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Auf der Bühne So haben Sie Moby Dick noch nie gesehen

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Szenenbild "Moby Dick oder Der Wal"
Der große weiße Wal und Nadine Geyersbach. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Am ersten Freitag im September hat das Theater Bremen die neue Spielzeit eröffnet, nach einer gefühlt kurzen Sommerpause. Das Theater ist also zurück – aber ist es auch zurück in der Normalität? Diese Fragen beantwortet Marcus Behrens, der sich die Uraufführung "Moby Dick oder Der Wal" im Kleinen Haus in Bremen angeschaut hat.

Moby Dick, dem gigantisch großen, weißen Wal, sind die meisten sicher irgendwann einmal in Form des Romans von Herman Melville begegnet.

Es ist ein Abenteuerroman, aber keiner für Kinder – und so war auch die Inszenierung am Theater Bremen eine Abenteuervorstellung. Doch ich finde: auch für Kinder. Denn selten habe ich ein Schauspiel gesehen, bei dem so viel mit Requisiten, Bühnenbild und Live-Musik erklärt wird – und mit so wenig Text.

Ein Buch fast ohne Worte völlig neu entdecken

Mit "Moby Dick oder Der Wal" haben sich die Geschwister Nadine und Denis Geyersbach einen langjährigen Traum erfüllt, sagt die künstlerische Leiterin des Bremer Schauspiels, Alize Zandwijk. Zandwijk führte auch Regie. Allerdings habe sie sich sehr zurückgenommen, erzählt sie – und vor allem die beiden machen lassen. Der Musiker Beppe Costa unterstützt Nadine und Denis Geyersbach auf der Bühne.

Szenenbild "Moby Dick oder Der Wal"
Leuchtende Unterwasserwelt. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Die Buchvorlage von Herman Melville zerfleddert gleich zu Beginn des Stücks auf der Bühne – und so bleibt auch nicht viel übrig vom Original. Es ist 1851 zum ersten Mal erschienen und hat inzwischen also 170 Jahre auf dem Buckel.

Buckelwale haben übrigens eine Lebenserwartung von 40 bis 50 Jahren, Pottwale von 60 bis 70 Jahren und Blauwale sogar von 80 bis 90 Jahren. Jedenfalls wenn sie nicht, wie in Melvilles Buch, von einem vor Wut schäumenden Waljäger erlegt werden.

Knapp Tausend Seiten in rund 90 Minuten

Die Geschwister Geyersbach, Musiker Costa und Regisseurin Zandwijk haben einen Kern der Geschichte – das Verhältnis von Mensch und Natur zueinander – auf schlanke 90 Minuten eingedampft. Und das Publikum, das erstmals wieder dicht an dicht auf den Rängen saß, geimpft, genesen oder getestet war, verfolgte ungewöhnlich still und konzentriert das zum Teil sehr laute Geschehen auf der komplett ausgefüllten Bühne. "Objekttheater" hatte es Intendant Michael Börgerding im Gespräch kurz vor der Premiere noch genannt. Kein neuer Begriff, aber ganz und gar nicht das, was ich von diesem Abend erwartet hatte.

Szenenbild "Moby Dick oder Der Wal"
Denis und Nadine Geyersbach. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Man hätte sich Melvilles "Moby Dick" auch anders nähern können: den Text sezieren statt die Tiere aus Pappe, Papier und Plastik. Das aber war nicht die Vision von Nadine und Denis Geyersbach, die es lieber anschaulich haben wollten. Sie haben damit auf jeden Fall erreicht, dass alle im Publikum jetzt verstehen, worum es eigentlich geht: Die Stärkeren werden siegen und deshalb muss jede und jeder endlich mal begreifen, dass es nur diese eine Welt gibt, die wir retten können.

Allen, die "Moby Dick" nur als Abenteuerroman in Erinnerung haben, wird in dieser überraschenden Bremer Inszenierung ins Gedächtnis gerufen, dass Melville auch philosophische Betrachtungen über die Natur und endlose naturwissenschaftliche Abhandlungen über den Walfang aufgeschrieben hat. Ich empfehle also: Erst das Stück am Theater Bremen anschauen – und dann den Roman von Herman Melville nochmals gründlich lesen.

Objekttheater zum Mitdenken in Bremen

Das Theater Bremen hat Herman Melvilles Roman "Moby Dick" auf die Bühne gebracht: überraschend und innovativ, findet Kritiker Marcus Behrens.

Szenenbild "Moby Dick oder Der Wal"
Leuchtende Unterwasserwelt. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg
Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Samstagmorgen, 4. September 2021, 07:20 Uhr