleben aussieht und was der Krieg für die Opfer im Alltag bedeutet. Oft sind es Frauen und Kinder. Dass sie selbst eine Frau ist, ist manchmal ein Vorteil, so Meissner, "weil Frauen oft unterschätzt werden." Doch sie muss sich auch schützen, zum Beispiel durch Kleidung, die ihre Konturen nicht so betont oder die schusssichere Weste verdeckt: "Ich habe inzwischen so viel Erfahrung, dass ich einschätzen kann, was ungefähr auch mich zukommt. Aber meistens kommt es doch anders. Zum Beispiel wenn man vom Checkpoint weiter gewunken wird und an der nächsten Kurve wird man beschossen."

Vor Ort muss ich funktionieren, sonst kann ich keine Bilder machen – und zuhause kann ich weinen.

Ursula Meissner über das Leid, was sie gesehen hat

Durch ihren Job ist Ursula Meissner bewusst geworden, wie schnell das Leben vorbei sein kann. Nach ihren Einsätzen schließt sie sich oft zuhause ein, möchte nur wenige Menschen sehen und lässt ihren Gefühlen freien Lauf. "Vor Ort muss ich funktionieren, sonst kann ich keine Bilder machen – und zuhause kann ich weinen", so Meissner. "Wenn ich keine Kamera hätte, würde ich da nicht hingehen und würde mir das auch nicht antun. Ich würde das nicht aushalten. Die Kamera ist so ein bisschen ein Schutzschild. Ich kann mit der Kamera in die erste Linie gehen. Ich kann mit der Kamera Verbandswechsel fotografieren, auch wenn das Kind so schreit, dass ich es kaum aushalte. Aber ich schaffe das mit der Kamera."

Über den Krieg zu reden und seine hässlichen Seiten zu zeigen, ist ihr Antrieb: "Ich war immer überzeugt: Wenn ich was bewirken kann, nehme ich alles auf mich und mache weiter. Wenn ich merke, dass es keinen Sinn macht, höre ich irgendwann auf."

Eine große blonde Frau zwischen zwei dunkelhaarigen Frauen mit Kopftuch. Eine der Frauen trägt ein Gewehr.
In Libyen in Benghazi 2017: Ursula Meissner dokumentiert wie an einer Schule Lehrerinnen und Kinder an der Waffe ausgebildet werden. Bild: Ursula Meissner

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 4. März 2022, 18:05 Uhr