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Der Samstagvormittag mit Julian Beyer

Im Porträt Tomasz Jedrowski hat die Business-Karriere gegen Literatur getauscht

Autorin

Thomasz Jedrowski
Tomasz Jedrowski hat nach vielen Lebensstationen in Frankreich sein Zuhause gefunden. Bild: HOFFMANN UND CAMPE

Sein Debüt-Roman "Im Wasser sind wir schwerelos" ist zuerst in England erschienen und wurde dort riesig gefeiert. Inzwischen gibt es das Buch in deutscher Übersetzung, und das ist ein bisschen kurios: Denn Tomasz Jedrowski ist gebürtiger Bremer. Er spricht fünf Sprachen, hat in verschiedenen Ländern gelebt und ist momentan in Frankreich zuhause.

Gesprächszeit "Es ist schön, dass die Geschichte andere berührt"– Tomasz Jedrowski

Seit Debüt-Roman "Im Wasser sind wir schwerelos" ist zuerst in England erschienen und das ist ein bisschen kurios: Denn Tomasz Jedrowski ist gebürtiger Bremer.

Audio vom 4. Mai 2021
Thomasz Jedrowski
Thomasz Jedrowski Bild: HOFFMANN UND CAMPE

Wenn er an Bremen, den Ort seiner Kindheit, zurückdenkt, kommt Tomasz Jedrowski sofort der Bürgerpark in den Sinn. Für das Kind polnischer Eltern ist der Park einfach "ein mythischer Ort" – mitten in der Stadt. Mit 16 Jahren zog Tomasz Jedrowski nach England, um dort in einem Internat zur Schule zu gehen. Ganz allein mit seinem großen Koffer stand er damals am Bremer Flughafen. Die Lust auf das unbekannte Abenteuer war größer als die Angst, erinnert er sich, und er habe sich "irgendwie geleitet" gefühlt, sagt der Autor: "Ich hatte so das Gefühl, das steht jetzt auf dem Menü und so wird es passieren. Ich hatte irgendwie keinen Zweifel."

Internationale Karriere mit Selbstzweifeln

Obwohl er noch relativ jung ist, hat Tomasz Jedrowski sein Leben schon mit Mitte 30 mehrfach umgekrempelt. New York, London, Paris und Warschau heißen seine Stationen auf der Weltkarte. Und seine Schritte waren zunächst zielstrebig: Jura-Studium in Cambridge, Praktikum bei den Vereinten Nationen in New York, Arbeit als Anwalt in London, Verkäufer von Modekollektionen auf den großen Modewochen in Paris und Mailand. Viele träumen von so einer internationalen Karriere, doch Tomasz Jedrowski hat dieser Weg regelrecht krank gemacht: "Es war nicht meine Wahrheit. Das war sozusagen die Wahrheit der kapitalistischen Kultur, in der wir leben. Und ich habe das bis dahin nicht hinterfragt." Jedrowski fühlte sich leer, spürte die Sinnlosigkeit seines Tuns und die Gefahr, sich in diesem Gefühl zu verlieren. Die Signale seines Körpers ignorierte er lange: "Ich war wirklich oft krank, und es war wirklich so, dass ich nicht aus dem Bett konnte oder wirklich das Gefühl hatte, dass ich meinen Körper nicht mehr bewegen kann."

Ich glaube, dieses Unterdrücken war bei mir ganz stark.

Tomasz Jedrowski über die Erkenntnis, dass er Schriftsteller sein will

Als er seinen Mann, der einen ganz anderen Lebensstil führte und ein gänzlich anderes Weltbild hatte, kennenlernte, stellte Tomasz Jedrowski fest: "Man kann wirklich glücklich sein, ohne diese Dinge zu haben, die ich haben wollte und die vermeintlich das Glück waren". Dann bat er um Hilfe und begann eine Therapie, während der er sich eingestand, eigentlich Schriftsteller sein zu wollen. "Ich glaube, dieses Unterdrücken war bei mir ganz stark. Ich glaube auch ganz ausgeprägt, weil ich auch jahrelang meine Sexualität unterdrückt habe."

Roman-Debüt: "Im Wasser sind wir schwerelos"

Das Cover des Buches "Im Wasser sind wir schwerelos" von Tomasz Jedrowski.
Tomasz Jedrowski: "Im Wasser sind wir schwerelos", Übersetzung: Brigitte Jakobeit, Hoffmann & Campe, 224 Seiten, 23 Euro. Bild: Hoffmann und Campe Verlag | Grafik Sabina Weinrich

"Im Wasser sind wir schwerelos" heißt nun Jedrowskis Debüt-Roman, den er zuerst in England publiziert hat. Er erzählt von den Studenten Ludwik und Janusz, die sich im Sommer kennenlernen, sich verlieben und ein paar wunderbare Tage an einem See verbringen. Dass es sich um zwei Männer handelt, macht die Sache kompliziert: Es ist 1980 in Polen, Homosexualität ist ein Tabu und wer sich als schwul zu erkennen gibt, wird ausgegrenzt und eingeschüchtert. Bei der Rückkehr nach Warschau stehen die beiden Protagonisten plötzlich auf zwei Seiten: Ludwik will frei sein, seine Sexualität ausleben, und Janusz möchte gerne Karriere machen, aufsteigen und innerhalb des Systems glücklich werden.

Zwischen ihm und Ludwik sieht Tomasz Jedrowski große Parallelen: "Was ihm sehr geholfen hat, war das, was auch mir geholfen hat: Das war Literatur", erzählt Jedrowski. Und so lässt er Ludwik in seinem Romandebüt das Buch "Giovannis Zimmer" – ein Roman aus den 50ern – von James Baldwin entdecken, das er selbst mit 23 gelesen hat: "Davor habe ich es akzeptiert, dass jede Liebesgeschichte, die mir erzählt wird oder die ich lese, zwischen einem Mann und einer Frau passiert. Und dass ich mich irgendwie anpassen musste, mich reinfühlen musste und das trotzdem gut finden musste."

Es wurde irgendwann zu viel mit dem Reisen, den Metropolen, den Flugzeugen und dem Glamour.

Tomasz Jedrowski über das Umkrempeln seines Lebens

Obwohl er die Arbeit in der Mode mit ihrer Kreativität und den sozialen Begegnungen genoss, verließ Jedrowski die Branche und England und fand in Frankreich eine Heimat. Heute lebt er nicht mehr in Paris, sondern abgeschieden in einem Wald auf dem Land. "Es wurde irgendwann zu viel mit dem Reisen, den Metropolen, den Flugzeugen und dem Glamour", resümiert er. Denn schon lange spürte er den Zwiespalt zwischen Umweltbewusstsein und seinem dazu völlig konträren Lebensstil: "Ich glaube, ich habe ganz gut die Stimmung der Welt, unseres Planeten gespürt." Und das Leben auf dem Land, die Ruhe, hat ihn bereits für sein nächstes Buch inspiriert. Darin wird es um tiefe Naturverbundenheit und die Beziehung zwischen Mensch und Natur gehen. Aber auch dieses Buch wird der in Bremen aufgewachsene Jedrowski auf Englisch schreiben.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 4. Mai 2021, 18:05 Uhr