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Der Morgen mit Anja Goerz

Im Porträt Warum Schauspieler Tyron Ricketts noch auf seine Traumrolle wartet

Autorin

Tyron Ricketts bei einer Filmpremiere im Jahr 2019
Tyron Ricketts ist in Österreich geboren, in Aachen aufgewachsen und lebt und arbeitet jetzt in Berlin. Bild: DPA | Nicole Kubelka/Geisler-Fotopress

Mit dem Familiendrama "Herren" war der Wahl-Berliner Tyron Ricketts gerade im Ersten zu sehen. Es war der erste deutsche Fernsehfilm, in dem alle Hauptrollen mit schwarzen Deutschen besetzt wurden. "Deutschland ist längst divers", sagt Ricketts. Diese Realität in Film und Fernsehen widerzuspiegeln, ist seine Mission. 

Gesprächszeit "Als Nicht-Weißer wird man nie als Teil der Gesellschaft erzählt" – Tyron Ricketts

"Deutschland ist längst divers", sagt Schauspieler Tyron Ricketts. Diese Realität in Film und Fernsehen widerzuspiegeln ist seine Mission.

Audio vom 10. März 2021
Tyron Ricketts bei einer Filmpremiere im Jahr 2019
Bild: DPA | Nicole Kubelka/Geisler-Fotopress

Mitte der 80er Jahre, Tyron Ricketts ging in die fünfte Klasse, drückte ihm sein Kumpel eines Tages eine Kassette in die Hand: Rapmusik! Es war das erste Mal, dass er Rap hörte und Ricketts war sofort Feuer und Flamme. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er kaum andere schwarze Menschen in den Medien gesehen. Höchstens mal einen Film mit Eddie Murphy oder einen Sprint von Leichtathlet Carl Lewis bei der Olympiade. "Jetzt waren da auf einmal junge schwarze Menschen, die einen positiven und kraftvollen Ausdruck gefunden hatten, ihre Lebenssituation zu beschreiben", so erinnert sich der 47-Jährige heute an seinen Ursprung als Künstler. Es dauerte nach der denkwürdigen Kassetten-Übergabe keine Woche und Ricketts hatte seine eigene Band gegründet. Später folgten ein Plattenvertrag und eine Karriere als Moderator beim Musiksender VIVA.

So traurig das ist, man gewöhnt sich dran.

Tyron Ricketts über seine rassistischen Erfahrungen in der Kindheit

2001 veröffentlichte Ricketts den Song "Afrodeutsch" und drehte einen Kurzfilm dazu, der beim renommierten Sundance Filmfestival in den USA gezeigt wurde. In "Afrodeutsch" rappt der Künstler unter anderem über seine Kindheit in Deutschland, darüber, wie es ihn nervte, dass Menschen ihm in die Haare grabschten, oder wie sehr es ihn verletzte, als "Mohr" und "Kohlsack" beschimpft zu werden. Aber "das hat mir nicht die Kindheit kaputt gemacht," erzählt der Schauspieler und Produzent. "So traurig das ist, man gewöhnt sich dran." Seine Überlebensstrategie, um mit Rassismus im Alltag klar zu kommen: "Ich habe versucht, die positiven Klischees, die es auch über schwarze Menschen gab, zu erfüllen. Also, dass man gut singen kann oder toll im Sport ist. So war ich in der Schule dann der coole und liebenswerte Typ." Dass sein Verhalten eine Überanpassung war, sei ihm erst später bewusst geworden.

Ricketts sucht die Rolle, die mit Hautfarbe nichts zu tun hat

Tyron Ricketts arbeitet heute als Schauspieler. Meistens bekommt er Rollen angeboten, in denen er "den Anderen" spielen muss – den Amerikaner, den Engländer, jemanden aus einem afrikanischen Land. Allzu oft spielt er den Eingewanderten, den Geflüchteten. Eine Situation, die ihn verärgert: "Denn die Botschaft, die nach draußen gegeben wird, ist: Jemand, der so aussieht wie ich, gehört nicht hierher. Und das ist ja nicht die richtige Botschaft in einem Land, wo 25 Prozent aller Menschen eine Migrationsgeschichte haben." Wie stellt er sich also seine Traumrolle vor? "Ein Rolle, in der mein Charakter vor menschlichen Herausforderungen steht, die nichts mit der Hautfarbe zu tun haben."

Die Deutsche Gesellschaft ist längst divers!

Tyron Ricketts über sein Ziel, Diversität im Film wiederzuspiegeln

Ein Stückchen näher ist er dieser Rolle ARD-Film "Herren" gekommen, der für den Grimme-Preis nominiert wurde . Es ist der erste deutsche Fernsehfilm, in dem alle Hauptrollen mit schwarzen Deutschen besetzt wurden. Die Rolle des Ezekiel ist komplexer als viele Rollen, die der Wahl-Berliner vorher angeboten bekam. "Ezekiel wird als Teil der deutschen Gesellschaft gezeigt, auch wenn er aus Brasilien eingewandert ist. Dadurch ist Diversität Normalität."

Mit seiner Produktionsfirma Panthertainment macht sich Tyron Ricketts selbst für vielfältigere Geschichten stark. Zurzeit produziert er eine Mini-Serie über den ersten schwarzen Polizisten in Sachsen: "Die deutsche Gesellschaft ist längst divers! Jetzt gilt es nur noch, diese Realität auch in die Erzählung von Deutschland miteinzuweben." Dafür müssten bestehende Strukturen verändert werden, sagt er. "An den Tischen, an denen Entscheidungen getroffen werden, müssen Menschen sitzen, die selbst Diversitätserfahrung haben." Nur dann könnten Entscheidungen getroffen werden, die für die gesamte Bevölkerung relevant sind.

Immer wieder öffentlich über Rassismus zu sprechen, koste ihn viel Kraft, sagt Rickets. Schließlich verbinde er damit schmerzhafte Erfahrungen. "Aber wenn ich mir aussuchen kann, ob ich nur meckere und sauer bin, oder ob ich versuche, etwas zu verändern, dann entscheide ich mich lieber dafür, diese Veränderungen auch nach vorne zu treiben."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 10. März 2021, 18:05 Uhr