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Die Nacht

Auf der Bühne Barockoper "Les Boréades" am Oldenburgischen Staatstheater

Les Boréades von Jean-Philippe Rameau

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Tanzszene auf einer dunklen Bühne (Szenenbild Les Boréades)
Premiere am Oldenburgischen Staatstheater: Die deutsche Erstinszenierung von "Les Boréades" steht auf dem Programm. Bild: Staatstheater Oldenburg | Stephan Walzl

Das Oldenburgische Staatstheater hat einen Schatz aus dem französischen Barock ausgegraben – ein weiteres Werk von Jean-Philippe Rameau, dessen Tanzoper "Les Paladins" in der vorletzten Spielzeit in Oldenburg zu sehen war. Jetzt steht die deutsche Erstinszenierung von "Les Boréades" auf dem Programm. Dieses rund 250 Jahre alte Werk wird in Oldenburg zum ersten Mal vor Publikum als Oper mit Ballett, Chor und Orchester aufgeführt. Bremen-Zwei-Reporter Marcus Behrens hat die Endproben in Oldenburg besucht.

Tänzer auf einer dunklen Bühne (Szenenbild Les Boréades)
Szenenbild aus der Nszenierung "Les Boréades" am Oldenburgischen Staatstheater. (scharf: Kihun Yoon und Sébastian Monti)

Verschollene Barockoper erstmals auf der Bühne in Oldenburg

Im französischen Barock waren Oper und Tanz eng verwoben. Das Oldenburgische Staatstheater zeigt jetzt ein lange verschollenes Werk aus dieser Zeit – in deutscher Erstaufführung.

Bild: Staatstheater Oldenburg | Stephan Walzl

"Les Boréades", also die "Boreaden", sind in der griechischen Mythologie die Nachkommen vom Gott des Nordwinds. Diese Geschichte wird auf der ersten Ebene erzählt. Das Werk hat aber auf den weiteren Ebenen noch ganz andere Aussagen, sagt Dramaturgin Stephanie Twiehaus: "Wir haben dieses Stück sehr genau analysiert und sind da in eine Tiefe der Aussage vorgestoßen, die auch zeigt, warum die Zensur es damals verboten hat – nämlich, dass es sich mehr oder minder um einen Aufruf zur Revolution handelt." Für Twiehaus ist die Oper "ein ganz großartiges Werk, musikalisch und inhaltlich", das vermutlich an vielen Häusern gespielt werden wird.

Ein fast vergessenes Musikgenie

1763 wurden die Proben in Paris kurz vor der Uraufführung abgebrochen, Noten und Libretto gut versteckt. Erst 1975 hob John Elliott Gardiner den Schatz in der französischen Nationalbibliothek und führte das Werk in London erstmals überhaupt konzertant auf. Die Bühnen-Uraufführung als Tanzoper fand erst 1982 im französischen Avignon statt. Rameau war zu Lebzeiten eine Welt für sich und der Welt um ihn herum in vielen Bereichen weit voraus, sagt die Dramaturgin: "Er hatte ein sehr komplexes Verständnis von Musiktheorie und von Harmonik, .... und eine ganz eigene Harmonielehre entwickelt."

Mit viel Enthusiasmus bei der Probenarbeit

Opern- und Ballettensemble, Orchester und Chor versammeln sich in Oldenburg auf der Bühne, um dieses zwei Jahrhunderte lang verschollene Werk mit viel Leidenschaft zu füllen. Man spürt die Begeisterung, mit der alle Beteiligten im Großen Haus des Theaters an dieser Inszenierung arbeiten. Das Dirigat hat der Franzose Alexis Kossenko übernommen; er ist begeistert über die Zusammenarbeit mit Antoine Jully, dem Leiter des Oldenburger Ballettensembles.

Tänzer auf einer dunklen Bühne (Szenenbild Les Boréades)
Die Barockoper "Les Boréades" von Jean-Philippe Rameau verbindet Oper und Tanz. Bild: Staatstheater Oldenburg | Stephan Walzl

Enge Verbindung von Oper und Tanz

Für Alexis Kossenko gibt es nicht einen einzigen Takt in Rameaus Musik, der nicht interessant ist, sagt er. Rameau sei ein Gigant, den man über Jahrhunderte verkannt habe, und eines der letzten wirklichen Genies des 18. Jahrhunderts.

Und Antoine Jully erklärt, dass Tanz und Gesang in der französischen Oper gleichberechtigt waren. Sängerinnen und Sänger stehen bei Rameau zwischen den Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne und sind ein zentraler Teil des Geschehens, das er frei gestalten darf. Denn es gibt zwar Noten und Text, aber keine Aufzeichnungen zu den Tanzschritten in den Opern von Jean-Philippe Rameau. Aber nirgendwo sonst und niemals wieder waren Oper und Tanz so eng miteinander verbunden, wie im französischen Barock.

Sehenswerte Aufführung

Theaterkritiker Marcus Behrens hat schon mehrfach über Antoine Jully und seine sehenswerten Aufführungen berichtet, – aber so enthusiastische und von ihrer gemeinsamen Arbeit so begeisterte Menschen im Umfeld einer Oper hat er selten getroffen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Vormittag, 02. Oktober 2021, 10:10 Uhr