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Der Samstagmorgen mit Julian Beyer

Auf der Bühne Mittendrin im Milchwald der Erinnerungen und Hoffnungen

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Szenenbild "Milchwald"
Das Milchwald-Ensemble, Simon Zigah und Susanne Schrader im Vordergrund. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Armin Petras hat am Theater Bremen ein neues Stück auf die Bühne gebracht, das er auch selbst – unter dem Namen Fritz Kater – geschrieben hat. "Milchwald" lautet der Titel und alle, die jetzt denken, dass es sich um eine Bearbeitung des Klassikers "Unter dem Milchwald" von Dylan Thomas handelt, erzählt Marcus Behrens, worum es wirklich geht.

Der Titel erklärt sich nicht auf den ersten, zwei und dritten Blick an diesem Abend im ausverkauften Kleinen Haus des Theaters Bremen. Er könnte sich erklären, wenn man weiß, dass der walisische Schriftsteller Dylan Thomas für sein Werk "Under Milk Wood", deutscher Titel "Unter dem Milchwald" sehr berühmt geworden ist, ein Werk, dass auch als "ein Spiel für Stimmen" bekannt ist. So heißt eine der sieben Figuren in Katers Stück dann auch Dylan.

Ich könnte jetzt aber auch ganz böse sagen, Fritz Kater, also Armin Petras, weiß schon, womit er Aufmerksamkeit bekommt. Es fehlt beiden Werken eine gradlinige Handlung. Und, um dies vorweg zu nehmen: Ich glaube nicht, dass Katers "Milchwald" ein Klassiker wird.

Szenenbild "Milchwald"
Das Bremer Milchwald-Ensemble auf der bewusst klein gehaltenen Bühne im Kleinen Haus des Theaters. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Es geht um eine Gruppe von Menschen – Menschen, die laut Armin Petras in Bremen leben, sich mehr oder weniger flüchtig kennen und gemeinsam aktiv werden, als eine von ihnen abgeschoben wird. Dann beginnt die Reise nach Polesien, in eine historische Landschaft, die Teile vom heutigen Polen, von Weißrussland, Russland und der Ukraine umfasst. Das Ziel: die abgeschobene Freundin zurückzuholen. Erzählt wird in mehr als 20 Kapiteln, die zur Orientierung auch oben links auf der Pappwand eingeblendet werden. Allerdings wird diese Pappwand im Laufe des Abends mehr und mehr zerstört.

Menschen in Bewegung

Die Bühne wird bis auf die allerletzten Momente des Abends durch diese Wand auf wenige Meter Tiefe begrenzt, am Rande ist gerade noch Platz für einen Sessel und Teile eines Schlagzeugs. Einmal mehr Livemusik auf der Bühne, die manchmal zu laut ist, um die Worte zu verstehen, die auf der anderen Seite der Bühne gesprochen werden.

Szenenbild "Milchwald"
Das Ensemble mit Lieke Hoppe im Vordergrund. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

In Katers "Milchwald" geht es um Zwischenmenschliches, um Erinnerungen und um Aufgaben, an denen man wachsen oder scheitern kann. Es geht um Asyl und um Flucht, um EU-Außengrenzen und auch um das polnische Justizverständnis. Aber die Geschichte, die man zum Glück auf dem Programmzettel kurz vor- oder nachlesen kann, versteckt sich schon sehr in den gut zwei Stunden, die auf der Bühne sehr dynamisch rüberkommen, womit ich vor allem "laut" meine. Und ganz ehrlich, ich habe eigentlich keine Lust mehr, im Theater grundlos angebrüllt zu werden!

Armin Petras ist sich und seinem Alter Ego Fritz Kater treu geblieben und hat einfach alles zusammengeschrieben und inszeniert, was ihm eingefallen ist zu einem Thema. Es hätte also ein Abend voller Überraschungen werden können. Und wenn ein Autor sich selbst inszeniert, kann dabei ein perfektes Ganzes entstehen – aber es kann auch einfach nur als "Gewirr von Stimmen" (und Bildern) in Erinnerung bleiben, wie bei Armin Petras – im Vergleich zum "Spiel für Stimmen" von Dylan Thomas.

Inszenierung ohne Überraschungen

Es ist einer der temporeicheren Petras-Kater-Abende und trotz des relativ langen Stücks gibt es keinen Moment, in dem ich lieber still und leise auf meinem Stuhl eingenickt wäre, was auch am bereits erwähnten Brüllen auf der Bühne lag. Im Publikum um mich herum war zwar auch Unmut zu spüren, aber am Ende gab es ausreichend Beifall, nicht zuletzt für die einmal mehr überzeugende Leistung des Ensembles, zu dem Neuzugang Lieke Hoppe ebenso gehörte wie Susanne Schrader, Simon Zigah und Gast Caline Weber.

Szenenbild "Milchwald"
Farbe, Blut, Zerstörung, Chaos: Ferdinand Lehmann, Lieke Hoppe. Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Alle Petras- und/oder Kater-Anhänger, alle die Petras- und/oder Kater noch nie gesehen haben sollten sich diese Inszenierung auf jeden Fall anschauen. Alle, die wirklich überraschendes, wegweisendes Theater suchen, Theater, das noch lange in der Erinnerung bleiben soll, können auch drauf verzichten.

Armin Petras inszeniert Fritz Kater in Bremen: Milchwald

Das neue Stück von Fritz Kater, dem Alter Ego von Armin Petras, der es am Theater Bremen auch inszeniert hat, hat einen berühmten Titel, sagt Kritiker Marcus Behrens.

Szenenbild "Milchwald"
Simon Zigah als "Dylan". Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg
Bild: Theater Bremen | Jörg Landsberg

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Sonntagmorgen, 26. September 2021, 09:38 Uhr