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Die Nacht

Im Porträt Stefan Schomanns Reise auf den Spuren der letzten Wildpferde

Autor/Autorin

  • Birgit Kolkmann
Stefan Schomann
Stefan Schomann mit einer Tachi-Stute und ihrem Fohlen in Askania Nova, Ukraine. Bild: privat

Als Kind begegnete er in einem Münchner Tierpark den Wildpferden zum ersten Mal und war ihrem seelenvollen Blick, ihrem ockergelben Fell und der schwarzen Bürstenmähne gleich verfallen. Die Geschichte der Przewalski-Pferde und ihrer wundersamen Rettung hat Stefan Schomann nie losgelassen. Fast 50 Jahre später hat sich der Schriftsteller und Journalist auf ihre Spur begeben, auf eine Reise durch die Naturgeschichte mit dem Pferd als Leittier.

Stefan Schomann
Stefan Schomann mit einer Tachi-Stute und ihrem Fohlen in Askania Nova, Ukraine.

Gesprächszeit "Pferde führen uns zu uns selbst zurück" – Stefan Schomann

Die Geschichte der Przewalski-Pferde faszinierrt Stefan Schomann. Von Deutschland aus ist er auf ihren Spuren tausende Kilometer quer durch Europa und Asien gereist.

Bild: privat

Das asiatische Wildpferd oder "Tachi" – so das mongolische Wort – war schon fast ausgestorben, bevor es entdeckt wurde. Die Forschungsreisenden suchten im 19. Jahrhundert nach vielen unbekannten Arten, aber Wildpferde und Wildkamele hielten sie für ausgestorben. Und so verpassten Alfred Brehm und Otto Finsch, der Gründer des Bremer Überseemuseums, 1876 bei ihrer Reise in die mongolische Steppe die wissenschaftliche Sensation. Den Bericht eines Jägers über die Wildpferde nahmen sie nicht ernst.

Zwei Jahre später ging der russische Oberst Przewalski dem Tipp des gleichen Kundschafters nach und machte die Entdeckung, die ihn weltweit berühmt machte und St. Petersburg das berühmte Typus-Exemplar eines jungen "Tachi"-Pferdes brachte.

Es war ein Massaker wider Willen.

Stefan Schomann über das grausame Einfangen der der letzten Wildpferd-Fohlen

Kaum waren die Tachi-Pferde entdeckt, begann der Run auf die letzten Exemplare. Zoos und Tierhändler in Europa wollten sie haben, auch reiche Privatleute für ihre Tiergehege. Doch die ungeheuer schnellen Wildpferde waren kaum zu fangen, extrem scheu und extrem schnell. Stefan Schomann beschreibt, welch grausame Methoden die Tierfänger anwendeten: Ganze Herden wurde bis auf die wehrlosen Fohlen erschossen. "Es war ein Massaker wider Willen", sagt Stefan Schomann und schreibt in seinem neuen Buch "Auf der Suche nach den wilden Pferden": Kein einziges Wildpferd überlebte in Freiheit.

Das Wildsein neu lernen

Zugleich war die Gefangenschaft für die Przewalski-Pferde die Rettung vor dem tatsächlichen Aussterben. Mit nur 13 Exemplaren weltweit begann die Züchtung in Gefangenschaft – eine wechselvolle Geschichte mit immer wieder großen Verlusten. Doch mit züchterischer Weitsicht und dem Engagement einiger begeisterter Privatleute gelang es vor 30 Jahren schließlich, die ersten Tiere in der Mongolei wieder an die Freiheit zu gewöhnen. "Das dauert mehrere Generationen", sagt Stefan Schomann, der in die Schutzgebiete in die Mongolei gereist ist. Die Pferde müssen das Wandern wieder lernen und sie müssen lernen, sich ihrer Feinde zu erwehren. Inzwischen gibt es verschiedene Herden – zum Beispiel in Askania Nova in der Ukraine und auch eine kleine Herde, die im Sperrgebiet von Tschernobyl freigelassen wurde. Die "Tachi" sollen dort aktiven Landschaftsschutz betreiben und als große Weidetiere dafür sorgen, dass der Wald nicht völlig überhand nimmt und im Falle von Bränden gewaltige Mengen an Radioaktivität freigesetzt werden.

Pferdegeschichte ist Menschheitsgeschichte.

Stefan Schomann über die Pferde-Faszination des Menschen

Stefan Schomann beschreibt in seinem Buch auch, welche Macht dadurch entstand, dass Pferde als Reittiere die Mobilität der Menschen veränderten: "Eine Geschichte nur mit Fußgängern ist im Rückblick gar nicht vorstellbar. Aber man musste erst mal darauf kommen, dass man sich da auch drauf setzen kann". Und das Pferd hat Zukunft, sagt Stefan Schomann, der zu Pferd viele Reisen unternommen und darüber geschrieben hat: Es verbinde uns mit der Natur und mit unserer Natur, sagt er. "Wer über Tiere schreibt, oder generell über Natur, wird gern etwas belächelt, gerade in intellektuellen Kreisen. Sie gelten als sentimentales Sujet. Ich bin so frei und lächle zurück. Pferdegeschichte ist Menschheitsgeschichte."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 20. Januar 2022, 18:05 Uhr