• Als nächstes läuft:

  • Um 18:18 Uhr läuft: Someday Jacob Always On The Run
  • Davor lief:

  • Um> 18:06 Uhr lief: The Minus 5 Boyce & Hart
  • Um> 17:56 Uhr lief: John Butler Trio Spring To Come
  • Um> 17:51 Uhr lief: Aura Dione Song For Sophie
  • Um> 17:42 Uhr lief: Onk Lou Drum Stick Move
  • Um> 17:39 Uhr lief: Fruit Bats Eagles Below Us
  • Um> 17:32 Uhr lief: Suzanne Vega Marlene On The Wall
  • Um> 17:28 Uhr lief: Benjamin Gibbard Teardrop Windows
  • Um> 17:20 Uhr lief: Maria Solheim feat. Monobird Dance Around The Living Room
  • Um> 17:18 Uhr lief: The Jayhawks Living In A Bubble
  • Um> 17:09 Uhr lief: Dido White Flag

Gesprächszeit mit Hendrik Plaß

Auf der Bühne Ein Theaterexperiment, das mit gängigen Erwartungen bricht

Autorin

Szenenbild Theater Bremen: Verfall. Ein Picknick im Grünen
Trügerische Idylle: Eine Gruppe Menschen trifft sich zum Picknicken in der Natur. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Im Theater Bremen gab es eine ganz besondere Uraufführung. Das Stück "Verfall. Ein Picknick im Grünen" stammt nicht aus der Feder eines Autors oder einer Autorin, sondern von einem Textgenerator namens GPT-3. Bremen-Zwei-Reporterin Christine Gorny hat sich dieses Produkt Künstlicher Intelligenz angesehen.

Der Textgenerator GPT-3 – Generative Pro-trained Transformer – ist ein sogenanntes Sprachmodell, eines der am weitesten entwickelten Programme. Es kann Schach spielen und programmieren, vor allem aber kann es Muster erkennen und dadurch menschliche Konversation täuschend echt imitieren.

Das Stück beschreibt eine Sommeridylle im Park, das Sonntags-Picknick im Grünen: eine Mutter mit Baby, ein Spaziergänger mit Hund und eine Frau im Liegestuhl, zwei jugendliche Freundinnen, eine Joggerin und ein Mann vom Ordnungsamt, eine Pizzalieferantin und ein Sonnenanbeter. Was mit ihnen passiert, entscheidet die K.I. mit absurden Szenen und brutalen Wendungen, bis die trügerische Idylle schließlich zerfällt. Einer ertrinkt, eine andere verbrennt, der nächste wird von einem Bienenschwarm getötet. Während sich die Lage der Figuren dramatisch verändert, bleibt das Bild auf der Bühne davon allerdings weitestgehend unberührt, quasi erhalten für die Ewigkeit.

Textgenerator GPT-3 als Autor der Inszenierung

Der gesamte Text war vorab eingesprochen worden und wird eingespielt. Dazu agieren die Schauspieler wortlos pantomimisch oder sind in ihren Posen eingefroren.

Szenenbild Theater Bremen: Verfall. Ein Picknick im Grünen
Theaterszene mit Sonnenschirm, Picknickkorb und Törtchen. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Es ist eindeutig erkennbar, dass hier kein menschlicher Autor hinter dem Werk steckt. Wohl kaum eine Autorin oder Autor hätte sich getraut, solch ein Stück auf die Bühne zu bringen: durchweg schlichte Hauptsätze, meist banalen Inhalts und ständige Wiederholungen. Über allem hängt Monotonie. Trotz ganz realer Menschen aus Fleisch und Blut, der Bühne und echter Kulissen. Der Bühnenraum ist mit horizontalen und vertikalen Streben durchzogen, durch Knoten verbunden. In diesem riesigen neuronalen Netzwerk entfaltet sich die Picknickszenerie, mit Sonnenschirm, Kühlbox, Decken und Törtchen.  

Akustisch wird das Ganze untermalt von einem regelmäßigen tiefen vibrierenden Ton, der an ein Nebelhorn erinnert. Dazu kommen Vogelgezwitscher und Kinderstimmen, bevor die Geräuschkulisse später ins Unheimliche kippt, wenn das große Sterben beginnt.

Inszenierung wirft Fragen auf

Szenenbild Theater Bremen: Verfall. Ein Picknick im Grünen
Theaterszene aus "Verfall. Ein Picknick im Grünen". Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Das Programm GPT-3 hat getan, was es konnte, nämlich mit ein paar Vorgaben ein Theaterstück zu simulieren. So ist ein Experiment entstanden, das Publikum und Akteure herausfordert. "Die Geschichte wirkt statisch, die Komik unfreiwillig, gängige Erwartungen werden gebrochen. Die Schauspielenden arbeiten die Vorgaben des Algorithmus gekonnt ab, diszipliniert und sprachlos pantomimisch. Regisseur Felix Rothenhäusler will die Aufmerksamkeit offenbar darauf richten, wie Künstliche Intelligenz auf menschliches Leben blickt. Es ist ein kalter, leerer Blick. Offen bleibt, was genau wessen Input ist, was haben Künstliche Intelligenz, Regisseur oder Darstellende beigetragen? Dieser Unsicherheit erzeugt ein unangenehmes Gefühl. Aber das ist vermutlich Absicht. Mich hat das Stück unangenehm berührt, aber immerhin berührt", meint unsere Theaterkritikerin Christine Gorny.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Nachmittag, 1. April 2022, 15:10 Uhr