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Die Nacht

Im Porträt Schauspieler Sabin Tambrea will mit seiner Arbeit die Herzen berühren

Autorinnen und Autoren

  • Gerhard Snitjer
Sabin Tambrea
Sabin Tambrea war im November live auf der Bremen-Zwei-Herbstgäste-Bühne zu Gast. Bild: Marcus Höhn

In 20 Jahren als Schauspieler war Sabin Tambrea schon Vieles: Liebhaber, Mordverdächtiger, Jesus, Nazi, Vampir, Bösewicht, Siegfried, Transfrau, Stalker, Rübezahl. Sein Publikum kennt ihn von der Theaterbühne, vom Fernsehschirm und von der Kinoleinwand – und jetzt als Romanautor.

Gesprächszeit "Wir wollten Herzen berühren" – Sabin Tambrea

Sabin Tambreas Gesicht prägt sich ein – ob er einen hageren Mönch spielt oder einen düster gestimmten Millionärssohn. Jetzt hat er auch ein Buch geschrieben.

Sabin Tambrea
Sabin Tambrea Bild: Marcus Höhn
Bild: Marcus Höhn

"Eigenwillig", dieses Wort passt fast zur gesamten Künstlerbiografie von Sabin Tambrea – und auch auf das Format seiner ersten schriftstellerischen Arbeit. Eigentlich sollte "Nachtleben" ein Drehbuch werden. In der jetzt veröffentlichten Romanform ist es ein Spiel mit Erzählebenen und Zeitsprüngen, mit ungewöhnlicher Sprache und erfundenen Wörtern. Ein Beispiel: Eine Lehrerin, die die Quasselei ihrer Schüler abstellen will, "guillotiniert das Gefröhle".

Theaterbühne statt Orchester

Sabin Tambreas Eigensinn zeigt sich schon bei seiner Berufswahl, die seinen Eltern einen Stich versetzt haben dürfte: Sie sind beide Orchestermusiker, setzten sich in den 1980er-Jahren teils unter Lebensgefahr aus Ceaucescus Rumänien ab – da war Sabin im Vorschulalter – und boten in Deutschland ihren Kindern viel musikalische Förderung. "Musik ist unsere gemeinsame Muttersprache", sagt der Künstler. Er lernte Geige, Bratsche, Klavier, Harmonielehre und Dirigieren. Reihenweise gewann er "Jugend musiziert"-Wettbewerbe. Aber dann zog es ihn doch zur Bühne.

Sabin Tambrea im Gespräch mit Bremen Zwei-Moderatorin Kathrin Krämer im Oldenburger "Figurentheater Laboratorium"
Sabin Tambrea und Bremen-Zwei-Moderatorin Katrin Krämer im Oldenburger "Theater Laboratorium". Bild: Radio Bremen | Gerhard Snitjer

Schon im ersten Jahr an der Ernst-Busch-Schauspielschule muss Tambrea etwas ganz Besonderes ausgestrahlt haben. Der Regie-Papst Claus Peymann holte ihn zum Berliner Ensemble. Zu Anfang gerieten die beiden starken Charaktere oft aneinander. "Der hat mich fertig gemacht", erinnert sich Sabin Tambrea. "Irgendwann in einer Hauptprobe sind mir die Sicherungen durchgebrannt und ich habe ihn von der Bühne aus angeschrien: 'Sie Arschloch!' Jedenfalls bin ich beim 'Sie' geblieben", lacht er. Das Verhältnis habe sich über die Jahre sehr verbessert.

... und dann Film und Fernsehen

Theaterlegende Peymann forderte und förderte den jungen Schauspieler, der bald auch für Film und TV entdeckt wurde. Selbstbewusst, mutig, forsch und manchmal auch ein bisschen respektlos bringt er sich für begehrte Rollen ins Spiel – und bekommt sie dann häufig auch, teils gegen hunderte Konkurrenten. Zur Freude des Oldenburger "Herbstgäste"-Publikums erzählt Tambrea, wie er sich um die Rolle des bayrischen Märchenkönigs Ludwig II. bewarb, die ihm schlagartig Popularität und viele Auszeichnungen einbrachte. Reiten war Voraussetzung: "Ich hab' gesagt: 'Ich kann reiten, ich muss das nur noch lernen.' Das war meine kleine Lüge beim Casting."

Fernsehfilme und -serien folgten. In jüngerer Zeit konnte man Tambreas markante Züge im Dreiteiler "Ku'damm" und in der Serie "Babylon Berlin" sehen. Im kommenden Jahr wird er in einer Romanverfilmung vor der Kamera stehen: in einer Traumrolle als Franz Kafka.

Wir hatten alle das gleiche Ziel: Wir wollten Herzen berühren.

Sabin Tambrea über Parallelen in der Schauspieler- und Puppenspieler-Ausbildung

Als entspannten und auskunftsfreudigen Herbstgast stellte Moderatorin Katrin Krämer den 37-jährigen Sabin Tambrea im Oldenburger "Theater Laboratorium" vor. Zum Puppenspiel hat er seit der Schauspielschule eine Beziehung. "Wir Schauspieler und die Puppenspieler-Klassen konnten viel voneinander lernen", sagt er. "Wir hatten alle das gleiche Ziel: Wir wollten Herzen berühren."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 26. November 2021, 18:05 Uhr