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Der Vormittag mit Britta Lumma

Im Porträt Karriere nach dem Sport: Torhüter Richard Golz ist heute Headhunter

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Richard Golz
Heute sucht er Spitzenkräfte für den Sport: Ex-Keeper und Headhunter Richard Golz Bild: Hager Personalberatung

Weil er als Kind immer schon etwas größer war als alle anderen, ist Richard Golz schnell im Tor gelandet. "Im Nachhinein war das ganz gut so", schmunzelt Richard Golz, der jahrelang Keeper des HSV und des SC Freiburg war. Als Headhunter sucht er heute Spitzenleute für die Sportbranche. Außerdem will er als sportlicher Leiter des Regionalligisten Altona 93 mit Talenten aus Hamburg und Umgebung erfolgreich sein.

Gesprächszeit "Es gibt auch noch ein Leben danach" – Richard Golz

Richard Golz ist als jahrelanger Keeper des HSV eine norddeutsche Torwartlegende. Als Headhunter sucht er heute Spitzenleute für die Sportbranche.

Audio vom 29. Januar 2021
Richard Golz
Richard Golz Bild: Hager Personalberatung

Richard "Richi" Golz hütete zwischen 1987 und 1998 für den Hamburger SV das Bundesliga-Tor. Eine Zeit, in der die Fußballwelt für die Fans der Rothosen noch einigermaßen in Ordnung war. Die Spezialität des fast zwei Meter großen Hünen: Elfmeter halten und selbst in hitzigen Situationen die Ruhe bewahren.

Wenn man als 'Adrenalin-Junkie' in vollbesetzten Stadien gespielt hat, sind das emotionale Momente, die man nicht vergisst.

Richard Golz über seine aktive Zeit als Torhüter

Doch Richard Golz hat sich auch frühzeitig um die "Karriere nach der Karriere" gekümmert. Und so steht er heute nicht mehr zwischen den Pfosten, sondern sitzt vor allem hinter dem Schreibtisch. Als Headhunter für eine Frankfurter Unternehmensberatung vermittelt er Fach- und Führungskräfte aus dem Sportbereich. Zu seinen Auftraggebern gehören Sportvereine, Verbände, Sponsoren und Ausrüster. Ein spannender, abwechslungsreicher Job, an den sich Richard Golz jedoch erst gewöhnen musste: "Wenn man als 'Adrenalin-Junkie' in vollbesetzten Stadien gespielt hat, sind das emotionale Momente, die man nicht vergisst. Auch heute kommt es gelegentlich noch vor, dass ich hinter dem Schreibtisch sitze und laut jubele. Zum Beispiel, wenn ich nach langen Verhandlungen einen Vermittlungsvertrag abschließen konnte. Da ich Corona-bedingt aber fast ausschließlich im Homeoffice arbeite, nehmen das nur meine Hunde zur Kenntnis – mit verständnislosen Blicken."

Trainer des eigenen Sohnes? Nicht so einfach!

Die drei Windhunde "Pluto", "Emily" und "Simba" halten Golz auch im zweiten Berufsleben in Bewegung. Er joggt gerne um die Alster, um die – wie er sagt "körperliche Statik am Leben zu halten". Und als sportlicher Leiter des Regionalligisten Altona 93 will er mit Talenten aus Hamburg und Umgebung erfolgreich sein. Fußball spielt er selbst aber nur noch selten. Das überlässt er lieber seinem Sohn Jakob. Der steht beim Regionalligisten Rot-Weiss Essen im Kasten und gilt als großes Talent. Der Weg dahin war für den Junior jedoch steinig. Vor allem als Jakob noch Jugendspieler beim HSV war und unter strenger Beobachtung des Vaters stand, der damals Torwart-Trainer war: "Wenn der Vater der Trainer des Sohns ist, dann gibt es eigentlich nur zwei Konstellationen: entweder du bist zu nett, oder du bist zu streng."

Da dachte ich gleich: 'Unter normalen Umständen muss ich jetzt rein, weil Uli eine rote Karte bekommt.'

Richard Golz über seinen ersten Bundesligaeinsatz nach einem Foulspiel seines Teamkollegen
Richard Golz
Als 19-Jähriger startete Richard Golz Ende der achtziger Jahre beim HSV. Bild: Richard Golz

Sich durchzusetzen – das musste auch Golz früh lernen. Seine Fußballkarriere begann völlig unerwartet im Alter von 19 Jahren. Ort des Geschehens: das Supercup-Finale 1987 zwischen dem FC Bayern und dem Hamburger SV. Kurz vor Schluss stochert Bayern-Stürmer Jürgen Wegmann den Ball im Liegen an HSV-Keeper Uli Stein vorbei zum 2:1 Siegtreffer ins Netz. Doch zum Jubeln kommt der Bayern-Spieler nicht. Stattdessen spürt er die Faust von Uli Stein im Gesicht. Der hatte Wegmann aus Frust kurzerhand K.o. geschlagen. Golz, der die Szene von der Ersatzbank aus beobachtet hatte, kann sich noch genau erinnern: "Ich habe gesehen, wie Uli Stein ihn niedergestreckt hat. Da dachte ich gleich: 'Unter normalen Umständen muss ich jetzt rein, weil Uli eine rote Karte bekommt'." So kam es dann auch. Zum Glück waren nur noch wenige Minuten zu spielen. "Auf dem Weg vom Platz in die Kabine kam dann der ein oder andere Bayern-Spieler und sagte: 'So du bist jetzt nächste Woche dran'. Da hab ich gedacht: 'Stimmt. Du hast jetzt eine Woche Zeit, um dich auf dein erstes Bundesligaspiel vorzubereiten.'."

Der Profifußball wandelt sich - mal schneller, mal langsamer

Mit diesem handfesten Skandal begann eine der längsten Bundesliga-Karrieren aller Zeiten. In 21 Profijahren brachte es Golz auf mehr als 450 Einsätze. Die meisten davon für den HSV und den SC Freiburg. In beiden Clubs avancierte Golz wegen seiner ruhigen, umsichtigen Art schnell zum Publikumsliebling. Eine Zeit, in der es nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes noch anders zuging. Im Mannschaftsbus des HSV etwa: "Damals war es durchaus üblich, dass eine Mannschaft zu 30 Prozent aus Rauchern bestand. Und wenn du dann eine vier Stunden dauernde Rückfahrt von Dortmund nach Hamburg hattest, haben die gerne Karten gespielt und dabei Kette geraucht, so dass du mit einem dicken Schädel aus dem Bus gestiegen bist."

Auch wenn der Profifußball heute in vielerlei Hinsicht deutlich professioneller geworden ist, hakt es an einer Stelle noch ganz gewaltig. Frauen in Führungspositionen sind in den Vereinen immer noch die große Ausnahme. Das sei einerseits nicht verwunderlich, so Golz, der den Fußball als "die konservativste Institution nach der katholischen Kirche" bezeichnet. Dort einen Bewusstseinswandel bei den Verantwortlichen einzuleiten, sei ein langer Prozess. Aber immerhin einer, davon ist der Headhunter überzeugt, der nicht aufzuhalten sei.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 1. Februar 2021, 18:05 Uhr