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Im Porträt Bundesverdienstkreuz für Musikproduzent Richard Weize

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Richard Weize steht vor einem Regal mit Schallplatten (Archivbild)
Ein Leben für die Musik: 1975 gründete Richard Weize das Label "Bear Music Records". Für sein Lebenswerk erhielt er jetzt das Bundesverdienstkreuz. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Sein Musik-Label "Bear Family Records" gründete er 1975. Rund 40 Jahre betrieb der Musikunternehmer, Produzent und Sammler Richard Weize das Label und einen angegliederten Handel für Tonträger, dann verkaufte er seine Firma. Für sein gigantisches Lebenswerk bekam Richard Weize jetzt das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Gesprächszeit "Das Bundesverdienstkreuz kam für mich aus heiterem Himmel" – Richard Weize

Sein Musik-Label "Bear Family Records" gründete er 1975. Jetzt bekam der niedersächsische Musikproduzent und Sammler Richard Weize das Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk.

Audio vom 25. Februar 2021
Richard Weize steht vor einem Regal mit Schallplatten (Archivbild)
Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Als "Bear Family Records" 40 wurde, sang US-Legende Ry Cooder Richard Weize 2015 ein Ständchen. Er war nicht der einzige prominente Gratulant. Auf einem alten Bauernhof in der Samtgemeinde Hambergen residiert Weize mit seiner gigantischen Musik-Sammlung bis heute, nach Anfangsjahren in Bremen. Einige Kilometer entfernt betreiben seine Nachfolger weiter "Bear Family".

Wertschätzung ist toll, aber entscheidend ist: Bin ich selbst mit mir zufrieden?

Richard Weize über seine Motivation

Der bärige Ex-Chef, der 1945 im niedersächsischen Bad Gandersheim geboren wurde, ist noch der alte: ein Mann klarer Worte, mit legendärem Outfit – Nickelbrille, Jeans-Latzhose, Pferdeschwanz. Ein Erfolgsrezept hat es in seinem unternehmerischen Selbstverständnis nicht gegeben. Im Grunde genommen habe er sich für das Kaufmännische nie interessiert, sagt er. Das sei bis heute so. "Ich habe immer erst das Produkt gemacht und habe dann gesagt – friss Vogel oder stirb. Aber es ist natürlich schön, dass es gewürdigt wird, findet Weize: "Die Wertschätzung ist toll, aber entscheidend ist: 'Bin ich selbst mit mir zufrieden?'"

Spektakuläre Musikprojekte

Richard Weize hat viel gearbeitet in seinem Leben, unentwegt, ohne Unterlass. Zahllose Veröffentlichungen hat er betreut, darunter auch Spektakuläres wie eine für den Grammy nominierte Box mit schwarzer Musik aus Europa vor 1927 oder ein Projekt über jüdisches Musikleben im Berlin der 1930er Jahre. Alte Schlager, Kabarett und Deutschfolk kamen hinzu, vieles andere mehr. Weize wurde schon als Jugendlicher zum Fan und Sammler. Es ging zunächst um Amerika, um Rock'n'Roll und Country Music. "Da man kein Geld hatte, tauschte man natürlich Platten mit Freunden und Bekannten aus. Das ist 'ne Sache, die prägt einen. Auch die Suche nach Sachen, was ja heute gar nicht mehr der Fall ist." Heute suche jeder mal eben im Internet – das nehme jegliche Spannung weg.

Das Sammeln liegt in der Familie

Richard Weize wuchs in einer Traditionsbuchhandlung nebst Buchbinderei auf. Seine Mutter war Hobby-Chronistin hinsichtlich Familien- und Stadtgeschichte. Kostbares Wissen ging mit ihrem Tod verloren. "Ich hab' meine Mutter immer veräppelt für den Quatsch, den sie da macht und wen das denn eigentlich interessiert – um später festzustellen, dass ich genau das Gleiche mache, bloß auf anderer Ebene. Es scheint genetisch bedingt zu sein, Bekloppter zu sein."

Intensive Kontakte nach Amerika

Der Weg von Richard Weize führt über Umwege zur eigenen Firma. Der Briefkopf der heimischen Buchhandlung erlaubte es ihm, Schallplatten bei US-Großhändlern zu bestellen. Er verkaufte sie weiter mit Gewinn. In den sechziger Jahren wird der eingefleischte Kaffeetrinker Weinverkäufer in England. Zurück in Deutschland, etabliert er sein Musik-Business, zunächst in Bremen.

Richard Weize steht an seinem Schreibtisch (Archivbild)
Richard Weize hat Jahrzehnte lang Musik gesammelt und verlegt. Jetzt macht er Teile seines Archivs digital zugänglich. Bild: DPA | Carmen Jaspersen

Weize hat Glück. Die 1970er Jahre bringen auch in Deutschland neues Interesse an Country-Music. Die US-Kontakte intensivieren sich, der Deutsche erhält Zugang zu US-amerikanischen Archiven. Viele Reisen führen ihn regelmäßig über den Atlantik. In der Erinnerung bleibt vor allem Positives: "Ich kann mich eigentlich an nichts wirklich Schlechtes erinnern. Mein ganzes Leben war eigentlich gut."

Ein Sammler ist bekloppt. Der freut sich, das zu haben. Und wenn er es braucht, dann greift er zu.

Richard Weize über die Psyche des Sammlers

Ganz ohne Arbeit geht es auch im Alter nicht. Auf der Website "andmorebears.com" macht Weize der Öffentlichkeit Teile seines Archivs digital zugänglich. Das Lebens-Projekt namens "Sammlung" existiert weiter, zusammengetragen vom selbst ernannten "Bekloppten": "Ein Sammler ist bekloppt. Der freut sich, das zu haben. Und wenn er es braucht, dann greift er zu", sagt Weize. Für sein Lebenswerk hat Richard Weize jetzt das Bundesverdienstkreuz bekommen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 2, Februar 2021, 16:35 Uhr.