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Der Morgen mit Tom Grote

Im Porträt Reinhard Kleist: Graphic Novel über Johnny Cash brachte den Durchbruch

Autorin

Comiczeichner Reinhard Kleist in seinem Studio
Zeichnet am liebsten in schwarz-weiß mit Grauschattierungen: Comic-Zeichner Reinhard Kleist. Bild: Imago | Charles Yunck

Reinhard Kleist ist einer der bekanntesten deutschen Zeichner von Graphic Novels. Mit einer gezeichneten Johnny-Cash-Biografie gelang ihm der Durchbruch – heute begleitet er Konzerte mit Live-Drawings und zeichnet viel über Flucht und Migration.

Comiczeichner Reinhard Kleist in seinem Studio

Gesprächszeit "Brauche ich Farbe oder brauche ich keine Farbe?" – Reinhard Kleist

Comics, die unter dem Namen "Graphic Novels" zusammengefasst werden, boomen. Einer der bekanntesten deutschen Zeichner ist Reinhard Kleist.

Bild: Imago | Charles Yunck

Wenn vor etwa 20 Jahren in Deutschland von Comics die Rede war, dann waren damit meist bunt kolorierte Hefte gemeint, die man im normalen Buchhandel gar nicht kaufen konnte – weil sie den Ruf hatten, keine richtige Literatur zu sein. Das hat sich mittlerweile grundlegend geändert: Vor allem die Comics, die unter dem Namen "Graphic Novels" – "gezeichnete Erzählung" – zusammen gefasst werden, boomen.

Brotlose Kunst in den Neunzigern

Aufgewachsen in einer kleinen Ortschaft in der Voreifel, interessiert sich Reinhard Kleist schon als kleiner Junge sehr für Geschichten und zeichnet heimlich Comics unter dem Schultisch. Nach der Schule möchte er eigentlich Maler werden, aber sein Vater hält das für "brotlose Kunst". Also studiert Kleist stattdessen Grafikdesign an der Fachhochschule Münster. Schon während des Studiums veröffentlicht er seine ersten beiden Comic-Erzählungen. Die deutsche Comicszene ist damals allerdings noch sehr klein und für den internationalen Markt uninteressant.

Und ich hab dann gesagt: "Ok, das wäre jetzt der letzte Versuch, was zu machen."

Reinhard Kleist über die Zeit, als Graphic Novels plötzlich in Mode kamen.
Cover: Reinhard Kleist, Johnny Cash - I see darkness,Carlsen
Bild: Carlsen

Ein Umzug nach Berlin bringt Inspiration – und dann, Ende der 1990er, kommt der Wandel auf dem Buchmarkt, erzählt der 52-Jährige: "Graphic Novels wurden von einigen Verlagen in Deutschland gepusht, und ich hab dann gesagt: 'Ok, das wäre jetzt der letzte Versuch, was zu machen'." Er sucht nach Themen, zusammen mit einem Freund, der Johnny-Cash-Interpret ist. "Der hat mich dann auf die Biographie von Johnny Cash aufmerksam gemacht, und das war dann mein Ding."

Musiker-Biografien und Live-Drawing

2006 veröffentlicht Reinhard Kleist eine gezeichnete Johnny-Cash-Biografie mit Namen "Cash – I see darkness". Sie ist der Durchbruch, bringt ihm gleich mehrere Preise ein und erscheint in 15 Ländern, darunter auch in den USA. Seitdem hat der Künstler mehrere Bücher über Musiker gezeichnet, die ihn begeistern – zuletzt über David Bowie.

Er sagt: "Mir macht es total viel Spaß, mit den Mythen des Rock zu arbeiten, beziehungsweise dann auch zu gucken, dass man in einem Medium, in dem man keinen Ton hat, versucht, Ton zu simulieren." Weil er seine Kunst auch gerne mal aus dem Atelier auf die Bühne zu bringt, arbeitet der Zeichner mit der freundlichen, humorvollen Art inzwischen auch mit Musikern zusammen: Er begleitet Konzerte überall auf der Welt mit Live-Drawings.

Es ist ein Thema, was mich innerlich aufwühlt und wo ich versuche, die Kälte der Gesellschaft mit meiner Kunst etwas zu durchbrechen.

Reinhard Kleist über seine Motivation, über Flucht und Migration zu zeichnen.

Reinhard Kleist zeichnet bevorzugt in Schwarzweiß mit Grauschattierungen – und das ziemlich expressionistisch. Fast immer sind es Biografien – allerdings nicht nur von Musikern. In "The Boxer" und "Knockout" hat Kleist sich den Lebensgeschichten von Boxern gewidmet.

Cover: Reinhard Kleist, Der Traum von Olympia, Carlsen
Bild: Carlsen

Und 2015 hat er in "Der Traum von Olympia" das Leben von Samia Yusuf Omar nachgezeichnet; die junge somalische Läuferin ist auf der Flucht nach Europa im Mittelmeer ertrunken. Flucht und Geflüchtete sind Themen, zu denen Reinhard Kleist schon viel gezeichnet hat: "Es ist eine Möglichkeit, um auf ein Thema hinzuweisen, was mich innerlich aufwühlt und wo ich versuche, die Kälte der Gesellschaft mit meiner Kunst etwas zu durchbrechen. Inwieweit mir das gelungen ist, weiß ich nicht, aber ich muss es halt machen."

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 16. Februar 2022, 18:05 Uhr