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Die Nacht

Im Porträt Über 20 Jahre Ehrenamt: Regina Heygsters begleitet Sterbende

Autoren

  • Katharina Mild
eine Frau lacht in die Kamera
Seit vielen Jahren begleitet Regina Heygster Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Bild: Radio Bremen

Lieblingsmenschen, das sind für uns Alltagshelden, die Besonderes leisten oder einfach ihr Umfeld verzaubern. Solche Lieblingsmenschen stellen wir Ihnen regelmäßig vor – wie Regina Heygster. Sie ist gleich doppelt ehrenamtlich engagiert: Sie hat den Bremer Friedenstunnel gegründet und ist als Sterbebegleiterin aktiv.

Jeden Sonntag um 12 Uhr wird der Bremer Friedenstunnel zum Konzertsaal. Ein paar Stühle aus der benachbarten Kneipe stehen für das Publikum bereit, vorne basteln sich wechselnde Musikerinnen und Musiker eine improvisierte Bühne.

Es gibt immer Geräusche, die stören. Aber die Musik des Friedens, die spielt weiter. Wir müssen uns auf die Musik konzentrieren und nicht auf die Autos, die stören.

Regina Heygster über Konzerte im Bremer Friedenstunnel

Organisiert werden diese sonntäglichen Konzerte von Regina Heygster. Die Bremerin hat aus dem ehemals tristen Rembertitunnel, über den Züge fahren, einen bunten Ort gemacht. Sie hat ihn zum Friedenstunnel umgebaut, mit Mosaiken und Sprüchen gestaltet und sie leitet den dazugehörigen Trägerverein seit der Gründung bis heute. Die sonntäglichen Konzerte sind für sie Ausdruck dafür, worum es ihr mit dem Projekt geht: Menschen zusammenzubringen. Dass es während des Konzerts lebendig zugeht, Menschen vorbeikommen und Autos durch den Tunnel rauschen, stört Heygster nicht: "Es ist so wie in der Welt: Es gibt immer Geräusche, die stören. Aber die Musik des Friedens, die geht immer weiter. Wir müssen uns auf die Musik konzentrieren und nicht auf die Autos, die stören."

eine Frau lacht in die Kamera
Regina Hegsters hat den Bremer Friedenstunnel initiiert. Jeden Sonntag findet dort ein Friedenskonzert statt. Bild: Radio Bremen

Neben den sonntäglichen Konzerten organisiert Regina Heygster unter dem Dach des Friedenstunnels auch Führungen, Diskussionen, Lesungen oder Projekte mit Schulen. Und immer mal wieder muss auch ein Mosaik ausgebessert oder eine Lampe repariert werden. Für all das sorgt die 66-Jährige. Und ihr Engagement kommt an. Zum Beispiel bei Sedat Sevimli. Auch er engagiert sich im Friedenstunnel und hat dadurch viele verschiedene Menschen kennengelernt. "Wahre Freundschaften sind entstanden," erzählt er. Daran habe Regina Hegster großen Anteil: "Das hat Regina geschafft. Diese Gruppe mit verschiedenen Ansichten, verschiedenen Weltsichten. Den Mittelpunkt zu finden und sich wertzuschätzen. Das ist Reginas Werk."

Sterbebegleiterin im Hospiz

Begonnen hat das Engagement von Regina Heygster allerdings ganz woanders – lange vor dem Friedenstunnel – in den neunziger Jahren: Die studierte Grafikdesignerin ist junge Mutter, als sie sich erstmals ehrenamtlich engagiert. Ein Zeitungsartikel über Hospizarbeit animiert sie. "Er hat mich so im Herzen berührt, dass ich sofort dachte: 'Den Kurs mache ich jetzt. Ich lerne Hospizarbeit.'"

"Mitfühlende Begleitung von schwerst- und sterbenskranken Menschen und deren Angehörigen" heißt der Kurs. Regina Heygster lernt, was es heißt, Menschen an ihrem Lebensende mit Geduld, Ruhe und Mitgefühl zur Seite zu stehen und auch für die Angehörigen da zu sein und ihnen zuzuhören. Der Kurs bestärkt sie in ihrem Gefühl: Das will ich und das kann ich auch. "Ich hatte wirklich so ein Zuhause-Gefühl dabei, als ich an den Betten der Menschen wachte, die knapp vor ihrem Lebensende waren. Das hat mich sehr verändert."

Eine Menschenfreundin

Innerhalb eines Jahres geht Regina Heygster in den Vorstand des Hospizvereins, für den sie ehrenamtlich im Einsatz ist – und bleibt dort. Heute bereitet sie andere Ehrenamtliche auf die Sterbebegleitung vor und gibt ihnen Supervision. Daneben kümmert sie sich im Vorstand um viele organisatorische Dinge, wirbt neue Ehrenamtliche, sammelt Spendengelder und sorgt für Präsenz in den sozialen Medien. Auch im Hospizhilfe-Verein ist Regina Heygster bekannt für ihre Fähigkeit, Konflikte zu lösen, Menschen zu motivieren und vor allem: alle mitzunehmen, erzählt ihr Lebensgefährte und Vorstandskollege Gunnar Zropf: "Neben dem, dass sie eine sehr starken Charakter hat und genau weiß, was sie will, nimmt sie alle mit. Sie ist sehr emphatisch und sehr menschenfreundlich. Bei ihr sind immer alle gleich wichtig."

Käthe Kollwitz hat mal einen wunderbaren Spruch geprägt, und den versuche ich zu leben: 'Ich sah die Welt mit liebevollen Blick.'

Regina Heygster über ihre Einstellung zum Leben und den Menschen

Ob in der Hospizarbeit oder im Friedenstunnel: Regina Heygster geht es immer um die Liebe zueinander: "Damit meine ich nicht erotische Liebe, sondern Liebe zum Leben, Liebe zum anderen Menschen. Käthe Kollwitz hat mal einen wunderbaren Spruch geprägt und den versuche ich zu leben: 'Ich sah die Welt mit liebevollen Blick.' Diesen liebevollen Blick praktiziert Regina Heygster privat und bei ihren Sterbebegleitungen, aber sie bringt ihn mit dem Friedenstunnel auch in die Öffentlichkeit. Und sie wirbt dafür, dass sich auch andere Menschen davon anstecken lassen mögen.

Besucherin im Friedenstunnel in Bremen (Archivbild)
Der Friedenstunnel ist mit Texten aus aller Welt zum Thema Frieden geschmückt. Jeden Sonntag liest Regina Heygster einen davon vor. Bild: DPA | Ingo Wagner

Davon zeugen die Texte an den Wänden des Friedenstunnels, von denen Regina Heygster jeden Sonntag bei den Friedensklängen einen vorliest. Denn "nur wenn wir in dieser Welt gemeinsam Hass abbauen und Freundschaften schließen, nur dann hat diese Welt eine Zukunft. Ich glaube, diese Worte stimmen. Johannes Rau hat sie wahr gesprochen", sagt Heygster. Jeden Sonntag tragen die Friedensklänge im Friedenstunnel ein bisschen dazu bei.

Mehr Lieblingsmenschen

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 31. Juli 2021, 15:20 Uhr.