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Im Porträt Philipp Blom will, dass wir eine neue Gesellschaftsgeschichte erzählen

Autor

Historiker und Autor Philipp Blom
Historiker und Autor Philip Blom Bild: DPA | Helmut Fohringer

Es ist eine Zeitenwende, die die Menschheit gerade erlebt. Der Klimawandel und der endgültige Sprung ins digitale Zeitalter werden die beherrschenden Themen dieses Jahrhunderts sein. Auch die Corona-Pandemie wird uns alle noch eine Weile fordern. In seinem neuen Buch "Das große Welttheater: Von der Macht der Vorstellungskraft in Zeiten des Umbruchs" analysiert der Historiker und Bestseller-Autor Philipp Blom die gegenwärtigen Umbrüche.

Gesprächszeit "Wir müssen unsere Einstellungen ändern" - Philipp Blom

Historiker und Bestseller-Autor Philipp Blom analysiert die gegenwärtigen Umbrüche. So, wie wir wirtschaften und arbeiten, kann es nicht weitergehen, sagt er.

Audio vom 29. Oktober 2020
Historiker und Autor Philipp Blom
Historiker und Autor Philip Blom Bild: DPA | Helmut Fohringer

Er ist in Hamburg geboren, in den Niederlanden aufgewachsen, hat in Oxford und Wien Geschichte, Philosophie und Judaistik studiert – und insgesamt in fünf europäischen Ländern und in den USA gelebt. Aber nicht nur seine Biographie ist von Umbrüchen und Neuanfängen geprägt – auch beruflich befasst sich Philipp Blom damit. Seine Sachbücher beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Umbruchsituationen in Vergangenheit und Gegenwart. Philipp Blom lässt den Leser regelrecht eintauchen in die Lebenswelt der Menschen in der jeweiligen Zeit.

Mich interessiert es wahnsinnig, wie sich andere Menschen fühlen. Es ist dieses wunderbare Paradox: Menschen in der Vergangenheit waren exakt so wie wir und sie waren vollkommen anders.

Philipp Blom über die Faszination, sich in vergangene Lebenswelten hineinzudenken

Es fasziniere ihn, sich in die Menschen, die zu anderen Zeiten lebten, hineinzuversetzen: "Mich interessiert es wahnsinnig, wie sich andere Menschen fühlen. [...] Es ist dieses wunderbare Paradox: Menschen in der Vergangenheit waren exakt so wie wir und sie waren vollkommen anders. Sie haben dasselbe gewollt, sie haben Sex gewollt, sie mussten essen, sie haben sich gefürchtet vor dem Tod. Aber es war kulturell völlig anders eingebettet und es war völlig anders ausgedrückt. Deswegen haben sie auch zum Teil sehr anders gehandelt.“ 

Unsere Identitäten werden über Geschichten transportiert. Sie geben der Wirklichkeit eine Struktur.

Philipp Blom zur Bedeutung von Geschichten für das Selbstverständnis

In seinem aktuellen Essay "Das große Welttheater: Von der Macht der Vorstellungskraft in Zeiten des Umbruchs" analysiert Philipp Blom die gegenwärtige Umbruchsituation. Eine Gesellschaft erzähle sich Geschichten über sich selbst und finde dadurch auch die Richtung, in die sie gehen wolle. Im Moment erlebe man allerdings, dass die Geschichte des unendlich wachsenden, freien Marktes, die sich die Zivilisation seit fast 3.000 Jahren erzähle, an ihre Grenzen gerate – denn die Nebenwirkungen seien zu groß: "Im letzten Jahr hat Grönland eine Million Tonnen Eis verloren pro Minute. Der Regenwald weltweit – da wurden 30 Fußballfelder pro Minute vernichtet. Man muss kein Nobelpreisträger sein, um zu sehen, das kann nicht ewig so weitergehen."

Die aktuelle Geschichte, die auf der Idee vom Menschen als Krone der Schöpfung beruht und zur Ausbeutung der Natur geführt hat, funktioniere nicht mehr. Dadurch entstehe ein Vakuum, das versucht werde mit unterschiedlichen Geschichten oder Theorien zu füllen. Die gegenwärtige Pandemie sei für all das beispielgebend.

Alle Entwicklungen, die wir voraussehen können, sind eigentlich katastrophal.

Philipp Blom zu den globalen Herausforderungen der Zukunft

Wir können nicht zurück in eine einfachere, tugendhaftere Zivilisation, meint Blom. "Wir müssen unsere besten Köpfe, besten Computerprogramme, besten Technologien dafür einsetzen, eine hochentwickelte Gesellschaft zu bauen, die sich und die Natur nicht mehr zerstört. Und dafür müssen wir unsere Einstellungen ändern. Dafür müssen wir vielleicht auch ändern, was als erstrebenswert gilt. Im Moment berechnen wir den Erfolg einer Gesellschaft nach dem Bruttoinlandsprodukt. Nicht danach, ob es Menschen gut geht in dieser Gesellschaft, nicht danach, wie das Einkommen verteilt ist, wie Bildung verteilt ist, wie soziale Teilhabe, wie kulturelle Teilhabe verteilt ist, wie viele Menschen Antidepressiva schlucken oder einsam sind."

Es sei zwar fast unmöglich, diese zwingend notwendige, große Veränderung zu schaffen. Aber manchmal seien es auch die ganz kleinen Dinge, die kumulativ doch einen großen Unterschied machten. Insofern müsse man es trotzdem versuchen.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, Gesprächszeit, 30. Oktober 2020, 18:05 Uhr