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Die Nacht

Im Porträt Philosophin Svenja Flaßpöhler polarisiert – und fühlt sich verurteilt

Autor

Svenja Flaßpöhler schaut in die Kamera (Archivbild)
Ist es gewohnt, die Dinge von zwei Seiten zu beleuchten: "Philosophie"-Magazin-Chefredakteurin Svenja Flaßpöhler Bild: DPA | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Sie nennt sich eine Linke, eine Feministin – und kritisiert den Feminismus. Svenja Flaßpöhler polarisierte mit ihrer Streitschrift gegen die #metoo-Bewegung und fiel zuletzt auf, weil sie als Geimpfte davor warnte, die Ungeimpften pauschal zu verurteilen. In ihrem aktuellen Buch setzt die Philosophin sich mit der Sensibilität in unserer Gesellschaft auseinander.

Svenja Flaßpöhler schaut in die Kamera (Archivbild)

Gesprächszeit "Ich werde gegenwärtig in Ecken gedrängt" – Svenja Flaßpöhler

Svenja Flaßpöhler polarisierte zuletzt mit ihrer Haltung zu Ungeimpften. In ihrem Buch setzt sie sich mit der Sensibilität in unserer Gesellschaft auseinander.

Bild: DPA | Christoph Hardt/Geisler-Fotopres

Svenja Flaßpöhler ist Autorin, Chefredakteurin des "Philosophie"-Magazins und streitbare Kommentatorin gesellschaftlicher Themen. Ihr neues Buch heißt "Sensibel" und der Untertitel "Über moderne Empfindlichkeit und die Grenze des Zumutbaren" verrät, mit welchen Fragen sie sich darin auseinandersetzt. Es geht um das, was unsere Gesellschaft spaltet, um Überempfindlichkeit auf der einen und polemische Ignoranz auf der anderen Seite.

Aufgewachsen in einer Patchwork-Familie

Svenja Flaßpöhler stammt aus keinem Bildungshaushalt mit vollen Bücherregalen, erzählt sie, sondern wuchs in einer Patchwork-Familie mit Halb- und Stiefschwester auf. Als sie 14 Jahre alt war, ließ ihre Mutter sie bei ihrem Stiefvater in einem kleinen Dorf in Westfalen zurück. "Ich war natürlich hoch emotional an meine Mutter gebunden. Deshalb war es schwierig, als sie irgendwann den Entschluss fasste, ein neues Leben anzufangen", erinnert sich die Autorin, die ihrer Mutter heute wieder sehr nahe steht.

Das neue Buch "Sensibel" hat Svenja Flaßpöhler ihrem Stiefvater gewidmet, denn sie verdanke ihm sehr viel: "Er ist der Mensch, der immer da war, der eine große Kontinuität in meinem Leben geschaffen hat."

Die beiden Seiten der Sensibilität

Sensibiliät, sagt Flaßpöhler, habe zwei Seiten: Positive Sensibilität bedeute, empfindsam für die Grenzen Anderer zu sein. Auf der anderen Seite stehe die Reizbarkeit und Dünnhäutigkeit. "Ich beobachte es gegenwärtig, dass prämiert wird, wenn jemand sagt: 'Ich bin verletzt, ich brauche eure Empathie." Es sei zwar richtig, diese Person dann empathisch zu verstehen, aber ihr fehle manchmal der Wechsel der Perspektive.

Flaßpöhler möchte dazu ermutigen, Zumutungen auch anzunehmen, denn "aus einer liberalen Demokratie lassen sich eben nicht alle Zumutungen wegdenken. Wir müssen uns bestimmte Zumutungen zumuten, damit wir freiheitlich miteinander leben können."

Kritik nach Talkshow-Auftritten

Allerdings reagiere auch sie selbst sensibel, gesteht Flaßpöhler. Nämlich dann, wenn sie sich durch massive öffentliche Kritik in eine Ecke gedrängt sieht, der sie sich nicht zugehörig fühlt. Zuletzt ist ihr das nach der ARD-Sendung "Hart aber fair" und der ZDF-Sendung "Sensibilisieren wir uns zu Tode?" mit Richard David Precht passiert. "Ich werde gegenwärtig in Ecken gedrängt, natürlich auch im Zusammenhang mit dieser Corona-Pandemie, in der ich mir manchmal auch ein bisschen mehr Differenzierung wünschen würde. Da gilt man dann schnell als Querdenkerin."

Es braucht die Vielfalt der Perspektiven und auch den Streit.

Svenja Flaßpöhler über gesellschaftliche Debattenkultur

Als Philosophin will Svenja Flaßpöhler neue Perspektiven in gesellschaftliche Diskurse einbringen. Es gehe ihr um die Sache, sagt sie, und deshalb sei sie auch bereit, verschiedene Positionen in Talk-Shows zu vertreten: "Niemals geht es mir darum, die Gegenmeinung zu vertreten, weil es eine Gegenmeinung ist. Das wäre einfach leere Provokation. Aber wenn ich merke, dass ein Diskurs sehr einheitlich geführt wird – und das war aus meiner Sicht auch die sogenannte #metoo-Debatte, es waren sich ja schlussendlich doch alle ziemlich einig – da regt sich bei mir dann ein Unbehagen." Auch nach ihrer Streitschrift, in der sie sich mit der #metoo-Bewegung auseinandersetzte, wurde sie massiv kritisiert: "In der #metoo-Debatte galt ich als rechts-reaktionäre Feministin, was fast eigentlich fast schon lustig ist, aber doch sehr ernst."

Svenja Flaßpöhler will auch in Zukunft den öffentlichen Diskurs zu gesellschaftlichen Themen mitprägen; darin haben sie die Erfahrungen der letzten Wochen bestärkt. Dass sie auch in der Redaktion des Philosophie-Magazins Widerspruch erntet, sei wünschenswert, sagt Flaßpöhler: "Den Gegenpart zu haben, Widerrede zu haben, jemanden zu haben, der die Dinge von der anderen Seite sieht – das ist so bereichernd. Ich will gar nicht, dass meine Redaktion Dinge so sieht, wie ich selbst. Es braucht die Vielfalt der Perspektiven und auch den Streit.“

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 8. Dezember 2021, 18:05 Uhr