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Der Morgen mit Anja Goerz

Im Porträt Roland Emmerich: "Kino muss groß und aufregend sein."

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Regisseur Roland Emmerich
Regisseur Roland Emmerich wird am 10. November 2020 65 Jahre alt. Bild: Imago | Zuma Press

Er hat das Weiße Haus mehrfach in die Luft gejagt, New York, Paris und Los Angeles zerstört und die Erde von Aliens angreifen lassen. Roland Emmerich ist Experte, wenn es darum geht, auf der Leinwand Dinge kaputt zu machen.

Roland Emmerichs Filme werden fast immer Blockbuster. Zuletzt hat er die Schlacht bei Midway verfilmt, in der die USA im Zweiten Weltkrieg einen Großteil der japanischen Flugzeugträger versenkt und Japan in die Defensive gedrängt haben. Die dreitägige Schlacht setzte Emmerich mit Hilfe von Computertechnik sehr lebensnah und gewohnt effektvoll in Szene: "Ich glaube, die Schlacht um Midway ist die größte Comeback-Story des Zweiten Weltkriegs."

Kino sollte nicht klein sein – es muss groß und aufregend sein.

Roland Emmerich über seine Lust am Blockbuster

In seinen Anfangsjahren wurde Roland Emmerich gerne etwas spöttisch als das "Spielbergle von Sindelfingen" bezeichnet. Doch aus dem Schwaben ist einer der bekanntesten deutschen Exporte nach Hollywood geworden. Dabei wollte Emmerich eigentlich Filmausstatter werden. Doch bei einem Praktikum beim damaligen Süddeutschen Rundfunk entdeckte eine Kollegin sein Talent und riet ihm, sich an der Filmhochschule zu bewerben. Dort wurde er, der sich früher nie vorstellen konnte, mal Kino zu machen, genommen – und machte schon früh auf sich aufmerksam. "Kino sollte nicht klein sein – es muss groß und aufregend sein", sagt er gerne.

Emmerich hat gleich groß angefangen

Schon sein Abschlussfilm als Student, "Das Arche Noah-Prinzip" kostete 50 mal mehr als die Projekte seiner Kommilitonen – rund 1 Million D-Mark. Unter anderem mit Hilfe des legendären Produzenten Bernd Eichinger und zahlreicher Filmförder-Gremien trieb Emmerich das Geld auf. Der Lohn: eine Einladung zum Wettbewerb der Berlinale und internationale Aufmerksamkeit, die ihm recht bald Jobangebote aus Hollywood einbrachte. Dort kombinierte er irgendwann das Genre des Katastrophenfilms mit dem des Science-Fiction-Films. Das Ergebnis hieß "Independence Day" – sein endgültiger Durchbruch.

Ich möchte bis zum Ende meines Lebens im Regiestuhl sitzen.

Roland Emmerich über seine große Arbeitsmotivation

Inzwischen kann Emmerich auf eine gut 40-jährige Karriere zurückblicken, die er zu großen Teilen in den USA verbrachte. Er hat inzwischen auch den amerikanischen Pass, aber trotz der langen Zeit ist er immer auch Schwabe geblieben: "Ich hab' mich immer für Amerika interessiert. Jetzt muss ich sagen: Ich bin so halb Amerikaner, halb Deutscher. Es hört sich seltsam an, aber ich habe auch beide Pässe und wähle auch in beiden Ländern." Er wechselt fließend vom Englischen in seinen Heimatdialekt. Nur eine schwäbische Eigenschaft besitzt er nicht – Sparsamkeit. Auch wenn seine Mutter ihn immer dazu ermahnt, gibt er Geld aus "wie blöd" – auch für karitative Zwecke. So unterstützt er nicht nur das Gay and Lesbian Center in Los Angeles, er spendet auch für Obdachlose und den Klimaschutz. Der liegt ihm so sehr am Herzen, dass er mit "The Day After Tomorrow" schon vor 15 Jahren einen Film über das Thema gedreht hat, in dem der Klimawandel weite Teile der Erde in eine Eiswüste verwandelt.

Ich drehe ja keine Horrorfilme.

Roland Emmerich auf die Frage, warum Trump nicht in seinen Filmen vorkommt

Inzwischen ist Emmerich 65 Jahre alt, doch ans Aufhören denkt er nicht: "Ich möchte bis zum Ende meines Lebens im Regiestuhl sitzen", lächelt er. Mindestens zehn Drehbücher hat er noch in der Schublade, sein nächster Film ist schon in Planung - "Moonfall" soll er heißen und es ist – mal wieder – ein Katastrophenfilm. Aber einer "mit philosophischem Unterbau", wie Emmerich betont. In seinen Filmen tauchen übrigens immer wieder auch US-Präsidenten auf, die immer an ihre "echten" Vorbilder wie Bill Clinton oder Barack Obama erinnern. Nur Donald Trump hat er diese Ehre nicht zuteil werden lassen – denn, so sagt Emmerich: "Ich drehe ja keine Horrorfilme".

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 9. Dezember 2019, 18:05 Uhr