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Der Samstagvormittag mit Stefanie Pesch

Im Porträt Die unglaubliche Lebensgeschichte dieses Bremer Herzchirurgen

Autorin

Umeswaran Arunagirinathan
Ist Herzchirurg am Klinikum "Links der Weser": Umeswaran Arunagirinathan Bild: privat

Sohn, unbegleiteter Flüchtling, der fremde Deutsche, Arzt – Umeswaran Arunagirinathan hatte in seinem Leben schon viele Rollen. Die Geschichte seines bewegten Lebens hört sich streckenweise wirklich an wie ein Theaterstück.

Gesprächszeit "Meine Eltern wollten nicht noch ein Kind sterben sehen" – Umeswaran Arunagirinathan

Sohn, unbegleiteter Flüchtling, der fremde Deutsche, Arzt, Sachbuchautor - Umeswaran Arunagirinathan hatte in seinem Leben schon viele Rollen.

Umeswaran Arunagirinathan
Bild: privat
Bild: privat

Umeswaran Arunagirinathan wurde 1978 in Sri Lanka geboren. In Deutschland kennen ihn die meisten nur unter seinem Vornamen Umes. "Dr. Umes" – dieser Name steht sogar auf seinem Arztkittel: "Wir haben Patienten, die älter sind. (...) Sie schaffen es gar nicht meinen Nachnamen auszusprechen. Deshalb habe ich von Anfang an angeboten, dass mich die Menschen mit 'Umes' ansprechen, wie meine Mama zuhause."

Man musste aufstehen und wegrennen, weil es nicht sicher war zuhause.

Dr. Umeswaran Arunagirinathan über den Bürgerkrieg, den seine Familie erlebte

Zuhause, das war in den ersten Jahren seines Lebens ein kleines Dorf im Norden Sri Lankas. Dort wohnte Umeswaran Arunagirinathan mit seinen Großeltern, Eltern und vier Geschwistern. Die Familie lebte von einem Stück Land, das sie bebauten. Doch das änderte sich schlagartig als ein ethnischer Konflikt zwischen den Singhalesen, die einen großen Teil der Regierung stellten, und der tamilischen Minderheit 1983 in einem Bürgerkrieg mündete. Die Zivilbevölkerung geriet zwischen die Fronten, mehrfach musste die Familie ihr Haus verlassen und fliehen. Umeswaran Arunagirinathan kann sich noch gut an diese Zeit erinnern, die ständige Angst, die Flucht aus dem Dorf: "Es waren viele Nächte, die man nicht zuhause verbringen konnte. Man musste aufstehen und wegrennen, weil es nicht sicher war zuhause. So kam es dann auch, dass ich irgendwann nicht mehr zur Schule ging."

Abenteuerliche Flucht über Afrika

Seine ältere Schwester Ruji überlebte den Bürgerkrieg nicht. Sie war schwer krank und konnte nicht in der Hauptstadt behandelt werden. Straßensperren machten es unmöglich, überhaupt dorthin zu gelangen. Aber auch wenn sie es in die Hauptstadt geschafft hätte, wäre die medizinische Versorgung nicht ausreichend gewesen um ihr Leben zu retten. Umeswaran Arunagirinathans Mutter beschloss, ihre noch lebenden Kinder außer Landes zu bringen. Sie verkauften ihr Land, um damit Schlepper zu bezahlen, die Umes nach Deutschland bringen sollten – zu seinem Onkel, der bereits in Hamburg lebte. Aus Asien brachten die Schlepper ihn zunächst nach Afrika, dort wartete er mehrere Monate auf die Weiterreise nach Deutschland: "Ich habe auch sehr oft geweint auf der Flucht. Aber wissen Sie: Wenn Sie einen Bürgerkrieg erleben, wo Sie um das Überleben kämpfen, wo Sie als Kind Leichen gesehen haben, dann war diese Flucht, auch wenn sie so schrecklich war und traurig macht, lange nicht so schlimm wie der Bürgerkrieg."

Als mein erster Abschiebebescheid kam, stand ich im elften Stock in Hamburg und hatte den Gedanken, ob es nicht besser wäre runterzuspringen.

Umeswaran Arunagirinathan über Verzweiflung und Hilflosigkeit

Im September 1991 erreichte der kleine Umes schließlich Deutschland. Damals war er 13 Jahre alt. Es folgten weitere turbulente Jahre in Hamburg. Denn auch wenn Umes inzwischen Deutsch sprach, eine Schule besuchte und plante Medizin zu studieren, so blieb sein Aufenthaltsstatus lange ungeklärt: "Ich sollte mehrfach abgeschoben werden". Immer wieder wurde sein Asylantrag abgelehnt. Umes lebte mit der ständigen Angst, abgeschoben zu werden: "Ich weiß noch ganz genau, als mein erster Abschiebebescheid kam, stand ich im elften Stock in Hamburg (bei meinem Onkel) und hatte den Gedanken, ob es nicht besser wäre runterzuspringen."

Angekommen als Herzchirurg

Der Gedanke an seine Mutter, die so viel für Ihre Kinder geopfert hat, hat ihn gerettet. Gemeinsam mit seinen Klassenlehrerinnen und -lehrern sowie anderen Menschen, die ihn unterstützten, gelang es letztendlich doch eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Heute ist "Dr. Umes" Herzchirurg am Klinikum Links der Weser in Bremen und setzt sich in seiner Rolle als Arzt für eine bessere Patientenversorgung ein. In seinem dritten Buch "Der verlorene Patient" hat er einen leidenschaftlichen Appell für eine Patienten-orientierte Medizin verfasst. Er ist inzwischen angekommen in Deutschland, seinem neuen Zuhause: "Und ich bin auch sehr davon überzeugt, wer etwas gibt, der bekommt was. Und ich habe sehr viel bekommen in Deutschland und möchte sehr viel wiedergeben.“

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 16. November 2021, 18:05 Uhr