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Die Nacht

Im Porträt Steffi Jones: Vom Torpfosten zur Bundestrainerin trotz Diskriminierung

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Bundestrainerin Steffi Jones lachend
Nach einem Weltmeister- und drei Europameister-Titeln sowie zwei Olympischen Medaillen trainierte Steffi Jones schließlich selbst 18 Monate lang die deutsche Frauen-Nationalmannschaft. Bild: Imago | foto2press

Steffi Jones ist eine Größe im deutschen Frauenfußball. Die ehemalige Nationalspielerin hat in ihrem Leben und ihrer Karriere immer wieder Rassismus und Sexismus erfahren. Vom Deutschen Fußball-Bund fordert sie mehr Einsatz für Vielfalt.

Gesprächszeit "Der Film ist auch schmerzlich für mich" – Steffi Jones

Steffi Jones ist eine Größe des deutschen Frauenfußballs. Die ehemalige Nationalspielerin wurde in ihrer Karriere immer wieder mit Rassismus konfrontiert.

Die Bundestrainerin Steffi Jones lacht
Bild: Imago | Sven Simon
Bild: Imago | Sven Simon

Angefangen hat die Tochter eines US-Soldaten und einer deutschen Mutter als "Torpfosten" für ihren älteren Bruder und dessen Freunde: "Ich sollte da stehen und den Pfosten machen. Dann kam der Ball auf mich zu und ich habe reagiert." Die Freunde merkten, dass Steffi mit dem Ball umgehen konnte – und forderten ihren Bruder auf, sie mitspielen zu lassen. "So durfte ich mitspielen und wurde integriert. Aber ich habe tatsächlich als Torpfosten angefangen."

Erste Rassismus-Erfahrungen im Kindergarten

Im Kindergarten fing es an, dass Steffi Jones aufgrund ihres Aussehens von anderen Kindern ausgegrenzt und gehänselt wurde. Zuhause fragte sie ihre Mutter: "Wenn ich mich ganz doll wasche, werde ich dann auch so schön weiß wie du?" Dass ihre Mutter auch sehr unter der Situation litt, hat Steffi Jones erst viel später mitbekommen.

"Man hat als Kind wahrgenommen, dass plötzlich die Polizei vor der Tür stand und Nachbarn behauptet haben, wir wären laut gewesen und wir haben nichts gemacht – wir saßen beim Essen. Dann wurde das Jugendamt geschickt, weil man sagte, sie würde sich nicht kümmern. Sie wurde rassistisch beschimpft. (...) Meine Mutter hat es wirklich geschafft, alle Kräfte aufzubringen, um das zu meistern. Sie hat drei Jobs gemacht. Sie hat uns Kinder sehr, sehr liebevoll erzogen und hat uns ganz tolle Werte vorgelebt, obwohl sie nicht gut behandelt wurde. Das schätze ich sehr."

Durch den Fußball habe ich ganz viel Stärke gewonnen.

Steffi Jones

Stärke gewann die junge Steffi vor allem auch durch den Fußball. Sie fing mit vier Jahren als einziges Mädchen in einer Jungsmannschaft beim SV Bonames in Frankfurt an – und konnte mithalten. Sie wurde schließlich Spielführerin und bekam große Anerkennung. "Durch den Fußball habe ich ganz viel Stärke gewonnen. Weil es da keine Rolle spielte, wie ich aussehe und wo ich herkomme und Fußball tatsächlich verbindet", erinnert sie sich.

Fußballkarriere: Erfolg und Diskriminierung

Auch wenn Steffi Jones im Fußball nicht vor Diskriminierung gefeit bleiben sollte – hier konnte sie eine Karriere starten, von der sie nie zu träumen gewagt hätte. 2013 hatte sie ihr erstes Länderspiel, gegen Dänemark um Platz 3 bei der Europameisterschaft. Sie erinnert sich heute noch daran, wie sie ihr Nationaltrikot anzog, die Nationalhymne sang, die sie vorher noch auswendig lernen musste, und welche Gänsehaut sie damals hatte.

Das ist ein unbeschreiblicher Moment, wenn ein Traum in Erfüllung geht.

Steffi Jones über ihr erstes Länderspiel 1993

Jones spielte 110 weitere Länderspiele, gewann mit der deutschen Nationalmannschaft 2003 die Weltmeisterschaft – und holte 2005 zum dritten Mal in Folge den Europameistertitel. Die damalige Mannschaft galt als "goldene Generation" – erstmalig genoss der Frauenfußball in Deutschland Aufmerksamkeit und Medienpräsenz: ein Meilenstein.

Bundestrainerin Steffi Jones während eines Spiels (Archivbild)
Steffi Jones ist eine der erfolgreichsten deutschen Fußballspielerinnen aller Zeiten. Bild: Imago | Sven Simon

Nach ihrem Rücktritt aus dem Nationalteam berief der DFB Steffi Jones 2007 zur Präsidentin des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011. Anschließend wurde sie Direktorin beim DFB und 2016 schließlich Bundestrainerin der Frauen-Nationalmannschaft. Nach 18 Monaten entließ der DFB sie allerdings wieder aus der Funktion.

Es gab dann auch so Aussagen wie: 'Das kannst du nicht' – sogar noch zu meiner DFB-Zeit.

Steffi Jones

Während ihrer Fußball-Karriere erlebte Steffi Jones auf der einen Seite Solidarität, machte aber auch Erfahrungen mit Neid – und mit Rassismus. Dennoch sagt sie über ihre Zeit als Bundestrainerin: "Ich blicke gern zurück. Das war eine tolle Zeit und ich möchte das nicht missen."

Gleichwohl fordert die die frühere Nationalspielerin mehr Engagement vom DFB gegen Rassismus, gerade auch wegen seiner Vorreiterrolle. Dass es nun zu Veränderungen in der DFB-Führung kommen soll, begrüßt sie: "Es ist ganz wichtig, dass da frischer Wind reinkommt, denn es sind zu viele Menschen auf der Führungsebene, die ihren eigenen Vorteil suchen." Für die Zukunft wünscht sich Jones mehr Vielfalt im Fußball und "die Offenheit, dass Kompetenz unisex ist. Dann brauchen wir auch nicht mehr über eine Frauenquote zu sprechen." Über ihre Erfahrungen mit Rassismus spricht die heute 49-Jährige auch in der Dokumentation "Schwarze Adler".

Dem DFB den Rücken gekehrt

Heute lebt Steffi Jones in Gelsenkirchen und arbeitet für eine IT-Firma im Bereich Organisationsentwicklung. "Das war eine Chance, wo ich gesagt habe, da gibt es viele Parallelen zum Fußball – Strategie, Teambuilding, Motivation, Ziele formulieren." Seit zwei Jahren macht Steffi Jones nun schon diesen Job – und ist zufrieden.

Über eine Rückkehr in die Fußballwelt denkt sie nicht nach: "Ich liebe den Fußball, ich bin ein großer Fan, ich gucke immer. Und wenn mal ein Job wieder kommen sollte – man weiß es nicht – dann würde ich auch nie nie sagen, aber im Moment vermisse ich es tatsächlich nicht."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 18.06.2021, 18:05 Uhr