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Die Nacht

Im Porträt Ümit Akbulut – der skatende Friseur

Autor/Autorin

  • Olaf Rathje
Ümit Akbulut
Ist in seinem Sport fast schon ein Senior: Skateboarder Ümit Akbulut Bild: Radio Bremen | Olaf Rathje

Die Bretter, die für Ümit Akbulut die Welt bedeuten, sind sehr viel kleiner als jede Theaterbühne. Vor allem sind sie auf exakt vier Rollen unterwegs. Fast hätte es der Friseur aus Delmenhorst mit seinem Skateboard zu den Olympischen Spielen gerschafft.

Ümit Akbulut
Ümit Akbulut

Gesprächszeit "Meine Welt ist das Skateboarding" – Ümit Akbulut

Fast hätte es Skateboarder Ümit Akbulut zu den Olympischen Spielen gerschafft. Dabei ist der skatende Friseur aus Delmenhorst schon ein Senior in seinem Sport.

Bild: Radio Bremen | Olaf Rathje

Der 37-jährige Delmenhorster Ümit Akbulut hat mit einem Skateboard unter dem Arm die Welt bereist und an zahlreichen Wettkämpfen teilgenommen. Mittlerweile betreibt er auch noch einen Friseursalon und ist damit der skatende Friseur. Oder doch eher der frisierende Skater?

Begonnen hat alles mit einem dieser Zufälle, die im Leben alles verändern: Beim Fußballspielen rollte der Ball in eine Ecke des Schulhofs, in der andere Kinder gerade Skateboard fuhren. Es war für den 14-jährigen Ümit die erste Begegnung mit den rollenden Brettern – und diese sollte alles verändern.

Ich habe auch gemerkt: Ich muss etwas dafür tun.

Ümit Akbulut über erste Erfolge auf dem Board

Seit diesem Moment war seine Leidenschaft fürs Skateboarden geweckt. Tag für Tag stand der Teenager von da an auf dem Brett und probierte sich aus – mit Erfolg. "Ich habe meine Bestätigung bekommen, habe aber auch gemerkt: Ich muss etwas dafür tun." Sein Talent und Ehrgeiz führten ihn schließlich zu Wettkämpfen rund um den Globus: von Asien bis nach Südamerika. Beeindruckende Erlebnisse für einen jungen Mann, erinnert sich Ümit Akbulut: "Skateboarding wurde teilweise fast Nebensache, weil ich unterwegs so viel gelernt habe."

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Friseur des Jahres 2016

Seinem Vater war dieser Lebensweg allerdings nicht ganz geheuer und so verdonnerte er seinen Sohn zu einer Lehre in einem Friseursalon in Delmenhorst. Ein Glücksfall, wie sich später herausstellt: "Heute bin ich ihm sehr dankbar. Zu dem Zeitpunkt war es fast wie eine Strafe." Mittlerweile betreibt Ümit Akbulut einen eigenen Salon und wurde 2016 vom Lifestyle-Magazin GQ zum Friseur des Jahres gewählt. Und das nicht in Berlin, Hamburg oder München – sondern in Delmenhorst.

Das Schöne ist, dass das Skateboarding jeden zulässt. Es gibt da nie jemanden, der da nicht reinpasst

Ümit Akbulut über einen Sport für alle

Geboren ist Ümit Akbulut in der Türkei, aber aufgewachsen an der Delme. In Delmenhorst, diesem Bremer Vorort, der mit vielen Problemen zu kämpfen hat, ist seine Heimat: "Ab dem Bremer Kreuz fühlt es sich nach zu Hause an", sagt Ümit Akbulut. Hier bringt er sich ein, schneidet Obdachlosen am Bahnhof gratis die Haare, bietet Skateboard-Kurse für Jugendliche an. "Viele junge Menschen, die sonst wenig Perspektiven haben, bekommen durch das Skateboarding Halt", wirbt er für sein Hobby. Vor allem möchte er auch Mädchen bestärken, sich auszuprobieren, und bietet deshalb spezielle Kurse für sie an: "Die Mädels wollen unbedingt in die Skateboard-Welt. Das Schöne ist, dass das Skateboarding jeden zulässt. Es gibt da nie jemanden, der da nicht reinpasst."

Fast zu Olympia nach Tokio

Aber ist er nun der skatende Friseur oder der frisierende Skater? "Ich lebe in jeder Welt meine eigene Welt", lacht Ümit Akbulut und ist mit seinem bisherigen Weg zufrieden. Beinahe hätte dieser ihn im vergangenen Jahr noch zu den olympischen Spielen nach Tokio geführt. Doch trotz vieler Entbehrungen und 20 Monaten harten Trainings verpasste er mit dem türkischen Skateboard-Team die Qualifikation. Eine Enttäuschung, die er erst verarbeiten musste. Aber gerade beim Skateboarding gehören das Hinfallen und Wiederaufstehen dazu: "Es bleibt einem ja nichts anderes übrig. Trübsal blasen war noch nie so meine Geschichte. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und musste schon immer ein Stück weit mehr für das kämpfen, was ich möchte."

Corona-Konsequenz: Vier-Tage-Woche für alle

Ümit Akbulut
Geschäftliche Entscheidungen trifft Ümit Akbulut zusammen mit seiner Frau. Die Übernahme eines Salons in Hamburg haben sie gemeinsam abgesagt. Bild: privat / Ümit Akbulut

Das gilt aktuell natürlich auch für seinen Friseursalon. Die Pandemie sorgt für immer neue Herausforderungen. Ümit Akbulut beschreibt die vergangenen zwei Jahre als eine "emotionale Achterbahnfahrt". Bei den sich ständig ändernden Regeln sei es wichtig gewesen, immer mit der Kundschaft zu kommunizieren – "mit Podcast, Newsletter oder auch SMS-Service". Aber auch dieser schwierigen Zeit kann Ümit Akbulut etwas abgewinnen. Der Lockdown sorgte dafür, dass der zweifache Familienvater ausgebremst wurde – im positiven Sinne. Statt zu Events nach London, Zürich oder Stuttgart zu fliegen, bleibt er zu Hause und lernt, wie er sagt, seine Vaterrolle erst richtig kennen: "Als ich zum ersten Mal zwölf Wochen lang nur zu Hause war, habe ich gemerkt: Wow, das bedeutet das alles. Das macht meine Frau alles im Background – ohne zu meckern. Da habe ich mich ehrlich gesagt schlecht gefühlt, weil ich dann erst gemerkt habe, was ich ihr alles zumute".

Ich möchte, dass die Menschen einfach mehr Zeit mit ihren Mitmenschen haben.

Ümit Akbulut über die Gründe für eine kürzere Arbeitszeit in seinem Friseursalon

Als Konsequenz beschließt er, in seinem Salon die Vier-Tage-Woche einzuführen. "Ich möchte, dass die Menschen einfach mehr Zeit mit ihren Mitmenschen haben“, sagt Ümit Akbulut. Und natürlich auch mehr Zeit für ihre Hobbys. Wie das Skateboardfahren. Mit seinen 37 Jahren zählt Akbulut in diesem Sport mittlerweile zu den Senioren. "Ich sehe mich eher wie einen guten Wein", lacht er. "Je älter ich werde, desto besser werde ich." Ein Ende ist also noch lange nicht in Sicht – auf den Brettern, die Ümit Akbulut, die Welt bedeuten.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 14. Januar 2021, 18:05 Uhr