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Der Samstagnachmittag mit Kristin Hunfeld

Im Porträt Psychologin Teresa Deffner steht Menschen auf der Covid-Station bei

Autorin

Teresa Deffner
Es müsste mehr Psychologinnen wie sie auf Intensivstationen geben, ist Teresa Deffner überzeugt. Bild: Universitätsklinikum Jena

Teresa Deffner ist Psychologin auf einer Intensivstation in Jena und spricht auch mit Menschen auf der Covid-Station – kurz bevor diese beatmet werden. Sie versucht, Kranken und Angehörigen ein wenig von der Angst zu nehmen, wenn sie um Atem ringen oder gar um ihr Leben. "Diese Häufung von Krisen, die habe ich vor der Pandemie so nicht erlebt", sagt sie.

Gesprächszeit "Die Angst zu sterben, die bleibt" – Teresa Deffner

Teresa Deffner ist Psychologin auf einer Intensivstation und spricht spricht auch mit Menschen auf der Covid-Station – kurz bevor diese beatmet werden.

Audio vom 26. April 2021
Teresa Deffner
Bild: Universitätsklinikum Jena

Wer mit einer Covid-19-Infektion auf die Intensivstation eingeliefert wird, kommt in einen Isolationsbereich. Menschen in Vollschutz kümmern sich, im Idealfall sind die Augen der Ärztinnen und Pfleger noch zu erkennen. Überwachungsgeräte piepsen – die Atmosphäre kann durchaus beängstigend sein. Teresa Deffner aus Jena ist eine der ganz wenigen Psychologinnen, die auf einer Intensivstation in Deutschland arbeiten, und kümmert sich auch um Patientinnen und Patienten mit Covid-19-Infektionen.

Deffner spricht Ängste an und versucht Sicherheit zu vermitteln, wenn eine Beatmung droht: "Es schwebt gewissermaßen immer über dem Patienten die Frage des drohenden Bewusstseinsverlustes, weil das notwendig ist, um sie invasiv beatmen zu können", erzählt sie von ihrer Arbeit.

Die Angst zu sterben, die bleibt.

Teresa Deffner über beruhigende Worte vor einer Intubation

Teresa Deffner bietet ihr Ohr an, initiiert Videotelefonate mit Angehörigen und hilft Dinge zu klären, die für einen Patienten oder eine Patientin gerade wichtig sind. Aber: "Die Angst zu sterben, die bleibt“, sagt die Intensivpsychologin. Deshalb bietet sie zum Beispiel auch an, das Telefon mit den Angehörigen ans Ohr zu halten, wenn der Patient oder die Patientin bewusstlos ist und beatmet wird: "So dass die Patienten sich auch im Vorfeld sicher sein können, dass – wenn sie nicht wach sind – ihre Angehörigen so nah wie möglich bei ihnen sind."

Intensivtagebücher sollen Erinnerungen schaffen

Viele Schicksale hat Deffner schon begleitet. Sie kennt die Namen der Haustiere ihrer Patientinnen und Patienten, die Partner und Kinder. Mindestens 50 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringt Teresa Deffner mit Angehörigen. Jetzt viel häufiger Sterbebegleitung machen zu müssen und viele außergewöhnliche Situationen mitzuerleben, ist eine Herausforderung für sie: "Diese Häufung von Krisen, die habe ich vor der Pandemie so nicht erlebt."

Für Schwerkranke, die eine Aussicht auf Genesung haben, führt sie Intensivtagebücher: "Mit der Idee, dass es diesen Patienten helfen soll, später ihre Zeit in der intensivmedizinischen Behandlung chronologisch nachvollziehen zu können. Weil wir wissen, dass die Patienten oft nur sehr lückenhafte Erinnerungen an die Zeit der Intensivstation haben".

Einsatz für mehr psychologische Hilfe

Obwohl ihre Arbeit so wichtig ist, sind Psychologinnen wie Deffner nicht die Regel in deutschen Krankenhäusern. Oft werde die menschliche Begleitung bei Sterbefällen von Pflegekräften oder vom medizinischen Team "nebenbei" erledigt, sagt sie. Dass sich das ändert, dafür setzt sich die Stationspsychologin ein.

Deffner ist auch Mitglied im Vorstand der "Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin", dem Sprachrohr der Intensivmedizin. Bekannt wurde es durch das Intensivregister, das anzeigt, wie viele Intensivbetten gerade frei und wie viele belegt sind.

Zuversicht gibt Deffner in diesen schwierigen Zeit, dass sich Patientinnen und Patienten bei ihr melden, wenn sie ihre Covid-19-Infektion überstanden haben. Sie erzählen ihr dann von der Reha oder bedanken sich für ihre Arbeit. "Das sind viele Momente, die Mut machen", sagt Deffner.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 26. April 2021, 18:05 Uhr