Jetzt läuft:

Megan Henwood Fresh Water
  • Jetzt läuft:

    Megan Henwood Fresh Water
  • Davor lief:

  • Um> 06:16 Uhr lief: Sandrine Kiberlain Le Quotidien
  • Um> 06:13 Uhr lief: Paul Meyer Rondo Aus Hornkonzert F-Dur
  • Um> 06:09 Uhr lief: Kat Edmonson Hopelessly Blue
  • Um> 06:06 Uhr lief: ZAZ Demain C'Est Toi
  • Um> 06:03 Uhr lief: Rory Butler Simon Says
  • Um> 05:56 Uhr lief: Rachael Yamagata Dealbreaker
  • Um> 05:51 Uhr lief: Gladys Knight This Bitter Earth
  • Um> 05:48 Uhr lief: Van William The Middle
  • Um> 05:42 Uhr lief: Tiziano Ferro Fotografie Della Tua Assenza

Classical mit Marion Cotta

Im Porträt Wie die Rolle als Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts Leben veränderte

Autor

Schauspielerin Ulrike Folkerts
Ulrike Folkerts – so viel mehr als Kommissarin. Bild: SWR | Sabine Hackenberg

Als sie 1989 ihren Dienst als "Tatort"-Kommissarin antrat, waren mit den Waffen einer Frau nicht Dienstpistole und Ellbogen gemeint. Ulrike Folkerts hat das alte Klischee aufgebrochen und einen neuen Frauentypus im TV etabliert. Im Bremen-Zwei-"Hausbesuch" erzählt die Schauspielerin, wie die Rolle der toughen Lena Odenthal ihr Leben verändert hat.

Frühlingsgäste - Hausbesuche "Ich muss raus" – Ulrike Folkerts

Ulrike Folkerts hat 1989 das alte Klischee aufgebrochen und dank ihrer Rolle als Tatort-Kommissarin einen neuen Frauentypus im TV etabliert.

Audio vom 7. Mai 2021
Schauspielerin Ulrike Folkerts
Bild: SWR | Sabine Hackenberg

"Ich muss raus" – das ist der Titel ihrer neuen Autobiographie und eine Art Lebensmotto für Ulrike Folkerts. Schon als Kind war ihr Bewegungsdrang kaum zu stoppen, und in ihrem Heimatdorf nahe Kassel hatte sie die ideale Spielwiese: Fußballspielen, Toben, Skifahren und Eisschuhlaufen. Ulrike Folkerts Jugend spielte sich draußen ab. Auch heute braucht die sportbegeisterte Schauspielerin Bewegung, um den Kopf frei zu bekommen. Sei es beim Joggen oder beim Tischtennisspiel auf einer großen Arbeitsplatte in der ehemaligen Fabriketage, in der Folkerts mit ihrer Lebenspartnerin wohnt.

Berlin war in dem Moment wichtiger als der "Tatort", denn den "Tatort" und seine Bedeutung hatte ich noch gar nicht verstanden.

Ulrike Folkerts über den ersehnten Umzug in die Hauptstadt

Raus musste der eher schüchterne Teenager irgendwann auch aus dem Schneckenhaus der hessischen Provinz – das Traumziel Berlin blieb aber erst einmal ein Traum. Denn statt in der Hauptstadt, wurde sie in Hannover an der Schauspielschule aufgenommen. Nach dem Abschluss und zwei Jahren im Ensemble des Staatstheaters Oldenburg, bringt die erste große Rolle auch die persönliche und finanzielle Freiheit, in die Lieblingsstadt zu ziehen: "Der 'Tatort' war sozusagen nur das Sprungbrett. Berlin war in dem Moment wichtiger als der 'Tatort', denn den 'Tatort' und seine Bedeutung hatte ich noch gar nicht verstanden", erzählt Folkerts lachend.

Das ändert sich bald: Denn von einem Tag auf den anderen wird die unbekannte Theaterschauspielerin zu einem TV-Star und steht im grellen Licht der Öffentlichkeit. Die neue Prominenz ist zugleich Belastung, auch weil die Endzwanzigerin ihre Homosexualität damals nicht öffentlich machen will. Das übernehmen die Boulevard-Medien zehn Jahre später für sie: "Beim Outing habe ich ein bisschen mit dem Feuer gespielt. Wenn man in einem schwul-lesbischen Songcontest in der Jury sitzt, muss man sich zumindest nicht wundern, wenn man gefragt wird, ob man mit Homosexualität liebäugelt". Ob ihrer Karriere das Outing geschadet hat? Ein Regisseur habe ihr einmal gesagt, dass er sie nicht besetzen könne, weil sie lesbisch ist, erzählt Folkerts. Genau wie solche Benachteiligung nervt sie die fehlende Vielfalt in Filmen und Serien. Die klassische Kleinfamilie als TV-Regelfall – hier müssten Produzenten und Produzentinnen endlich umdenken.

Die Satire, die Ironie war die falsche Form.

Ulrike Folkerts über #allesdichtmachen

Gerne nutzt die Berlinerin ihre Prominenz für soziales Engagement – sie hat sich für die Abschaffung von Landminen eingesetzt und benachteiligte Kinder gefördert. Mit ihrer Beteiligung an der Netz-Aktion "#allesdichtmachen", die die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung satirisch hinterfragen wollte, hat sie sich aber zuletzt massive Kritik eingehandelt. "Die Satire, die Ironie war die falsche Form", sagt sie heute selbstkritisch. Bei allem Verständnis für die Kritik derjenigen, die sie mit ihrem Video vor den Kopf gestoßen habe, haben manche Reaktionen sie aber auch schockiert: "Wir haben niemanden verunglimpft, niemand hat wegen uns seinen Job verloren, aber uns droht man, dass unsere Karriere leiden soll. Das finde ich nicht mehr richtig."

Vielfalt an Frauenrollen dank Folkerts

Als ihr Verlag anfragte, ob sie nicht ihre Autobiografie schreiben wolle, war Ulrike Folkerts zunächst skeptisch. Sie habe ihre Freundinnen gefragt, ob sie das lesen wollen würden. "Die haben gesagt: 'Klar, ist total spannend, was Du erlebt hast. Du bist auch Vorbild für junge Schauspieler und Schauspielerinnen'". Dass ihr die Rolle als Vorreiterin im Charakter liege, glaubt Folkerts aber nicht. Das sei eher "aus Versehen" so gekommen, sagt sie. Aber überzeugender als sie hätte diese Rolle wohl kaum eine andere spielen können. Kaum jemand hat mehr für die Vielfalt an Frauenrollen im deutschen Fernsehen erreicht als Ulrike Folkerts.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 7. Mai 2021, 18:05 Uhr