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Die Nacht

Im Porträt RAF und Mauerfall: Stefan Aust über sein bewegtes Journalisten-Leben

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Journalist Stefan Aust mit Mütze (Archivbild)
Stefan Aust wird am 1. Juli 2021 75 Jahre alt. Bild: DPA | Marcus Brandt

Stefan Aust ist einer der bekanntesten und einflussreichsten Journalisten Deutschlands. Nur Wenige waren bei den großen zeitgeschichtlichen Ereignissen seit Gründung der Bundesrepublik so oft mittendrin wie er. Anfang Juli wurde der Journalist, der seit vielen Jahren Pferde züchtet, 75 Jahre alt.

Gesprächszeit "Es war Bauchgefühl" – Stefan Aust

Stefan Aust ist einer der bekanntesten Journalisten Deutschlands. Bei fast allen großen Ereignissen der Bundesrepublik war er dabei. Nun wird er 75 Jahre alt.

Journalist Stefan Aust mit Mütze (Archivbild)
Bild: DPA | Marcus Brandt
Bild: DPA | Marcus Brandt

Sein Leben erinnert ein bisschen an eine amerikanische Filmfigur – grandios gespielt von Tom Hanks – die auch immer zufällig dabei ist, wenn sich gerade die Räder der Geschichte drehen: "Ich habe diesen Film – Forrest Gump – damals während einer Drehreise in Alaska gesehen", erzählt Stefan Aust. "Ich habe in Anchorage im Kinosessel gesessen und gedacht: 'Irgendwie ist das doch wie dein eigenes Leben. Von einem Typen, der ein bisschen doof, aber immer dabei ist.'"

Wir sind mit Booten auf der Elbe gefahren oder mit Pferden am Flussufer entlang geritten.

Stefan Aust über sein Aufwachsen im Alten Land

Eine Aussage, wie sie typisch ist für Stefan Aust. Er kokettiert gerne. Dabei hat er es in wichtigen Medienhäusern bis ganz nach oben geschafft, unter anderem als Chefredakteur des "Spiegel" (1994-2008), sowie als Herausgeber der Tageszeitung "Die Welt" (seit 2014). Wenn Aust auf sein Leben zurückblickt, fallen jedoch Sätze wie: "Eigentlich bin ich im Leben nicht besonders weit gekommen.", oder "Eigentlich bin ich ja Bauer.".

An beidem ist etwas dran. Armstorf-Stade-Hamburg: Das ist die geografische Achse, auf der sich sein Leben die meiste Zeit abgespielt hat. Als ältestes von fünf Kindern fängt alles auf dem Bauernhof seines Großvaters im Alten Land an: "Mein Vater ist morgens um 5 Uhr aufgestanden und hat die Kühe gemolken. Und wir Kinder mussten zwar mithelfen, hatten aber auch eine wunderbare Jugend. Wir sind mit einem kleinen Trecker durch die Gegend gefahren, haben Brennholz gesammelt und riesige Osterfeuer entzündet. Oder wir sind mit ausgeliehenen Booten auf der Elbe entlang gefahren oder mit Pferden am Flussufer entlang geritten."

Zu mir hat sie oft gesagt: "Komm, halt` du dich da raus – du bist doch unpolitisch!"

Stefan Aust über seine Zusammenarbeit mit der späteren RAF-Terroristin Ulrike Meinhof

Abenteuer gibt es von Anfang an reichlich im Leben von Stefan Aust. Davon kann man sich in seiner Autobiografie "Zeitreise" überzeugen. Über die Schülerzeitung seines Gymnasiums in Stade lernt er Mitte der 1960er Jahre Klaus Rainer Röhl kennen. Der holt ihn – nachdem Aust Abitur gemacht hat – zur linken Zeitschrift "konkret". Für die schreibt auch Röhls damalige Ehefrau Ulrike Meinhof. Von ihr ist Aust von Anfang an beeindruckt: "Sie war 12 Jahre älter als ich und sie war unglaublich gebildet. Der konnte ich nicht das Wasser reichen. Sie konnte unglaublich gut argumentieren und hatte eine sensationelle Stimme, mit der sie ihre Inhalte außerordentlich gut rüberbringen konnte." Aber Aust merkte auch, dass sie schwierig war und rüde Umgangsformen hatte: "Zu mir hat sie oft gesagt: 'Komm, halt` du dich da raus – du bist doch unpolitisch!'"

Im Visier der RAF

Auch Aust soll später noch eine unangenehme Erfahrung mit Ulrike Meinhof machen. Nachdem Meinhof sich entschlossen hat, in den Untergrund zu gehen, will sie ihre beiden Zwillingstöchter in ein Camp der militanten "Al Fatah" im Libanon schicken. Als Aust über einen gemeinsamen Bekannten davon erfährt, entschließt er sich, das zu verhindern. Er gibt sich als Gesandter der Baader-Meinhof-Gruppe aus und findet die siebenjährigen Zwillinge auf Sizilien. In Rom übergibt er sie ihrem Vater, Klaus Rainer Röhl, der sie als vermisst gemeldet hatte.

Als die Rückholaktion auffliegt, wird es lebensgefährlich für Stefan Aust: "Eines Abends standen plötzlich Andreas Baader und Horst Mahler vor unserer Tür in Hamburg und wollten uns abknallen. Zum Glück war auch ein Hamburger Studentenführer mit dabei, der so getan hat, als würde er mit ihnen kooperieren. Der hat dann nachts um drei Uhr bei uns an der Tür geklingelt und uns gewarnt: 'Macht kein Licht an, ihr müsst hier in drei Minuten weg sein, sonst seid ihr tot.'"

Durch den Hinterausgang gelingt Stefan Aust gerade noch rechtzeitig die Flucht. Sein Buch "Der Baader-Meinhof-Komplex" wird zum Standardwerk über die linksextreme Terrorgruppe RAF, die in den 1970er und 1980er Jahren eine blutige Spur durch Deutschland zieht.

Ich hatte schon zu Beginn der Woche das Gefühl, dass da etwas passieren würde.

Stefan Aust über sein journalistisches Gespür beim Fall der Mauer

Austs Karriere als Journalist führt ihn von "konkret“ über "Panorama" vom NDR zum Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", wo er als Ziehsohn von Verleger Rudolf Augstein 1994 Chefredakteur wird. Davor war er Gründer und Leiter von "Spiegel TV". Diese Jahre sind ihm bis heute als die schönsten seines Berufslebens in Erinnerung geblieben. Seine Fernsehbilder des sich öffnenden Schlagbaums am Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße im Herbst 1989 gehören heute zum Unesco-Weltkulturerbe. "Es war ein Bauchgefühl. Es waren zu dieser Zeit noch andere Fernsehteams dort. Aber wir waren die Einzigen, die dort geblieben sind. Ich hatte schon zu Beginn der Woche das Gefühl, dass da etwas passieren würde. Und so sagte ich dem Kollegen Georg Mascolo und unserem Kameramann: 'Bleibt einfach in der Nähe der Mauer – da passiert was!' Und so kam es dann auch. Sie fingen als Einzige den Moment ein, wie sich der Schlagbaum öffnete und die Menschen unkontrolliert durchkamen."

Pferdezüchter - und immer noch umtriebig

Auch mit 75 Jahren denkt Stefan Aust noch lange nicht an die Rente. Erst gerade hat er für den Streamingdienst "TV now" eine mehrteilige Serie über Angela Merkel produziert. Und auch auf seinem Hof in Armstorf bei Bremervörde gibt es immer was zu tun. Dort führt er einen kleinen Familienbetrieb, der seit über 40 Jahren Spring- und Dressurpferde züchtet, ausbildet und verkauft. Ob er Pferde mehr liebe als Menschen, ist er schon mal gefragt worden. Seine Antwort lässt Raum für Interpretationen: "Nein, ich glaube, das ist umgekehrt!"

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 1. Juli 2021, 18:05 Uhr