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Mare Radio

Auf der Bühne Uraufführung: "Doitscha" – mal komisch, mal ernst in Bremerhaven

Autorin

Drei Menschen sitzen, einer steht auf der Bühne.
Im Stadttheater Bremerhaven wurde das Schauspiel "Doitscha" von Adriana Altaras uraufgeführt. Bild: Stadttheater Bremerhaven | Manja Herrmann

In ihrem autobiografischen Buch aus dem Jahr 2014 beschreibt die Regisseurin und Schauspielerin Adriana Altaras ihren turbulenten Alltag als deutsch-jüdische Mutter zweier Söhne in Berlin. Jetzt wurde die Familiengeschichte im Stadttheater Bremerhaven uraufgeführt. Adriana Altaras war dabei, allerdings hat sie weder inszeniert noch dargestellt – sondern sie wurde selbst in Szene gesetzt.

Eine Frau und ein Mann im Streitgespräch auf der Bühne.
Mutter-Sohn Konflikt auf der Bühne im Stück "Doitscha". Bild: Stadttheater Bremerhaven | Manja Herrmann

"Doitscha" steht für "Deutscher", es ist eine Verballhornung und gleichzeitig eine Distanzierung. Denn als "Doitscha" bezeichnet der pubertierende Sohn, der aufgrund seiner jüdischen Mutter selbst Jude ist, abwertend seinen Vater, einen waschechten Westfalen und Nichtjuden. Wobei der Sohn natürlich selbst die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Es geht um Abgrenzung – wie beim pubertierenden Nachwuchs üblich, aber es geht auch um Identitätsfindung in Familien in einem vorbelasteten Kontext. Der ganz normale Familienwahnsinn auf der einen Seite und die deutsch-jüdische Familien-Beziehungsarbeit auf der anderen.

Fünf Darstellende in Doppelrollen

Im Buch wird aus unterschiedlichen Perspektiven in der Ich-Form erzählt, die der Mutter, des Vaters, der Söhne, der Tante oder des besten Freundes. Die Inszenierung hält sich genau an die Vorlage, auch, was die Perspektiven betrifft. Die Mutter ist das Alter Ego der Autorin und steht im Mittelpunkt des Stücks. Außerdem treten neben den Familienmitgliedern noch ihre Therapeutin und weitere Nebenfiguren auf. Viel zu tun also für die fünf Darstellenden, die sehr temporeich agieren, in diversen Doppelrollen und mit fliegendem Szenenwechsel. Inhaltlich wurde gegenüber dem Buch einiges gekürzt. Trotzdem bleibt ein weites Spektrum: vom Familienkrach in banalen Erziehungsfragen, über Konflikte in der jüdischen Gemeinde in Deutschland, bis zur Rolle Israels im Nahostkonflikt und zur Holocaust-Gedenkkultur.

Abstraktes Bühnenbild

Den gesamten Hintergrund der Bühne nimmt ein riesiges schwarzweißes Gruppenfoto ein, das allerdings meistens unscharf verpixelt ist. Wen es zeigt, ist deshalb schwer zu erkennen. Es sind Schatten der Vergangenheit, oder vielleicht auch die Dibbuks, die Totengeister, von denen die Autorin schreibt. Vor dem Bild entstehen mit wenigen einfachen Mitteln – mit Sitzwürfeln, Koffern, weißen Laken – die unterschiedlichen Spielorte: Berliner Altbauwohnung, Talkshowstudio oder wackelnder Eisenbahnwaggon, die Frankfurter Paulskirche, Sterbebett oder ein Jugendlager in Israel.

Theaterversion – amüsant und zugespitzt

Zwei Männer und eine Frau auf der Bühne.
Theaterszene aus "Doitscha". Bild: Stadttheater Bremerhaven | Manja Herrmann

Adriana Altaras hat ein Gespür für gute Pointen und bricht die großen heiklen Themen auf eine amüsante alltägliche Ebene herunter. Diese Vorlage erweckt die Bremerhavener Inszenierung zum Leben, indem sie sich eng am Buch orientiert. Schauspielleiter Peter Hilton Fliegel hat das Stück vor allem auf Fragen der jüdischen Identität zugespitzt. Aha-Momente sind erwünscht, vor allem bei Menschen, die sich sonst weniger mit dem Thema auseinandersetzen. Denn Adriana Altaras, die bei der Uraufführung in Bremerhaven mit dabei war, möchte Menschen in den Dialog bringen.

"Adriana Altaras war dann offenbar – und zurecht, wie ich finde – sehr von der Leistung der Schauspielenden angetan. Beim üppigen Schlussapplaus kam sie jedenfalls auf die Bühne und fiel ihrem Bühnen-Alter-Ego und auch den anderen Darstellenden begeistert um den Hals" sagt unsere Theaterkritikerin Christine Gorny.

Drei Menschen sitzen, einer steht auf der Bühne.

Uraufführung: "Doitscha" von Adriana Altaras

"Doitscha" ist die Geschichte der jüdisch-deutschen Familie von Regisseurin und Schauspielerin Adriana Altaras. Zu sehen im Stadttheater Bremerhaven.

Bild: Stadttheater Bremerhaven | Manja Herrmann

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 19. Dezember 2021, 11:50 Uhr