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Die regionale Reportage Wie Reichskanzler von Bülow knapp einem Attentat auf Norderney entging

Autor/Autorin

  • Frank Jakobs
Begrüßung des Reichskanzlers Bernhard von Bülow und seiner Gattin bei der Ankunft zur alljährlichen Sommerfrische auf Norderney, um 1908
Begrüßung des Reichskanzlers Bernhard von Bülow und seiner Gattin bei der Ankunft zur alljährlichen Sommerfrische auf Norderney. Bild: DPA | akg-images

Auf der ostfriesischen Insel Norderney waren viele bekannte Persönlichkeiten zu Gast: Heinrich Heine, Theodor Fontane oder Angela Merkel. Auch Reichskanzler Bernhard von Bülow verbrachte um 1900 herum regelmäßig seinen Urlaub auf Norderney. Und in einem Jahr entging er wohl nur durch Zufall knapp einem Attentat.

Fürst Bernhard von Bülow

1908 auf Norderney: Reichskanzler Bülow wird Ziel eines Attentäters

David Braun wollte einen ranghohen Politiker töten: Reichskanzler Bernhard von Bülow. Für Braun ist er ein Feind der Arbeiterschaft. Er ist fest entschlossen, das Leben des Politikers zu beenden.

Bild: DPA | Fine Art Images/Heritage Images

Es ist Sommer auf Norderney. Am Abend des 3. August 1908 geht eine Frau am Strand spazieren. Sie ist die Gattin eines angesehenen Bremer Kaufmanns. Plötzlich fällt ein Schuss. Kurz darauf ein weiterer. Ein Attentat. Und das in der ostfriesischen Urlaubsidylle. Die örtliche Badezeitung berichtet damals:

Die Frau überlebt. Was die Zeitung aber verschweigt: Das Attentat gilt eigentlich nicht der Frau.

Zielscheibe Reichskanzler von Bülow

Fürst von Bülow mit seinem Bruder Alfred Victor auf der Strandpromenade in Norderney um 1910
Fürst von Bülow mit seinem Bruder Alfred Victor auf der Strandpromenade auf Norderney. Bild: DPA | akg-images

Denn der Schneidergeselle David Braun will einen ranghohen Politiker töten: Reichskanzler Bernhard von Bülow. David Braun ist Sozialdemokrat und hasst den Reichskanzler – für ihn ist er ein Feind der Arbeiterschaft. Der ist deshalb fest entschlossen, das Leben des Politikers zu beenden. Er weiß, dass sein Opfer Bernhard von Bülow die Sommermonate regelmäßig auf Norderney verbringt. Und so reist der Attentäter am 26. Juli 1908 auf die Insel. Er wohnt in einer kleinen Wirtschaft. Dort fragt er, wie der Reichskanzler seine Tage verbringe, wo er essen oder spazieren ginge, schreibt der Autor Michael Fleischer in seinem Buch "Berühmte Gäste Norderneys".

Attentatsplan geht nicht auf

Doch plötzlich ist der Reichskanzler verschwunden. Braun erfährt, dass sein Opfer zu einem Besuch beim Kaiser nach Heringsdorf gerist ist. Denn die politische Lage ist damals sehr angespannt. Deutschland und England rüsten ihre Flotten um die Wette auf. Es droht ein Krieg, den von Bülow verhindern will. Als der Reichskanzler nach Tagen immer noch nicht zurück ist, geht dem Attentäter das Geld aus. Er beschließt, sich irgendein anderes Opfer zu suchen. Eben jene Frau aus Bremen. In einem Abschiedsbrief schreibt er:

"Ich bedauere mein Opfer sehr, aber ich konnte nicht anders. Ich musste mich rächen an irgendeinem schönen Weibe, welches ich gern lieben möchte (…). Ich hatte mir eigentlich ein anderes Opfer auserlesen, und zwar den bekannten Wahlrechtsfeind, den Fürsten Bülow, welcher das arbeitende Volk bei jeder Gelegenheit verhöhnt und beleidigt hat. Nun reichen meine Mittel nicht mehr aus, um den Fürsten Bülow von Berlin kommend, zu erwarten, sonst wäre ihm eine Kugel sicher gewesen. (…) Gezeichnet. D. Braun."

Zum Glück des Reichskanzlers hat der Attentäter an jenem Tag nicht in die Badezeitung geschaut. Dort ist nämlich zu lesen, dass Bernhard von Bülow bereits wieder zurück auf Norderney ist. Über den geplanten Anschlag erfuhren die Menschen damals nichts und er wurde vergessen. Fast jedenfalls.

Dieses Thema im Programm: Bremen Zwei, 20. Juni 2022, 10:38 Uhr