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Die Nacht

Auf der Bühne Demokratie als Sinfonie in Oldenburg

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Szenenbild "Demokratische Sinfonie"
Das Ensemble der "Demokratischen Sinfonie". Bild: Oldenburgisches Staatstheater | Stephan Walzl

Zur Bundestagswahl im September hat sich das Oldenburgische Staatstheater etwas Ungewöhnliches einfallen lassen: eine Bilanz der Debatten des Deutschen Bundestags aus der ablaufenden Legislaturperiode, akzentuiert von Musik. Das Ergebnis hat den Titel "Demokratische Sinfonie". Bremen-Zwei-Redakteur Marcus Behrens hat sich die Uraufführung angesehen. "Beeindruckend und bedrückend", urteilt er.

Der 19. Deutsche Bundestag unterscheidet sich von fast allen vorangegangenen Bundesparlamenten: Sechs Fraktionen und sieben Parteien sitzen im Parlament, so viele waren es seit dem 1. Bundestag von 1949 bis 1953 nicht mehr. Diese Feststellung steht am Beginn des Theaterabends; gemacht hat sie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble in der konstituierenden Sitzung im Oktober 2017.

Essenz aus vier Jahren Alltag im Parlament

Die Texte stammen aus den Reden der zurückliegenden fast vier Jahre im Parlament, Regisseur Kevin Barz und Dramaturgin Anna-Teresa Schmidt haben sie aus Unmengen von Transkripten herausgefiltert. Die Klangmelodie der Worte und Sätze wurde zur Basis für die Komposition des US-Amerikaners Paul Brody.

Szenenbild "Demokratische Sinfonie"
Rebecca Seidel, Sophie Köster, Ksch. Thomas Lichtenstein, Jens Ochlast. Bild: Oldenburgisches Staatstheater | Stephan Walzl

Das Gesamtwerk und die Inszenierung überzeugen zunächst einmal dadurch, dass es gelungen ist, die wichtigsten Themen und Kontroversen aus vier Jahren auf gerade mal 75 Minuten einzudampfen. Vier Jahre Parlamentspolitik in etwas mehr als einer Stunde zusammenzufassen, ist eine sensationelle Leistung. Gut getroffen ist auch die Auswahl der zwölf Schauspielerinnen und Schauspieler, die, verteilt auf sechs Fraktionsblöcke, auf der Bühne Reden, Debatten und Zwischenrufe geben, musikalisch unterlegt und akzentuiert vom Oldenburgischen Staatsorchester.

Musik unterstreicht Dramatik der Worte

Das Gesamtkunstwerk präsentiert sich perfekt. Vermutlich wäre die Idee auch als reines Schauspiel aufgegangen, zumal es durch eine ausgefeilte Videoinstallation ergänzt wird. Aber ohne Musik wäre es natürlich keine Sinfonie. Andersherum betrachtet bin ich der Meinung, dass der Musik zwar eine überaus interessante, polyphon angelegte Notenfolge zu Grunde liegt, die für sich alleine aber nicht sofort auf die Umsetzung der Sprachmelodie aus den parlamentarischen Debatten schließen lassen würde. Die Komposition funktioniert in dieser Inszenierung aber hervorragend in einer Mischung aus filmreifer Akzentuierung und Programmmusik wie zum Beispiel in "Peter und der Wolf" von Sergei Prokofjew.

Szenenbild "Demokratische Sinfonie"
Rebecca Seidel (vorne) und das Ensemble der "Demokratischen Sinfonie". Bild: Oldenburgisches Staatstheater | Stephan Walzl

Ein beeindruckendes und bedrückendes Projekt

Die "Demokratische Sinfonie" ist ein gelungenes Projekt, besonders passend zur heißen Phase des Wahlkampfs in den Wochen vor der Bundestagswahl am 26. September 2021. Beeindruckend, weil es in 75 Minuten ein erschreckend realistisches Bild der Debatten im Deutschen Bundestag zeichnet. Bedrückend, weil es für diese dramatisch-dynamische Zusammenfassung tatsächlich nur eine Stunde und fünfzehn Minuten braucht.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Der Morgen, 19. Juni 2021, 07:47 Uhr